Holy Spür-it – Warum Pfingsten nötig ist

Pfingsten ist in gewisser Weise das gefährlichste Fest des christlichen Kirchenjahres. Denn hier rutscht der Glaube vom Kopf ins Herz, in die Hände und Füsse. Aus Duckmäusern werden Revolutionäre.

Pfingsten ist in gewisser Weise das gefährlichste Fest des christlichen Kirchenjahres. Denn hier rutscht der Glaube vom Kopf ins Herz, in die Hände und Füsse. Aus Duckmäusern werden Revolutionäre.Weihnachten, Karfreitag und Ostern kann man, wenn man will, irgendwie «objektiv» und historisch feiern. Bei Pfingsten aber wird's persönlich. Plötzlich wird Gott nicht nur gedacht, sondern gespürt. Und zwar nicht auf oberflächliche Art, sondern 120 Männer und Frauen werden auf eine tiefgreifende Art emotional verändert.

Vom Jesus-Gedächtnisverein zur Weltrevolution

Wenn es Pfingsten nicht gegeben hätte, dann… ja, was dann? Man kann es sich kaum vorstellen. Ein paar Jesus-Nachfolger hätten vielleicht das Gedächtnis an ihn in ihren heimlichen Treffen wachgehalten, aber dieser Glaube hätte nie und nimmer die Welt umgekrempelt. «Bleibt und wartet, bis ihr mit dem Heiligen Geist erfüllt werdet», hatte Jesus nicht umsonst gesagt. Bis heute gilt: Menschen, Familien und Umstände werden nicht allein durch Argumente und Lehren verändert (so wichtig die auch sind); das christliche Evangelium ist eine Kraft, die uns mit Emotion und Leidenschaft packt. Das ist die Aufgabe des Heiligen Geistes, der «weiss, was im Menschen ist» und uns mit einer Kraft verändern kann, die ganz etwas anderes ist als gute Vorsätze oder rein menschliche Willenskraft. Und letztlich ist es diese Qualität, die ansteckt und Menschen zu «Zeugen» macht.

Der Glaubens-Turbo

Einige erleben «ihr persönliches Pfingsten» als machtvollen Durchbruch einer Power, die in einem Augenblick ihr ganzes Leben umkrempelt. Andere erfahren den Geist eher «scheibchenweise», Tag für Tag, immer wieder frisch. Das Entscheidende an Pfingsten ist: Gott wird erlebt. Ja, «gespürt». Leib, Seele und Geist werden von ihm erfasst. Und genau darum darf Pfingsten – bei aller heilsgeschichtlichen Einzigartigkeit und Unwiederholbarkeit – keine einmalige Erfahrung bleiben. Wir brauchen Nachfüllung, denn unser Gefäss «rinnt». Was einen Christen unwiderstehlich und lebendig macht, ist nicht die Summe seiner Gaben, seine Intelligenz oder seine Persönlichkeit. Es ist der Heilige Geist in ihm, ein Stück von Gott selbst. Das ist Hoffnung für die meisten von uns, die sich für nichts Besonderes halten.

Freude – Herzschlag des Universums

Was gern übersehen wird und was an Pfingsten unwiderstehlich durchbrach: Die treibende Kraft der ersten Christen war eine enthusiastische, tiefe Freude. Und zur Freude sind wir gemacht – sie ist nicht Randverzierung, sondern die innerste Mitte der Schöpfung. «Freude ist das ernste Geschäft des Himmels», sagte C.S. Lewis. «Die Geschichte unseres Glaubens, überhaupt unsere Existenz, beginnt und endet mit Freude. Freude am Anfang, Freude am Ende, Freude überall dazwischen. Freude ist Gottes Schöpfung und Geschenk. Authentischer biblischer Glaube ist nicht vorstellbar, der nicht von Freude durchdrungen ist», schreibt Eugene Peterson.

Schnell legen sich Pflicht, Schuld, Probleme und Dogmen wie Ringe um unser Herz – ein Grund mehr, sich an Pfingsten wieder wie ein Kind, ohne Reserven und mit erhobenen Händen dem Geist der Freude auszusetzen.

Frohe Pfingsten 2019!

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