Glaube ganz praktisch – Vier Schritte auf dem Weg zum Vergeben

Immer wieder werden Christen dazu aufgefordert, anderen zu vergeben. Ein biblischer Rat. Doch wie macht man das konkret? Insbesondere, wenn die Wunde der Enttäuschung noch so frisch ist oder die Wut auf den anderen einfach nicht abklingen will?

Immer wieder werden Christen dazu aufgefordert, anderen zu vergeben. Ein biblischer Rat. Doch wie macht man das konkret? Insbesondere, wenn die Wunde der Enttäuschung noch so frisch ist oder die Wut auf den anderen einfach nicht abklingen will?

Die Bibel fordert uns immer wieder auf zu vergeben, etwa Paulus in Epheser, Kapitel 4, Vers 34b: «…vergebt einander, so wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.» Und wir wissen vermutlich, dass Vergeben auch für unser inneres Wohlbefinden unglaublich wichtig ist. Doch wenn ich mich entscheide, jemandem zu vergeben, wie geht das dann ganz praktisch? Was ist, wenn ich keine Lust habe zu vergeben? Oder wenn ich immer noch unendlich wütend oder verletzt bin?

Der Autor und Sprecher Dwight Clough beschreibt vier Schritte, die wir gehen sollten, wenn wir jemandem vergeben möchten. Dazu nutzt er ein ganz persönliches Beispiel:

Beispiel aus dem Alltag

Als ich mit meiner jungen erwachsenen Tochter einkaufen war, erzählte sie mir von einer unschönen Begebenheit mit einer früheren Chefin. Wieder zuhause dachte ich über das Gehörte nach und wurde echt wütend. Wie wohl alle Eltern bringt es mich auf die Palme, wenn jemand meine Kinder nicht gut behandelt. Ich selbst lehre in einem Onlinekurs, dass man anderen vergeben soll und Gottes Botschaft an mich war in dieser Situation sehr deutlich: «Tust du das, was du predigst?» Ich musste vergeben… Und ich schaffte es durch vier Schritte.

Schritt 1: Auf die Wut konzentrieren

Es bringt nichts, zu leugnen, dass wir noch wütend sind. Gott weiss das. Und vor ihm können wir uns nicht verstecken. Wenn wir uns aber auf unsere Wut konzentrieren, kann uns das wertvolle Informationen geben, die wir beim Vergeben gut gebrauchen können. Deshalb konzentrierte ich mich auf meine Wut. Und das war in meiner Situation kein Problem, denn die Wut sass direkt hier vorne.  

Schritt 2: Finden Sie heraus, warum Sie wütend sind

Das besteht aus zwei Teilen; zum einen: Warum sind Sie wütend? Und dann: Warum haben Sie das Gefühl, dass Sie weiter wütend sein sollten? In Matthäus, Kapitel 18 erzählt Jesus ein Gleichnis davon, anderen zu vergeben. Darin vergleicht er das Vergeben damit, eine Schuld zu erlassen. Aber wir können keine Schuld erlassen, wenn wir gar nicht wissen, worum es geht. Und wir müssen wissen, warum wir glauben, das Recht oder das Bedürfnis zu haben, weiterhin wütend zu sein. Diese Gründe machen manchmal von aussen gesehen keinen Sinn, aber für uns sind sie dennoch wahr. Als ich über meine Wut nachdachte, merkte ich, dass sie aus dem Wunsch heraus kam, meine Tochter zu beschützen.

Schritt 3: Laden Sie Jesus ein, dass er Ihnen seine Perspektive eröffnet

Wir können nur dann von Herzen vergeben, wenn Gott unser Herz verändert, so dass wir die Dinge aus seiner Perspektive sehen. Deshalb betete ich: «Jesus, was muss ich hierbei wissen?» Plötzlich war es mir klar: Gott schulte meine Tochter. Er wusste, was er da machte. Er wollte nicht, dass ich in dieser Situation hereinbrauste und sie beschütze. Und während sich meine Perspektive auf die Dinge veränderte, merkte ich, wie mein Ärger nach und nach verschwand.

Manchmal müssen wir die Schritte 1 bis 3 mehrmals wiederholen, bis Gott uns alle Gründe aufzeigt, weshalb wir immer noch an unserem Ärger festhalten (müssen).

Schritt 4: Vergeben

Das ging für mich dann automatisch. Ich war nicht mehr wütend und so war es für mich relativ einfach, zu vergeben. (Ich habe diese ehemalige Chefin meiner Tochter auch nicht darüber informiert, dass ich ihr vergeben habe. Manchmal ist das wichtig, hier war es aber unwichtig.)

Kurz gesagt: Wir laden Jesus in den Vergebungs-Prozess mit ein. Wenn wir das tun, hat er die Möglichkeit, auf übernatürliche Weise unsere Herzen zu verändern. Ich war nach diesem Erlebnis mit Jesus ganz von Frieden erfüllt. Heute, mehrere Tage später, verspüre ich weiterhin keine Wut mehr, wenn ich an die Dinge denke, die meine Tochter mir erzählte. Und ich bete dafür, dass Gott auch Ihnen übernatürliche Gnade schenkt, um anderen zu vergeben, wenn Sie Jesus mit in diesen Prozess einladen.

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