Das Leben geniessen!? – Zwei Seiten einer Münze

Manche halten Christen für traurige Gestalten, weil sie so viel von dem reden, was nicht erlaubt ist. Aber wo bleibt da die Freude am Leben?
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Eine Frau im Feld

Dem italienischen Dichter Graf Giacomo Leopardi wird zu der Frage folgende Aussage zugeschrieben: «Das Leben gehört dem, der es geniesst.» Hinter diesen Worten steht die Vorstellung, dass man die schönen Seiten des Lebens auch verpassen kann, und damit letztlich auch das Leben insgesamt, weil man vieles getan und geschafft, aber das Leben nie oder nicht wirklich genossen hat.

Viele Möglichkeiten, das Leben zu geniessen

Menschen können sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise am Leben freuen: Die einen machen besondere Urlaube, andere feiern am Wochenende Party, wieder andere treiben Sport, haben Hobbys oder geniessen es, mit Freunden zusammen zu sein… – Es gibt so viele Möglichkeiten.

Das Leben geniessen – das möchten gewiss alle Menschen, ob sie es auch wirklich können, ist allerdings eine ganz andere Frage. Manchen gelingt es nur noch dann abzuschalten und sich richtig zu entspannen, wenn ihnen Alkohol oder anderes dabei hilft.

Jesus – den frommen Erwartungen entsprach er nicht

Den Menschen seiner Zeit, vor allem den Frommen, war Jesus verdächtig, weil er als jemand galt, der das Leben genoss. Während es für die Gläubigen seiner Zeit angesagt war, viel zu fasten, machte Jesus das mit seinen Jüngern nicht.

Damit fiel Jesus mit seinem Lebensstil aus dem Rahmen. Er zog umher und besuchte Feste und er hatte auch engere Freundschaften. Jesus war nicht der unnahbare, abgesonderte und asketische Lehrer. Sein erstes Wunder tat er, als er auf einem Hochzeitsfest grosse Mengen Wasser in Wein verwandelte und damit dem Hochzeitspaar aus einer riesigen Verlegenheit half.

Nicht der typische Lebensstil eines Rabbis

Jesus wusste sehr genau um die Kritik der Frommen. Er griff es auf und sagte: «Nun ist der Menschensohn gekommen, isst und trinkt wie jeder andere, und jetzt heisst es: 'Er frisst und säuft, und seine Freunde sind die Zolleinnehmer und Sünder!'», so zitiert Jesus seine Kritiker (Die Bibel, Matthäus-Evangelium, Kapitel 11, Vers 19) Kurz gesagt: Jesus wurde vorgeworfen einen normalen Lebensstil zu pflegen, der einem Rabbi nicht angemessen war.

Doch Jesus verband offensichtlich zwei Seiten des Lebens miteinander: Zum einen lehrte er Menschen und diente ihnen, zum anderen konnte er sich am Leben freuen und es geniessen.

Schweres und Schönes – die zwei Seiten des Lebens

Denn zum Leben gehört beides: Arbeiten und Feiern – Anstrengung und Erholung – Sich mühen und loslassen – Seine Kraft einsetzen, aber auch um die Grenzen der eigenen Kraft wissen – Kraft und Gesundheit, aber auch Krankheit und sogar der Tod.

All das gehört zum Leben und alles zusammen macht das Leben aus. Dass beide Seiten, die schönen, wie auch die schwierigen und schmerzhaften Dinge, zum Leben gehören, macht es ja erst möglich, das Leben wirklich und richtig zu geniessen. Wer nur feiert, aber für nichts Sinnvolles lebt, für den wird das Leben sehr schnell schal, leer und langweilig.

Übrigens: Graf Giacomo Leopardi erlebte einige Schicksalsschläge und starb bereits mit 39 Jahren. Trotzdem hatte er etwas ganz Entscheidendes über das Leben verstanden.

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