Saddleback-Pastor Tom Holladay – Vier Entscheidungen für eine lebenslange Ehe

Warum halten einige Ehen ein Leben lang, während andere schon nach wenigen Jahren geschieden werden? Antworten auf diese Frage und gute Tipps gab Pastor Tom Holladay von der US-Megagemeinde Saddleback Kalifornien. Er brachte Beispiele aus seiner Ehe.
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Tom Holladay

Was hilft, damit eine Ehe ein Leben lang hält? Welche Eigenschaften muss sie haben? Welche Entscheidungen muss man treffen, damit Liebe weiter besteht?

Im 1. Petrusbrief, Kapitel 1, Vers 22 steht: «Darum hört nicht auf, einander aufrichtig und von Herzen zu lieben!» Die Frage ist: Wie macht man das? Wie schafft man es, ein Leben lang nicht aufzuhören, einander zu lieben? Vier Entscheidungen können dabei helfen...

1. Richtig zuhören

Wenn Sie von ganzem Herzen lieben wollen, müssen Sie von ganzem Herzen zuhören. Sie müssen Ihre Ohren nutzen und Ihren Partner wirklich verstehen. Davon spricht der bekannte Vers aus dem Jakobusbrief, Kapitel 1, Vers 19: «Darum, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.» Die erste Entscheidung ist also, dem anderen zuzuhören.

Doch in einer Beziehung ist diese Entscheidung nicht immer einfach. Wir denken an uns selbst, daran, was in unserem Leben gerade vor sich geht. Deshalb gibt es Dinge, die man tun kann, um dem anderen aktiv zuzuhören – denn das geschieht nicht von alleine, zumindest bei mir nicht. Aber man kann in eine Beziehung bewusst Zeiten einbauen, um dem anderen zuzuhören. Meine Frau und ich gehen jeden Tag zusammen spazieren. Das ist eine Zeit, die wir uns nehmen, um zu kommunizieren.

Vor ein paar Jahren gab es auf so einem Spaziergang eine Meinungsverschiedenheit. Der Streit wurde so hitzig, dass wir uns trennten und in entgegengesetzte Richtungen weitergingen. Wir vergassen allerdings, dass wir uns auf einem Rundweg befanden und uns früher oder später wieder treffen würden... Und genauso ist das auch mit der Kommunikation. In der Ehe befinden wir uns auf einem Rundweg, wir werden uns eh wieder treffen. Warum nimmt man sich dann nicht einfach Zeit, um zusammenzukommen und zu kommunizieren?

Ein Schlüssel für richtiges Zuhören ist, das man die Aussage auch so hört, wie der andere es sagen will. Viele von uns denken: Sag es doch einfach so, wie ich es hören möchte, dann verstehe ich es auch! Und wir sind alle so unterschiedlich! Aber Sie müssen es so hören und aufnehmen, wie der andere es sagen und mitteilen möchte.

2. Annehmen und Vergeben

Eine zweite Entscheidung, die man treffen muss, ist, von ganzem Herzen zu vergeben. Es gibt etwas, das wir verstehen müssen: Es besteht ein grosser Unterschied zwischen Akzeptanz und Vergebung. Jemanden zu akzeptieren bedeutet, ihn so anzunehmen, wie er ist, seine Fehler, sein Versagen, seine unterschiedliche Art. Manchmal verwechseln wir das und denken, wir vergeben dem anderen, wenn wir ihn eigentlich nur in seiner Andersartigkeit annehmen müssen. 'Ich vergebe ihm, dass er vergessen hat, den Müll rauszubringen'; 'Ich vergebe ihr, dass sie zu spät gekommen ist'; oder 'Ich vergebe ihm, dass er wieder den Toilettendeckel oben gelassen hat'. Das hat nichts mit Vergebung zu tun, sondern mit Akzeptanz – es sei denn, er hat den Toilettendeckel nicht zurückgeklappt, um ihr den Tag zu verderben... Aber normalerweise haben diese Dinge mit der Annahme des anderen zu tun. Im Römerbrief, Kapitel 15, Vers 7 schreibt Paulus: «Darum ehrt Gott, indem ihr einander annehmt, wie Christus euch angenommen hat.» 

Es gibt also Annahme, aber dann gibt es natürlich auch Vergebung in einer Ehe. Ein Sünder heiratet einen anderen Sünder. Wenn wir ein Leben lang zusammenbleiben, werden gewisse Sünden den anderen verletzen. Und deshalb müssen wir einander vergeben – und das immer wieder, wie uns der Epheserbrief, Kapitel 4, Vers 32 sagt: «Geht vielmehr freundlich miteinander um, seid mitfühlend und vergebt einander, so wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.» Der einzige Weg, um die Kraft zu haben, dem anderen zu vergeben, ist durch die Kraft der Tatsache, dass Jesus Christus Ihnen vergeben hat. Jemand sagte einmal, dass die Ehe eine Verbindung von zwei vergebenden Menschen ist. Deshalb müssen wir vergeben, wenn unsere Ehe ein Leben lang halten soll.

3. Demütig und selbstlos sein

Eine dritte Entscheidung ist, von ganzem Herzen demütig zu sein. Ich hätte auch selbstlos sagen können, aber letztlich ist Demut das, was hinter der Selbstlosigkeit steht. Darüber spricht auch der Philipperbrief, Kapitel 2, Vers 3: «Rechthaberei und Überheblichkeit dürfen keinen Platz bei euch haben. Vielmehr sollt ihr demütig genug sein, von euren Geschwistern höher zu denken als von euch selbst.» Durch Demut werden wir selbstlos. Dem anderen etwas zu geben, um im Gegenzug etwas zurückzubekommen, ist nicht Selbstlosigkeit, sondern Geschäftstüchtigkeit. Selbstlosigkeit geht so tief, dass man den anderen als wichtiger ansieht als sich selbst. Wenn wir – wie die Bibel sagt – jeden so behandeln sollen, dann doch erst recht in der Ehe! Das bedeutet aber auch nicht, dass man sich selbst für weniger wichtig hält. Sie sind wichtig in Gottes Augen! Wenn Sie das verstehen, dann gibt Ihnen das die Kraft, über den anderen höher zu denken als von sich selbst. Und das ist Selbstlosigkeit.

Meine Frau und ich waren vor ein paar Jahren bei einer Hochzeit und vor uns sass ein Ehepaar. Sie flüsterten verärgert miteinander und man konnte an ihrer Körpersprache direkt sehen, wie die Spannung zwischen ihnen wuchs, bis sich einer von ihnen schliesslich einen Stuhl weiter setzte. Während der Predigt – es ging darum, dass Liebe langmütig ist – wuchs die Spannung auf den leeren Stuhl zwischen ihnen: Würde jemand demütig genug sein, um auf den leeren Stuhl zu rücken? Schlussendlich tat das auch einer von ihnen und sie umarmten sich wieder... Doch in der Ehe gibt es oft diesen Raum, diese Lücke. Das geschieht häufig beim Streiten: Wir rücken im Streit voneinander weg und die Frage ist, wer wieder in diese Lücke treten wird. Wer bewegt sich auf den Partner zu? Und natürlich sagen wir dann: Ich habe beim letzten Mal nachgegeben, jetzt bist du dran! Und wir sitzen starrköpfig da, mit dem leeren Stuhl in der Mitte, und unsere Beziehung wird schlechter und schlechter...

Wenn Sie in Ihrer Ehe den Punktestand aufschreiben, haben Sie schon verloren! Es ist kein Spiel, es ist eine Beziehung und in einer Beziehung geht es um Demut. Es geht darum, dass jemand das Risiko eingeht und in diese Lücke rutscht. Das kann im Streit geschehen, oder auch im sexuellen Bereich, wenn etwas nicht rund läuft. Wer wird nachgeben und das Thema ansprechen? In einer perfekten Beziehung würden wohl beide gleichzeitig auf den leeren Stuhl rutschen und in der Mitte zusammenstossen, aber das passiert nie! Es muss immer einer der beiden sein. Und die Bibel sagt hier, dass ich jeden als höher betrachten soll als mich. Das bedeutet, dass ich immer derjenige sein muss, der sich zum Partner hin bewegt. Ich sollte niemals vom anderen erwarten, sich zuerst zu bewegen. 

4. Gott von ganzem Herzen lieben

Und die letzte Entscheidung für eine Liebe, die ein Leben lang hält, ist, Gott von ganzem Herzen zu lieben. Das lehrte Jesus schon im Markusevangelium, Kapitel 12, Vers 30: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft!» Gott hat Sie erschaffen, Gott hat die Ehe erschaffen und wenn Sie sich Gott nähern, dann kommen Sie mit einem Mal in engen Kontakt mit demjenigen, der Sie wie kein anderer in Ihrer Ehe stärken kann. Er möchte das Beste für Sie und das Beste für Ihre Ehe. Wenn Sie sich deshalb ihm nähern, ist das das Beste, was Sie tun können, um Ihre Ehe zu stärken. Und die Wahrheit ist: Wenn wir auf menschlicher Basis versuchen, uns einander zu nähern, funktioniert das nicht immer. Oft steht die Vergangenheit im Weg, verletzende Worte oder auch Dinge, die wir selbst noch nicht einmal verstehen... und wir merken: Ich komme einfach nicht näher an diese Person ran! Doch wenn wir immer näher an Gott heranrücken, werden wir unweigerlich näher aufeinander zu gehen. 

Alleine können wir das nicht schaffen! Aber wir schaffen es durch Gottes Kraft... Und er ist bereit, uns jeden Tag neu diese Kraft zu geben, wenn wir ihn darum bitten!

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