Woran die meisten glauben – Moralistischer therapeutischer Deismus

In einer grossangelegten Studie unter US-Jugendlichen kam die Religion zutage, der wahrscheinlich die allermeisten Menschen (nicht nur junge) irgendwie anhängen. Und es wird deutlich, warum der christliche Glaube genau das NICHT ist.
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Mann liest die Bibel

Der Soziologe Christian Smith untersuchte 2005 in einer repräsentativen Studie die religiösen Überzeugungen von Jugendlichen in den USA. In seinem Buch «Soul Searching: The Religious and Spiritual Lives of American Teenagers» kam er zum Ergebnis, dass allen religösen Glaubensformen (in Christentum und anderen Religionen) gewisse Grundüberzeugungen zugrunde lagen, die er als «moralistischer therapeutischer Deismus» (MTD) definierte:

  1. Es gibt einen Gott, der die Welt geschaffen und geordnet hat und über das menschliche Leben auf der Erde wacht.
  2. Gott will, dass die Menschen gut, nett und fair zueinander sind, wie es in der Bibel und den meisten Weltreligionen gelehrt wird.
  3. Das zentrale Ziel des Lebens ist es, glücklich zu sein und sich gut zu fühlen.
  4. Gott muss sich nicht besonders in das Leben eines Menschen einmischen, es sei denn, er wird gebraucht, um ein Problem zu lösen.
  5. Gute Menschen kommen in den Himmel, wenn sie sterben.

Wenn man bei uns auf der Strasse jemanden nach seinen Glaubensüberzeugungen fragen würde, würde es bei vielen Menschen irgendwie ähnlich tönen. Man kann diesen Allgemeinglauben in drei Hauptbegriffe zusammenfassen, die wir kurz mit eigenen Worten umschreiben.  

Moralistisch:
Man muss gut sein und möglichst die Gebote dieses Gottes erfüllen.

Therapeutisch:
Dieser Gott ist dazu da, dass er uns hilft mit dem Ziel, dass es uns gut geht.

Deismus:
Dieser Gott hat ansonsten mit unserem Leben nicht viel zu tun. Er ist in der Regel weit weg, ausser man braucht ihn. (Deismus ist die Lehre, dass es zwar einen Gott gibt, der aber in der Regel nicht eingreift und nicht viel mit meinem Leben zu tun hat.)

Wenn Menschen Atheisten werden oder den Glauben aufgeben, dann ist es häufig darum, weil sie merken, dass dieser «Gott» nicht funktioniert: ich bin nicht gut genug und kann seine Gebote nicht erfüllen. Wenn man ihn braucht, hilft er nicht und tut nicht, was man von ihm erwartet. Und sowieso ist er meistens nicht da.

Christentum, das perfekte Gegenteil

Wenn man Jesus, sein Leben, Leiden und Sterben – und die Heiligen Schriften des Neuen Testaments, die auf ihm aufbauen – auch nur ein bisschen tiefer versteht, merkt man bald, dass er diesen Allgemeinglauben in allen drei Punkten radikal hinterfragt, aus den Angeln hebt und ihn durch eine neuen Realität ersetzt:

  • Jesus, das Ende der Moral

Wer versucht, anständig zu leben und damit Gott Genüge zu tun, wird sich vielleicht zuerst über das Urteil der Bibel ärgern, dass da «keiner ist, der Gutes tut» und dass kein Mensch dem ethischen Anspruch Gottes genügt. Bis er dann merkt: Bei Jesus geht es nicht in erster Linie darum, dass wir anständig leben, sondern dass wir uns hinter ihn stellen, der als vollkommener Mensch das Todesurteil Gottes aushielt und fortan jeden Menschen «gerecht spricht» und als «in Ordnung» vor Gott hinstellt, der auf ihn vertraut.

  • Jesus, der Un-Berechenbare

Klar, Jesus hat viel Gutes getan und viele Menschen geheilt. Aber wer wirklich mit ihm lebt, merkt, dass Jesus nicht einfach alle Wünsche erfüllt. Wer sich auf ihn einlässt, hat es mit einem lebendigen Herrn zu tun, nicht mit einem berechenbaren Gebets-Erhörer. Der lebendige Gott kann unsere Erwartungen ent-täuschen – und gerade das ist ein Zeichen, dass wir nicht an unsere eigene Konstruktion glauben. Glauben heisst eben nicht vor allem «Was Gott für mich tut», sondern «Ich beginne, für ihn zu leben».

  • Der Gott, der ganz nahe ist

Jesus war ja selbst Gott, der eben nicht distanziert, buddhahaft unbeweglich und weit weg blieb, sondern Mensch wurde und ganz nahe kam. Wer sich durch Jesus auf diesen Gott einlässt, dem wird er ungeahnt lebendig werden, nahe kommen, mit ihm reden und ihn leiten.

Darum Achtung: Man kann an seinem «moralistisch-therapeutischen Deismus» festhalten und es wird für sein Leben nicht viele Auswirkungen haben. Oder man kann sich auf Jesus einlassen und plötzlich merken: Jetzt beginnt etwas zu leben. Jetzt geht es um ganz etwas anderes als solch eine Projektion meiner eigenen Wünsche, sondern um Realität, Leben, Wahrheit. Jeder kann entscheiden, ob er einem religiösen Konstrukt entlang der MTD-Linien folgen – oder durch Jesus dem lebendigen Gott begegnen will.

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