Das Beste kommt noch – Zufriedenheit nimmt mit dem Alter zu

Glück ist eine Momentaufnahme und kaum festzuhalten. Zufriedenheit ist dagegen eine längerfristige Lebenshaltung. Aktuelle Studien zeigen, dass sie im Alter eher zunimmt. Doch was verursacht Zufriedenheit? Muss man erst alt werden, um sie zu erleben?
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Altes glückliches Paar

Glück ist eine Momentaufnahme und kaum festzuhalten. Zufriedenheit ist dagegen eine längerfristige Lebenshaltung. Aktuelle Studien zeigen, dass sie im Alter eher zunimmt. Doch was verursacht Zufriedenheit? Muss man erst alt werden, um sie zu erleben?

In seiner bekanntesten Geschichte, «Max und Moritz», lässt Wilhelm Busch den Lehrer Lämpel nach Feierabend seine Pfeife anzünden und sagen: «'Ach!' – spricht er – 'die grösste Freud ist doch die Zufriedenheit!'». Dass diese Zufriedenheit im nächsten Augenblick schon wieder ihr Ende findet, scheint symptomatisch für uns Menschen. Denn offensichtlich lässt sich Zufriedenheit nicht herbeireden – aber sehr wohl empfindlich stören.

Zufriedenheit hat auch viel mit dem Lebensalter zu tun, unterstreicht Rudi Novotny in seinem ausführlichen Artikel in der ZEIT. Er behauptet (kurz gefasst): «Die Jugend sucht das Abenteuer. Die Lebensmitte setzt uns unter Druck. Das Alter aber übertrifft oft unsere Erwartungen.»

Viele Faktoren beeinflussen die Zufriedenheit

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Wilhelm Buschs Lehrer Lämpe

Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit Lebenszufriedenheit und Glücksforschung. Wichtige Faktoren dafür scheinen Gesundheit, finanzielle Sicherheit, Partnerschaft und Beruf, aber auch das Wohnumfeld und sogar das Schlafverhalten zu sein. Allerdings gibt es keine absoluten Werte, ab denen sich Zufriedenheit automatisch einstellen würde. Zwar gibt es Untersuchungen, die Menschen eine maximale Zufriedenheit bei einem Jahreseinkommen von 75'000 US-Dollar bescheinigen, doch diese Grenze gilt nicht weltweit – und sie scheint auch stark davon abhängig zu sein, wie sinnvoll man sein Geld ausgibt bzw. wie intensiv man sich mit besser gestellten Menschen vergleicht. «Im Einzelfall finden wir kreuzunglückliche Hocheinkommensbezieher genauso wie Menschen mit geringerem Einkommen und hohem Wohlbefinden», stellt denn auch der Soziologe Jan Delhey von der Universität Magdeburg laut Focus fest.

Dass die oben genannten Faktoren eine Rolle für unsere Zufriedenheit spielen, sie aber nicht entscheiden, wusste auch schon ein biblischer Multimillionär. Der alttestamentliche König Salomo unterstrich als Grundhaltung: «Besser wenig mit Gerechtigkeit, als ein grosses Einkommen mit Unrecht» (Sprüche Kapitel 16, Vers 8).

Das Zufriedenheitsparadoxon

Aber welche Auswirkungen hat nun das Lebensalter? Novotny zitiert den britischen Ökonomen Andrew Oswald, den Begründer der Zufriedenheitsforschung. Der entdeckte, dass junge Menschen in der Regel sehr zufrieden sind; in den mittleren Jahren fällt ihre Zufriedenheit meist auf einen Tiefpunkt, um danach im Alter wieder anzusteigen. Dass die Kurve der Zufriedenheit wie ein U wieder nach oben steigt, «obwohl die Gesundheit schlechter wird», bezeichnet Oswald als «Zufriedenheitsparadoxon. Es besagt, dass sich trotz objektiv schlechterer Lebensumstände das Lebensgefühl subjektiv verbessert.»

Die Ursachen scheinen darin zu liegen, dass man in der Lebensmitte ständig unter familiärem und beruflichem Stress steht, zwar noch von jugendlichem Optimismus geprägt ist, dieser sich aber durch fortgesetzte Enttäuschungen abnützt. Konkret: Der Traumjob ist längst zur anstrengenden, aber notwendigen Arbeit geworden, und auch die Traumehe findet nicht mehr auf rosaroten Wolken statt. Die Folgen: Wir finden uns mit Einschränkungen und Verlusten ab und feiern die kleinen Erfolge und Glücksmomente. Gerade vor dem Hintergrund, dass das Leben spürbar endlich wird, führt dies zu einer grossen Zufriedenheit.

Der Apostel Paulus erklärte im Neuen Testament, dass diese Einstellung keine Bankrotterklärung sei, sondern ein neuer Realismus: «Ich habe nämlich gelernt, mit der Lage zufrieden zu sein, in der ich mich befinde. Denn ich verstehe mich aufs Armsein, ich verstehe mich aber auch aufs Reichsein; ich bin mit allem und jedem vertraut, sowohl satt zu sein als auch zu hungern, sowohl Überfluss zu haben als auch Mangel zu leiden.» (Philipper Kapitel 4, Verse 11–12)

Gelassenheit und Gottvertrauen

Sicher begünstigen das Lebensalter und die gemachten Erfahrungen eine gewisse Zufriedenheit, aber jeder kennt auch Alte, die alles andere als zufrieden sind. Ein Automatismus ist es also nicht. Stattdessen scheint es immer wieder eine bewusste Entscheidung zu sein. Tatsache ist: «In Deutschland erreichen Scheidungen und Suizide in der Lebensmitte ihren Höchststand. Auch in Grossbritannien ist das Risiko mit 47 Jahren am höchsten» (Novotny).

Doch man kann die zweite Lebenshälfte nicht nach dem Muster der ersten leben. Die Prioritäten verschieben sich: Sein wird wichtiger als Haben; ein neues Auto reicht nicht mehr für Glücksgefühle, stattdessen halten viele inne und suchen ein bewussteres Leben. «Lehre uns unsere Tage richtig zählen, damit wir ein weises Herz erlangen!», betet Mose im 90. Psalm. Und zwar ohne Wirklichkeitsflucht und Passivität. Paulus setzte sich auch im Alter voll für seine bzw. Gottes Ziele ein, trotzdem unterstrich er: «Für mich ist Christus das Leben, und das Sterben ein Gewinn» (Philipperbrief Kapitel 1, Vers 21).

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