Ulrich Parzany nimmt Stellung – Warum Christen und Muslime nicht den gleichen Gott anbeten

Bischof Martin Heins Gleichstellung des islamischen und christlichen Gottes stiess Ende November auf Kritik, u.a. vom ehemaligen ProChrist-Leiter Ulrich Parzany. Gegenüber Livenet präzisiert er die Gründe, warum er dem Bischof widersprochen hat.

Bischof Martin Heins Gleichstellung des islamischen und christlichen Gottes stiess Ende November in Deutschland auf Kritik, unter anderem vom ehemaligen ProChrist-Leiter Ulrich Parzany (siehe idea-Artikel Ulrich Parzany widerspricht Bischof Martin Hein). Gegenüber Livenet erklärt Parzany, warum er den Aussagen des Bischofs widersprochen hat.

Auf die Aussagen des kurhessen-waldeckischen Bischofs Martin Hein, dass Juden, Christen und Muslime zu demselben Gott beteten und dass die Barmherzigkeit Gottes «das zentrale verbindende Element zwischen den drei Religionen» sei, antwortete der bekannte Evangelist und Pfarrer Ulrich Parzany, dass sich der Bischof irre. Es stimme zwar, dass Juden und Christen zu demselben Gott beteten, nämlich dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, aber ihn dem Gott der Muslime, Allah, gleichzustellen, sei «ein dreistes Stück».

Laut idea rief er auch Christen dazu auf, «dem Bischof offen und mit biblisch-theologischen Gründen» zu widersprechen.

Livenet wollte dazu mehr wissen und fragte Parzany, weshalb der christliche und jüdische Gott und Allah seiner Meinung nach nicht der gleiche sein können und wie er einen möglichen Dialog zwischen Muslimen und Christen sieht.

Livenet: Ulrich Parzany, Sie behaupten, der Gott der Christen und der Muslime könne nicht der gleiche sein. Welche Gründe führen Sie dafür an?
Ulrich Parzany: Nach der Bibel hat sich Gott in Jesus Christus offenbart. Wir Christen beten zu dem dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das verurteilt der Koran als Vielgötterei und erklärt es zur Sünde, die nicht vergeben werden kann. Nach der Bibel ist die Kreuzigung Jesu der Kern der Erlösung und Versöhnung mit Gott. So sehr hat Gott die Welt geliebt (Die Bibel, Johannesevangelium, Kapitel 3, Vers 16). Nach dem Koran, Sura 4,157 ist es eine Lüge zu behaupten, dass Jesus gekreuzigt wurde, weil Gott allmächtig und weise ist. Es gehört zur respektvollen Begegnung mit anderen Religionen, dass man ihre Aussagen ernst nimmt.

Wie, denken Sie, könnte der Dialog zwischen Christen und Muslimen gefördert werden, ohne falsche Kompromisse einzugehen?
Auch bei unvereinbaren Positionen können und müssen wir uns mit Respekt begegnen. Meine Erfahrung ist, dass man mit gläubigen Muslimen sehr gut in einen Dialog treten kann, wenn man den eigenen Glauben ernst nimmt. Christen, die nicht zu ihrem eigenen Glauben stehen, stossen bei Muslimen auf Verachtung.

Wie stehen Sie zur Ökumene?
Ökumene ist für mich die weltweite Gemeinschaft der Christen unterschiedlicher Kirchen, Konfessionen, Denominationen und Kulturen. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heisst es: «Ich glaube an… die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen». Ich glaube, dass es in allen Kirchen echte Christen gibt, mit denen ich in dem einen Leib von Jesus Christus zusammengehöre. Nach den Worten von Jesus (Die Bibel, Matthäusevangelium, Kapitel 13) wird Gott am Ende der Geschichte Unkraut und Weizen trennen. Er beurteilt, wer echt ist und wer nicht. Das muss ich nicht tun.

Zum idea-Artikel:
Ulrich Parzany widerspricht Bischof Martin Hein

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