Hoffnungsperspektive – Warum das Suchen nach einer Arche die Flut der Angst nicht besiegt

Ängste bestimmen den Alltag vieler Menschen, und scheinbar sind keine Lösungen in Sicht. Damit steigt die Erwartung vieler Menschen auf eine «Arche», darauf, dass Gott uns wie damals Noah durch sein übernatürliches Handeln herausholt.
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Arche Noah

Ängste bestimmen den Alltag vieler Menschen, und scheinbar sind keine Lösungen in Sicht. Damit steigt die Erwartung vieler Menschen auf eine «Arche», darauf, dass Gott uns wie damals Noah durch sein übernatürliches Handeln herausholt.

Dem «Arche-Gedanken»begegnete Russell Moore, Chefredakteur von Christianity Today, vor einer Weile bei dem anderen US-Autor Venkatesh Rao. Dabei erklärte Venkatesh Rao, dass solche Gedanken («Ark-Head») entstünden, wenn Menschen es aufgeben würden, unsere globalen Probleme zu lösen und stattdessen nach einer «Arche» suchten, um die Stürme dieses Zeitalters der Angst zu überstehen. Dieser Text fasst die zentralen Gedanken von Moore dazu zusammen.

Arche-Gedanken

Rao beobachtet eine wachsende Gleichgültigkeit bei Menschen, die sich vor «immer grösser werdenden globalen Problemen und Krisen, auf die wir zusteuern» sehen. Die Probleme reichen dabei von einer zusammenbrechenden Weltwirtschaft über eine globale Pandemie und ihre dauernden Folgen bis hin zum dritten Weltkrieg. Fast ironisch stellt er fest, dass selbst eine ausserirdische Invasion nur ein resigniertes «Was können wir schon dagegen tun?» hervorbringen würde.

Er sieht darin einen neuen Bewältigungsmechanismus der Menschen. So wächst laut ihm die Sehnsucht nach einer Arche, die den Einzelnen dabei hilft, «eine katastrophale Flut zu überleben und dabei so viel wie möglich von allem, was einem wichtig ist, zu bewahren».

Ein Missverständnis?

Moore gibt Rao recht, dass wir in einer angstgeprägten Zeit leben, einer Zeit, in der manche als Selbstschutz eine Art Gleichgültigkeit entwickeln. Auch wenn dabei die Idee einer grossen Rettung von aussen attraktiv erscheint, denkt er, dass Rao «den Sinn der Geschichte der Arche Noah nicht verstanden hat, wie vielleicht viele Christen».

Noah hatte sich die Arche nicht ausgesucht. Tatsächlich brauchte er besonderen Glauben (Hebräer, Kapitel 11, Vers 7), um auf dieses Schiff zu setzen. Seine Zeit war nämlich nicht von Angst und Schwierigkeiten geprägt und einer Suche nach Sicherheit, stattdessen unterstrich Jesus die Alltäglichkeit damals, als die Menschen «in den Tagen vor der Sintflut assen und tranken, heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, als Noah in die Arche ging, und nichts merkten, bis die Sintflut kam und sie alle dahinraffte» (Matthäus, Kapitel 24, Verse 38-39). Offensichtlich war die Arche kein Bewältigungsmechanismus für die Probleme der Zeit.

Hilfreiche Parallelen

Doch Moore entdeckt auch Hilfreiches im Bild der «Arche-Gedanken». Von Noahs Zeiten an spotteten Menschen über die Möglichkeit, dass Gott richten könnte, dass sich Dinge einmal grundsätzlich ändern würden. Petrus stellte in seinem neutestamentlichen Brief einen Bezug zwischen der Sintflut und heutigen Krisen her. Moore denkt dabei an die Taufe und hält fest: «In gewisser Weise braucht die Kirche eine Version der Arche-Mentalität von Rao. Wir sollten uns daran erinnern, dass wir auf Christus getauft sind, so wie durch die Arche 'acht Personen sicher durch das Wasser gebracht wurden'. In ihm haben wir bereits die grösste Krise von allen durchgestanden – das Gericht Gottes.»

Hoffnungszeichen – damals und heute

Die Sintflut endet mit zwei Ausblicken, die wenig hoffnungsvoll scheinen. Als es aufhörte zu regnen, liess Noah Raben fliegen – die kehrten nicht zurück, weil sie als Aasfresser überall genug fanden. Und als er eine Taube fliegen liess, kam sie zurück, weil sie «keinen Ort, wo ihr Fuss ruhen konnte», fand (1. Mose, Kapitel 8, Vers 9). Doch schliesslich gewann die Hoffnung: Die nächste Taube kehrte mit einem Olivenblatt zurück.

Wiederum eine Taube kam zu Jesus, als er sich von seinem Cousin Johannes taufen liess. Für Moore ist dies kein Zufall: «Wieder einmal kundschaftete eine Taube die neue Schöpfung aus, fand das Leben nach dem Gericht und wies den Weg nach Hause» – und damit heraus aus bedrängten Zeiten.

Moore unterstreicht: «Die Ängste um uns herum sind real. Manchmal scheint es, als würde die ganze Welt auf einmal einen Nervenzusammenbruch erleiden. Am deutlichsten sehen wir das vielleicht daran, dass immer mehr Jugendliche mit einer noch nie dagewesenen Häufung psychischer Probleme zu kämpfen haben. Andere verspüren keine Angst, haben aber die Hoffnung auf die Zukunft aufgegeben.» Dabei sind weder triviale Ablenkung noch Weltflucht für ihn eine Lösung. «'Arche-Gedanken' können in einer angstüberfluteten Welt nicht überleben. Die Archen, die wir bauen, sind den Wassern, die uns begegnen, nicht gewachsen. Aber es gibt Leben auf der anderen Seite des Wassers.»

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