Was wir über die biblischen Königinnen wissen

In der Bibel regierten längst nicht nur Männer als Könige: Mehrere Frauen herrschten als Königinnen. Manche von ihnen spielten eine prägende Rolle in der damaligen Geschichte.

LinkedIn / Dr. Vusi Maseko
Biblische Königinnen hatten Macht.

In der Bibel gibt es fünf verschiedene Arten von Königinnen. In der deutschen Sprache wird die Rolle mit dem Wort «Königin» abgedeckt. Das hebräische Wort dafür lautete «malkah», die weibliche Form von «mlek» (für König). So wurde beispielsweise die Königin von Saba beschreiben. «Shegal» steht für die Frau eines Königs und «Gebirah» für die Mutter eines Königs.

Im Alten Testament gibt es Beispiele für einige Königinnen, die als Monarchin oder weibliche Königin regierten. Andere Königinnen waren Frauen, die mit Königen verheiratet waren. Einige Könige hatten mehr als eine Frau, von denen dann aber nicht alle Königin genannt wurden. Eine Königinwitwe konnte ihren Titel als Königin behalten, wenn ein neuer König kam. Dieser konnte – musste aber nicht – ihr Sohn sein.

Manchmal war eine Königinwitwe die eigentliche Herrscherin, die im Namen ihres kleinen Sohnes oder gelegentlich ihres Enkels regierte, der nur dem Namen nach der offizielle König war,  aber noch nicht alt genug war, um zu regieren. Eine Königinwitwe konnte eine Königinmutter und eine Regentin sein.

Königinnenmütter und Königin Esther

Die berühmteste Königingemahlin in der Bibel ist Königin Esther, die mit dem Kaiser von Persien verheiratet war. Das biblische Buch Esther erzählt ihre Geschichte, an die jedes Jahr im jüdischen Purimfest erinnert wird.

Viele Königinnenmütter werden im Alten Testament namentlich genannt. In den Büchern 1. Könige, 2. Könige und 2. Chronik wird fast immer der Name der Mutter des Königs erwähnt, wenn im Text ein neuer König von Juda vorgestellt wird.

Oft war sie die mächtigste Frau am Hof. Die Königinmutter trat manchmal für andere ein. In der Bibel in 1. Könige Kapitel 2 in den Versen 13 bis 21 lesen wir von Adonija, der zur Königinmutter, Königin Bathseba, ging, um bei König Salomo Fürsprache für seine Bitte zu halten.

Regentinnen wie Jedida und Zibija

Wenn Könige noch sehr jung waren, war die Königinmutter oft die eigentliche Herrscherin und sie führte die Geschicke des Landes als Regentin im Namen ihres Sohnes, bis er alt genug war, um zu regieren. In 2. Könige Kapitel 21, Vers 1 heisst es, dass Manasse zwölf Jahre alt war, als er König wurde, deshalb stand seine Mutter Hephzibah an seiner Stelle. In 2. Könige Kapitel 22, Vers 1 lesen wir, dass König Josia gerade einmal acht Jahre alt war, als er König wurde, somit wurde er von seiner Mutter Jedida vertreten. In 2. Chronik Kapitel 24, Vers 1 lesen wir, dass König Joas von Juda nur sieben Jahre alt war, als er König wurde – und so stand seine Mutter Zibija zunächst an seiner Stelle.

Die Regentin war nicht immer die Mutter, sondern manchmal auch die Grossmutter. In 1. Könige Kapitel 15, Verse 9-15 lesen wir von der Regentin Königin Maakah, die eigentlich die Grossmutter von König Asa von Juda war.

Königin von Saba

Die Königin von Saba ist die erste regierende Königin, die in der Bibel erwähnt wird. Die Geschichte ihres Besuchs bei König Salomo von Israel kann in 1. Könge Kapitel 10, Verse 1 bis 13 und 2. Chronik Kapitel 9, Verse 1 bis 12 nachgelesen werden.

Sie wird auch im Neuen Testament erwähnt. In Matthäus Kapitel 12, Vers 42 und Lukas Kapitel 11, Vers 31 wird sie als Königin des Südens bezeichnet. Viele gehen heute davon aus, dass sie in Südarabien regierte, in der Region des heutigen Jemen – und dass sich das Reich damals über das Rote Meer in das heutige Äthiopien hinein erstreckte.

Nach äthiopischer Überlieferung in der «Kebra Nagast» spielt die Königin von Saba eine herausragende Rolle. Laut dieser Aufzeichnung hiess die Königin von Saba Makeda; zusammen mit König Salomo zeugte sie den Sohn Menilek, der als König Menilek I. Gründer des Königshauses von Äthiopien wurde.

Eine Königin in Juda

Die Leute denken manchmal, dass Juda und Israel nur Könige kannten. Doch das Alte Testament beschreibt auch eine Königin, die Juda regierte. Königin Athalia regierte Juda sechs Jahre lang allein. Ihre Geschichte ist in 2. Könige Kapitel 8, Vers 16 bis 2. Könige Kapitel 11, Vers 16 und 2. Chronik Kapitel 22, Vers 10 bis Kapitel 23, Vers 1 aufgezeichnet. Kein Geringerer als – der Ausdruck sei erlaubt – der grosse König der damaligen Musik-Geschichte, Georg Friedrich Händel, schrieb im Jahr 1733 das Oratorium «Athalia» zu Ehren der grossen, hebräischen Königin.

Königin Athalia war überdies nicht die letzte Königin, die in Judäa regierte: Königin Alexandra stammte aus der Dynastie der Hasmonäer. Sie wird von Josephus beschrieben und im Talmud und in den Schriftrollen vom Toten Meer erwähnt. Sie unterstützte die Pharisäer gegenüber den Sadduzäern. Sie war Herrscherin von Judäa und starb vier Jahre vor der römischen Eroberung und einige Jahrzehnte vor der Geburt Jesu.

Königin Kandake und Richterin Debora

In Apostelgeschichte Kapitel 8, Verse 27 bis 39 lesen wir die Geschichte von Philippus, dem Evangelisten, der den Schatzmeister am Hof der äthiopischen Königin Kandake traf. Kandake war ein Titel wie Pharao oder Cäsar. Die Kandake waren eine Reihe von Königinnen, die damals in diesem Gebiet regierten.

Vor der Einführung der Monarchie wurde Israel von den Richtern regiert. Eine der berühmtesten von ihnen war Debora.

Es gibt nichts in der Bibel, das besagt, dass Frauen nicht die Rolle des Königs übernehmen konnten, und es scheint, dass damals insgesamt viele Frauen regierten.

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