Mehr als Seelenhygiene – Warum Sie selber mal ein Lied schreiben sollten

Der alttestamentliche König David hat bei fast jeder Gelegenheit zur Leier gegriffen. Sein Sohn Salomo soll über 1'000 Lieder verfasst haben. Und wo sind die Lieder von Ihnen und von mir? Fehlanzeige. Warum eigentlich?
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Lied komponieren

Der alttestamentliche König David hat bei fast jeder Gelegenheit zur Leier gegriffen. Sein Sohn Salomo soll über 1'000 Lieder verfasst haben. Und wo sind die Lieder von Ihnen und von mir? Fehlanzeige. Warum eigentlich? Wahrscheinlich würden unsere Lieder nicht in den Charts landen, aber hilfreich sind sie allemal.

Tatsächlich singen viele Menschen. Die einen im Chor, die anderen unter der Dusche. Und es gibt die Zeiten, da sind wir so erfüllt von Freude, dass wir den Eindruck haben: Jetzt muss ich singen, sonst platze ich… Allerdings bleibt es bei vielen nur beim Gedanken. Dabei hat Singen extrem positive Auswirkungen.

Singen an sich ist gesund

Natürlich kann man das Singen auch idealisieren. Johann Gottfried Seume meinte einmal: «Wo man singt, da lass' dich ruhig nieder, / böse Menschen haben keine Lieder.» Das hört sich nett an, stimmt allerdings nicht. Doch zahlreiche Untersuchungenbelegen: Singen ist gesund. Die Atmung dabei unterstützt den Kreislauf. Singen stärkt das Nervensystem und die Abwehrkräfte. Singen macht glücklich. Und es kann – eine gewisse Qualität vorausgesetzt – sogar therapeutisch auf andere wirken. Auch Musikwissenschaftler zitieren hierzu gern die Bibel, in der Davids Spiel Sauls Depressionen linderte: «Wenn nun der Geist von Gott über Saul kam, so nahm David die Harfe und spielte mit seiner Hand; und Saul fand Erleichterung» (1 Samuel, Kapitel 16, Vers 23). All diese positiven Auswirkungen gelten fürs Singen ganz allgemein. Eine besondere Qualität ist es allerdings, eigene Lieder zu singen.

Gedanken in Worte fassen

«Wer schreibt, der bleibt!», sagt das Sprichwort. Tatsächlich geht es den meisten Menschen so, dass sie immer wieder auch tiefere Erlebnisse haben. Und sich dabei denken: Das vergesse ich nie… Doch der Alltag überlagert sie sehr bald und so versinken sie doch im Niemandsland des Nicht-Erinnerns. Hier ist das Aufschreiben und Singen als eigenes Lied eine wunderbare Gegenstrategie. Wenn Ihr Herz voll ist, dann fliesst Ihr Mund über – so drückte Luther (Lukas, Kapitel 6, Vers 45) jedenfalls diesen Zustand aus.

Nehmen Sie sich doch einfach einen Zettel und machen ein Lied oder ein Gedicht aus Ihrer Freude. Keine Angst: Es muss nicht druckreif sein. Es ist ja nur für Sie selbst gedacht. Wenn Sie sich mit dem Komponieren schwertun, dann nehmen Sie einfach eine bekannte Melodie und unterlegen sie Ihrem Text. Fertig. Sie werden staunen, wie gut sich das Erlebte einprägt. Und falls Sie es doch vergessen sollten, haben Sie es ja aufgeschrieben. Und denken Sie daran, Ihr Lied auch zu singen!

Gott feiern

Dieses Singen ist der nächste Aspekt. Denn damit sprechen Sie Gott direkt an. Die Psalmdichter wussten bereits, was für eine Dynamik dieses Singen entfalten kann. «Singt dem Herrn ein neues Lied! Denn er hat Wunder getan; seine Rechte hat ihm den Sieg verschafft und sein heiliger Arm…» Das Ende vom Lied ist hier: Alles singt mit. Und zwar gefühlt wirklich alles: «Es brause das Meer und was es erfüllt, der Erdkreis und die darauf wohnen; die Ströme sollen in die Hände klatschen, die Berge allesamt sollen jubeln vor dem Herrn» (Psalm 98).

Anderen Worte geben

Der Schwerpunkt bei den meisten Menschen wird wohl darauf liegen, dass sie selbst Worte finden für das, was sie bewegt. Doch immer wieder sehen wir: Was Sie so tief getroffen hat, dass Sie daraus ein Lied gemacht haben, kann auch andere Menschen berühren. Das beginnt bei dem Siegeslied von Mose und seiner Schwester Mirjam (2 Mose, Kapitel 15, Vers 20) und hört beim Loblied des Zacharias (Lukas, Kapitel 1, Vers 68–79), dem sogenannten Benedictus, noch lange nicht auf. Gerade diese Beispiele unterstreichen, dass oft gerade die Menschen, die sprachlos waren (Zacharias) oder sich für sprachlich unbegabt hielten (Mose), letztlich die richtigen Worte für andere fanden.

Sie sind dran …

Okay, nun sind Sie dran. Machen Sie keinen Krampf daraus, aber versuchen Sie es doch einmal. Beim nächsten Mal, wenn Sie fast vor Glück platzen, dann nehmen Sie doch einfach einen Zettel und einen Stift und schreiben auf, was Ihnen durch den Kopf geht. Das funktioniert übrigens nicht nur bei den starken Glücksmomenten, auch Klagen und Fragen gewinnen eine andere Qualität, wenn Sie sie aufschreiben und ein Lied daraus machen.

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