Lobpreis in der Mangel – Warum Anbetung trotz berechtigter Kritik «funktioniert»

Immer wieder wird Lobpreismusik kritisiert: Die Texte seinen zu flach, die Melodien zu emotional, die Theologie dahinter zu unausgewogen. Doch echter Lobpreis war noch nie anders. Und das ist nicht seine Schwäche, sondern seine Stärke.

Immer wieder wird Lobpreismusik kritisiert: Die Texte seinen zu flach, die Melodien zu emotional, die Theologie dahinter zu unausgewogen. Doch echter Lobpreis war noch nie anders. Und das ist nicht seine Schwäche, sondern seine Stärke.

Lobpreis ist nicht über Kritik erhaben. Man kann – völlig zu recht – einzelne Aspekte dabei ablehnen. Man kann einen anderen Musikgeschmack haben oder andere geistliche Schwerpunkte setzen. Viele Kritiker überfrachten aber den Stellenwert des Lobpreises so sehr, dass keine reale Musik mehr ihren Ansprüchen genügen würde. Und verpassen dabei das, was Lobpreis ermöglicht: eine Begegnung mit Gott.

Lobpreis wurde schon immer kritisiert

Der Reformator Martin Luther verwendete die Melodien von Kneipenliedern für seine Texte und wurde heftig dafür kritisiert. Der biblische König David sang seine Lieder nicht nur zur Harfe, sondern tanzte sogar vor dem gewöhnlichen Volk und wurde dafür von seiner Frau verachtet (2. Samuel, Kapitel 6, Verse 5 und 14-16). Bis heute findet Lobpreis nicht nur begeisterte Anhänger, sondern erntet immer wieder Kritik.

Jonathan Aigner, Theologe und Musiklehrer, listete zum Beispiel in einem Internetartikel eine Anzahl Lieder auf und überschrieb das Ganze: «10 Lobpreislieder, die wir nicht mehr singen sollten». Warum? Matt Redmans bekanntes Lied «Blessed be your name» kritisiert er als schwer singbar und ergänzt: «Theologisch gesehen klingt es nett, aber es enthält wenig über Gottes Charakter oder die Schönheit des Evangeliums.» Wie gesagt: Kritik in dieser Art gab es schon immer. Aber wirklich gerecht wird sie dem Lobpreis nur selten.

Kein Lied spricht jedem aus dem Herzen

Der US-Pastor und Autor A. W. Tozer erklärte einmal: «Anbetung bedeutet, im Herzen etwas zu fühlen; das Empfinden im Herzen kommt zuerst.» Damit spricht er etwas Typisches für Lobpreis (oder auch Musik allgemein) an: Er berührt Menschen. Da wir aber alle unterschiedlich sind, verschiedene Prägungen und Geschmäcker haben, berühren uns Lieder unterschiedlich tief. Der eine erlebt sich bei einem Anbetungslied von Albert Frey direkt vor Gottes Thron, während die nächste dies eher bei einem Bach-Choral erlebt. Kein Lied kann jeden in gleicher Weise berühren. Und zwar unabhängig von Melodie, Text oder theologischem Gehalt. Auch dies ist keine echte Kritik an Lobpreis. Es ist eher ein Plädoyer für Vielfalt im Gottesdienst, damit möglichst jeder etwas findet, das ihn anspricht. Und wer einmal weder mitsingen noch die Hände heben möchte, kann dies selbstverständlich bleiben lassen.

Ist Lobpreis wirklich theologisch inkorrekt?

Tatsächlich sind einige Aussagen in Lobpreisliedern eher einseitig und theologisch inkorrekt. Doch damit stehen sie in einer guten Tradition, denn dasselbe gilt für die Psalmen der Bibel. Auch David & Co haben bei ihren Liedern nicht in erster Linie daran gedacht, ein rundes Gesamtbild von Gott zu zeichnen oder «die Schönheit des Evangeliums» vollständig abzubilden. Stattdessen verfassten sie abgrundtief verzweifelte Klagelieder und kurz danach himmelhochjauchzende Lobpsalmen.

Judson Cornwall erklärte diese scheinbare Diskrepanz folgendermassen: «Früher störte es mich, dass die Bibel uns keine ausdrückliche Definition für Anbetung liefert, aber ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass wir, wenn uns eine Definition gegeben worden wäre, ein leeres Ritual aus ihr gemacht hätten. Weil die Grundlage von Anbetung ausgeschüttete Liebe ist, fiele es sowieso schwer, sie zu erklären; denn in dem Moment, in dem wir Liebe in eine Reihe von harten und undurchbrechbaren Regeln einschliessen, zerstören wir sie.» Wer käme auf die Idee, das zarte Reden zweier Verliebter zu analysieren? Niemand. Hoffentlich. Denn ihr Ziel ist es nicht, druckreif, korrekt oder lexikalisch vollständig zu reden. Sie wollen einfach sagen: «Ich liebe dich». Wie im Lobpreis.

Gott sieht das Herz an

Als Gott sich im Alten Testament David als neuen König aussucht, erklärt er dabei dem Propheten Samuel: «Der Herr entscheidet nicht nach den Massstäben der Menschen! Der Mensch urteilt nach dem, was er sieht, doch der Herr sieht ins Herz» (1. Samuel, Kapitel 16, Vers 7). Natürlich geht es in diesem Zusammenhang nicht um Anbetung. Aber es wird ein pädagogisches Prinzip Gottes verdeutlicht: Die Herzenseinstellung geht vor. Wie jeder liebende Vater schaut Gott nicht zuerst auf vollkommenen Ausdruck, perfekte Formulierung oder fehlerfreie Darstellung. Gott sieht unser Herz. Er sieht, ob unser Lobpreis vordergründige Show oder echte Anbetung ist. Und er stört sich nicht an unserer Wortwahl. Stattdessen begegnet er uns so, wie wir zu ihm kommen. Hier liegt die eigentliche Kritik an der Kritik des Lobpreises. Denn Gott sucht keine festgelegte Form, keine wasserdichten Formulierungen. Er sucht Menschen wie dich und mich, Menschen, die über ihren Schatten springen und sagen: «Gott, ich hab dich lieb».

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