Zurück in die Normalität? – Vielleicht sollen wir gar nicht weitermachen wie vorher…

Überall ist vom «Business as usual» die Rede. Wie können wir wieder zurück zur Normalität kommen, sei das bei der Arbeit, in Schule, in Kirchen... Doch während der Krise gab es auch Aufbrüche – sollen wir überhaupt zurück zur Normalität?
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Frau mit Maske

Überall ist vom «Business as usual» die Rede. Wie können wir wieder zurück zur Normalität kommen, sei das bei der Arbeit, in der Schule, in den Kirchen, mit den Hobbies und in so vielen anderen Bereichen? Doch während der Krise gab es auch Aufbrüche – sollen wir überhaupt zurück zur Normalität?

«Wenn Gott unser Normal wirklich mochte, warum hat er es dann so durcheinandergebracht?», fragt Ron Hutchcraft, Missionsleiter vom Werk «Ron Hutchcraft Ministries». «Machte er das, damit wir es wieder zurechtzupfen? Oder möchte er Dinge wirklich verändern, indem er so auf die Bremse getreten ist?»

Ron Hutchcraft ist sich sicher, dass Gott durch die Krise unsere Aufmerksamkeit erhalten wollte, um uns Fragen zu stellen, die wir sonst vielleicht nie gestellt hätte. Und um Veränderungen ins Auge zu nehmen, die wir sonst vielleicht nie in Erwägung gezogen hätten. Wenn wir denn das bisher normale Leben zurücklassen und uns auf ein Leben einlassen wollen, in welchem Gott seinen Plan durchführen kann, gibt es laut Ron Hutchcraft vier Richtungen, in die wir schauen müssen, damit wir das «neue Normal» Gottes wirklich ausleben können.

1. Blick nach oben

Man wird leicht von Routinen und Terminplänen abhängig und weiss normalerweise, was auf einen zukommt. Aber wenn unsere Welt völlig umgekrempelt wird, müssen wir uns nach oben orientieren. Hutchcraft erklärt dazu: «Wenn Sie ein christlicher Leiter sind, ist es gut, sich zu fragen: 'War ich zu abhängig von Events, Programmen, vom Terminplan der Kirche, von Systemen, Menschen, Spendern? War meine Abhängigkeit bisher Gott plus etwas anderes?' Gott möchte dieses 'plus' wegnehmen. Und er hat das getan, indem er es unmöglich gemacht hat, dass wir uns auf gewisse Dinge verlassen können, auf die wir normalerweise vertraut haben.»

Der Missionsleiter rät, Gott jeden Tag um eine Botschaft oder ein Wort aus der Bibel zu bitten, nicht erst, wenn der Notfall eingetreten ist – und jeden Tag von ihm abhängig zu sein.

2. Blick nach innen

Diese Krise ist aber auch eine Chance, in sich hinein zu horchen. «Viele von uns, die wir jetzt mehr Zeit zu Hause verbringen, mehr Zeit mit der Familie, weniger flüchten können, weniger Ablenkungen haben, haben gemerkt, dass es einige angeknackste Beziehungen gibt, an denen wir arbeiten müssen. Vielleicht haben Sie ein Wutproblem, an dem Sie arbeiten müssen, Probleme mit Angst, mit Panikattacken, mit Sorgen, Unglauben… Es ist auch eine gute Zeit, um herauszufinden, ob Sie ein Kontroll-Freak sind: Wie fühlen Sie sich jetzt, wo Sie nichts unter Kontrolle haben?»

Wenn wir darauf achten, wie wir auf die Unsicherheit und Angst dieser Pandemie reagieren, öffnet dies die Tür, damit der Heilige Geist uns diese Dinge zeigt. «Tragen Sie all das, was in Ihnen zerbrochen ist, nicht mit sich ins neue Normal. Befassen Sie sich damit. Es ist Zeit für Veränderung!»

3. Blick nach aussen

Als die Samariter in Johannes, Kapitel 4, Vers 35 Jesus am Jakobsbrunnen trafen, sagte Jesus: «Blickt euch einmal um und seht euch die Felder an. Sie sind reif für die Ernte!» Ebenso sollten wir unsere Augen für die Not um uns herum öffnen, wenn unsere Gemeinden über die Grenzen hinaus geschoben werden. Ron Hutchcraft spricht etwa von einer Zunahme von Selbstmorden, Abhängigkeiten, Überdosis… All dies sei «ein Indikator dafür, dass die Menschen um uns herum verloren sind und dass sich unsere Mission nicht innerhalb der Kirchenmauern befindet. Sie liegt ausserhalb unserer Mauern. Wir bleiben innerhalb der Mauern, um Jüngerschaft zu machen, aber wir brauchten eine Erinnerung daran, dass es eine Welt gibt, die darauf wartet, dass wir uns für sie einsetzen.» Auch jetzt, wo Covid-19 nicht mehr alle Überschriften ziert, dürfen wir Christen uns nicht zurückziehen, sondern sollen weiter unseren Blick nach aussen richten.

4. Blick nach vorne

Ron Hutchcraft ermutigt dazu, in die Zukunft zu schauen, «in der Gott neue Dinge tun wird. Er hat uns bereits dazu gezwungen, Neues zu tun…» Das habe er selbst im Missionswerk erlebt. Zunächst waren die Planänderungen frustrierend, als ein Event nur online durchgeführt werden konnte, doch letztlich hätte man durch ein Online-Event mehr als doppelt so viele Menschen erreicht als sonst. «Wir dürfen diese innovative, neue Perspektive nicht verlieren, die Gott uns gegeben hat, um unsere Mission durchzuführen. Schauen Sie nach vorne auf eine Zukunft, über die Gott sagt: 'Verlier nicht die neuen Dinge, die ich dir in der Pandemie gezeigt habe…'»

Zu dem bekannten Vers aus Jeremia, Kapitel 29, Vers 11 «Ich, der HERR, habe Frieden für euch im Sinn und will euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung. Mein Wort gilt!» erklärt Hutchcraft: «Dies sagte Gott, als sein Volk aus seinem Land gerissen wurde – das war Gottes Gericht über ihre Sünde und Rebellion und Götzendienst. Jetzt sind sie in einem anderen Land. Sie sprechen die Sprache nicht und es ist kein schöner Ort für sie. Auch wir wurden aus unserem Normal gerissen und in eine Umgebung gesetzt, die nicht so schön ist und genau dann sagt Gott: 'Ich weiss, was für Pläne ich für euch habe, gute Pläne, kein Leid, und ich werde euch Zukunft und Hoffnung geben.' Lasst uns mutig in die Zukunft gehen und nicht bloss versuchen, die Vergangenheit wieder neu zum Leben zu erwecken…»

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