Vorfreude – Warum kommt Advent vor Weihnachten?

Nein, die Geschenkverkäufer haben Advent nicht erfunden. Wer den Sinn von Advent auf dem Weihnachtsmarkt finden will, braucht eine feine Spürnase.

Unsplash / Alsu Vershinina
Geschenke kaufen, ist nicht das Wesentliche für die Adventszeit

Das Christkind kommt, freuet euch alle! Die Dezemberwochen stehen im Zeichen dieses Aufrufs. Für viele hat er ein Fragezeichen: Freude? – In stressigen Zeiten ziemlich anstrengend.

Anno Domini 1

Doch Freude ist angesagt. Ja, sogar im (multikulturellen) Schulzimmer; das haben die letzten Jahre ergeben. Denn Weihnachten ist für alle. Die Völker, die sich dem Christentum geöffnet haben, wissen um das grosse Licht, das ins Dunkel strahlt: Gott ist Mensch geworden.

Diese Zuwendung Gottes konnten sich Menschen nicht ausdenken. Sie ist keine Legende. Es passierte in Bethlehem. Sie ist ein historisches Geschehen – mit einer wunderbaren Vorgeschichte.* Jesus wurde geboren, weil Gottes Geist gewirkt hatte.

«Ja» Gottes zu den Menschen im Dunkel

Als kleines Baby kam er auf die Welt – und zugleich als Christus, als Gottes Bevollmächtigter, der die Menschen aus ihrer Verlorenheit retten sollte. Darum traten in der Heiligen Nacht die Engel auf. Das «Ja» Gottes zu den Menschen im Dunkeln, das Wunder, dass er sich aus purer Liebe mit denen identifiziert, die nicht weiter wissen – dies macht Weihnachten zum Geschenk.

Vorfreude

Warum davor Advent, vier Wochen Advent? (Das Wort bedeutet Ankunft, Ankommen.) Aus mindestens zwei Gründen: Erstens gehört zum Fest die Vorfreude. Dem Fest gebührt Vorbereitung, wenn es wirklich tief innen Freude bringen, das Herz erleuchten soll. Die Seele kann nicht – klick! – den Schalter umlegen. Die vier Kerzen auf dem Adventskranz zeigen es an: Eine um die andere geben sie Licht. Wenn auch die vierte die Stube erhellt, ist es bald soweit.

Zweitens ist Weihnachten viel mehr als Bethlehem vor 2'000 Jahren. Jesus Christus ist Gott; darum geht seine Geschichte mit den Menschen weiter. Christen erwarten, dass er wieder zur Erde kommt, diesmal nicht als Baby, sondern als Herrscher, der Gerechtigkeit und Frieden bringt. Darum das strahlende «Halleluja» in Händels «Messias»: Gott lässt auch heute die Welt nicht in ihrem Elend und Gejammer stecken.

Wir warten darauf im Advent: Wir warten auf dieses Ankommen des Menschensohnes vom Himmel, auf Jesus Christus, in Herrlichkeit, mit den Engeln Gottes. Dann wird sich vollends erfüllen, was sie damals in Bethlehem den Hirten ankündigten: «Friede auf Erden!» Advent ist die Zeit des frohen Wartens darauf, dass Gott uns dieses Geschenk macht.

Adventliche Abschnitte in der Bibel

Maria sprach:
«Meine Seele erhebt den Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter,
denn hingesehen hat er auf die Niedrigkeit seiner Magd.
Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter,
denn Grosses hat der Mächtige an mir getan.
Und heilig ist sein Name,
und seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht,
denen, die ihn fürchten.
Gewaltiges hat er vollbracht mit seinem Arm,
zerstreut hat er, die hochmütig sind in ihrem Herzen.
Mächtige hat er vom Thron gestürzt
und Niedrige erhöht.
Hungrige hat er gesättigt mit Gutem
und Reiche leer ausgehen lassen.
Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen,
und seiner Barmherzigkeit gedacht,
wie er es unseren Vätern versprochen hat,
Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.»
Lukas, Kapitel 1, Verse 46-55

«Aus dem Baumstumpf Isais wird ein Schössling hervorgehen,
und ein Spross aus seinen Wurzeln wird Frucht tragen.
Auf ihm wird der Geist des Herrn ruhen,
der Geist der Weisheit und der Einsicht,
der Geist des Rates und der Kraft,
der Geist des Wissens und der Furcht des Herrn.
Und er wird die Furcht des Herrn atmen
und er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen,
und nicht entscheiden nach dem, was seine Ohren hören:
Den Machtlosen wird er Recht verschaffen in Gerechtigkeit,
und für die Elenden im Land wird er einstehen in Geradheit.
Und mit dem Knüppel seines Mundes wird er das Land schlagen
und mit dem Hauch seiner Lippen den Frevler töten.
Und Gerechtigkeit wird der Schurz an seinen Hüften sein
und Treue der Gurt um seine Lenden.
Und der Wolf wird beim Lamm weilen,
und die Raubkatze wird beim Zicklein liegen.
Und Kalb, jünger Löwe und Mastvieh sind beieinander,
und ein junger Knabe leitet sie…»
Jesaja, Kapitel 11, Verse 1-6

*Lukas und Matthäus, die beiden Evangelisten, schildern die einzigartige Geschichte aus zwei verschiedenen Blickwinkeln: aus dem Blickwinkel Marias und dem Josefs.

Dieser Artikel erschien im Dezember 2018 auf Jesus.ch.

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