Für eine Zeit wie diese – Lernen von Königin Esther

Grössenwahnsinnige Herrscher, die Gesetze nach eigenem Gutdünken ändern, wir erleben im Moment gerade einiges davon. Sie sind aber nichts Neues, wie uns die Geschichte von Esther aus der Bibel zeigt. Was können wir von Esther lernen?
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Grössenwahnsinnige Herrscher, die Gesetze nach eigenem Gutdünken ändern, wir erleben im Moment gerade einiges davon. Sie sind aber nichts Neues, wie uns die Geschichte von Esther aus der Bibel zeigt. Was können wir von Esther lernen?

In der letzten Zeit beschäftigt mich ein Satz aus dem Buch Esther, den ihr Onkel und Pflegevater zu ihr sagte: «Du bist vielleicht in dieser Position für eine Zeit wie diese!» Persönlich hatte ich in letzter Zeit oft den Eindruck: Du bist, wo du bist, für eine Zeit wie diese, und hörte auch von Bekannten, die ukrainischen Flüchtlingen helfen: Ja, das stimmt, wir sind, wo wir sind, für eine Zeit wie diese. Gott hat uns hierher gestellt. Aber was hat das mit Esther zu tun?

Die Situation, in der Esther lebte

Der persische König Ahasveros hatte über ein halbes Jahr Gäste aus seinem Riesenreich, welches von Äthiopien nach Indien reichte, eingeladen und protzte vor ihnen mit seinem Reichtum. Die Trinkgefässe waren aus Gold, aber auch die Betten, auf denen gelagert wurde, waren golden und silbern. Es war ein Reichtum und Überfluss, der weit weg war vom Alltagsleben der normalen Bürger seines Reiches. Am Ende des halben Jahres wurde ein siebentägiges Fest organisiert, an dem dann die ganze Bevölkerung von Susa eingeladen war. Jeder sollte so viel Wein trinken, wie er wollte.

Am Ende der sieben Tage kam der König dann auf die Idee, die Schönheit seiner Königin vorzuzeigen. Königin Vasti weigerte sich, vor dem König und seinen Getreuen zu erscheinen, was für mich sehr verständlich ist. Ich hätte mich wohl auch nicht vor einer riesigen Horde mehr oder weniger betrunkener Männer zeigen wollen. Vastis Weigerung machte den König aber so wütend, dass er nur zu gerne den Vorschlag seiner Berater annahm, ein neues Gesetz zu erlassen, welches der Königin verbieten würde, je wieder vor ihm zu erscheinen. Ein neues Gesetz, das nun im ganzen Riesenreich gelten soll, nur weil jemand etwas sagt oder tut, das dem Machthaber nicht passt, bei einem König und seinem Gefolge, die so reich sind, dass sie keine Ahnung mehr davon haben, wie das normale Volk lebt – klingt das nicht sehr aktuell?

Esther kommt ins Spiel

Die Königin ist weg, nun muss eine Neue her. Es werden im ganzen Land junge und schöne Frauen gesucht und mitgenommen, die wohl keine Wahl hatten, ob sie in den Palast wollten oder nicht.

Esther, welche ihre Eltern verloren hatte und bei Mordechai, ihrem Onkel aufwuchs, wird auch mitgenommen. Mordechai sagt ihr noch, dass sie nicht verraten solle, dass sie Jüdin sei und wacht auch weiterhin von Ferne über ihr. Esther, die jüdische, elternlose junge Frau, hätte sich wohl nie vorstellen können, einmal im Palast zu landen und Königin zu werden.

Esther wird während Monaten auf die erste Begegnung mit dem König vorbereitet und in dieser Zeit wird Haman zum Obersten Fürsten gewählt. Der König ordnet an, dass sich alle vor Haman verbeugen sollten, aber Mordechai tut das nicht und macht Haman damit sehr wütend.

Herausforderung an Esther

Esther ist nun die neue Königin, wurde aber schon länger nicht mehr zum König gerufen. In dieser Zeit will sich nun Haman nicht nur an Mordechai, sondern am ganzen Volk der Juden rächen, lügt dafür den König an, und besticht ihn mit Geld. Er bekommt vom König die Macht, die Juden umzubringen und ihren Besitz zu plündern. Esther hört erst durch den trauernden Mordechai von diesem schrecklichen Plan. Mordechai fordert Esther auf, zum König zu gehen, sich dort als Jüdin zu offenbaren und für ihr Volk zu bitten. Als Esther zögert, sagt Mordechai dann den Satz, der mich in letzter Zeit oft begleitet hat: «Wer weiss, ob du nicht gerade für eine Zeit wie diese zur Königin erhoben worden bist.» (Esther Kapitel 4, Vers 14)

Obwohl diese Situation für Esther gefährlich ist, denn sie darf nicht ohne Aufforderung beim Köing erschienen, wird sie aktiv und lässt Mordechai ausrichten, dass die Juden zusammen mit ihr und ihren Dienerinnen zur Vorbereitung drei Tage fasten sollten, danach wird sie zum König gehen.

Gottes Eingreifen

Nachdem Esther die Herausforderung angenommen hat, zum König geht, seine Gunst erhält und ihr Anliegen vortragen kann, wird wieder ein Gesetz erlassen. Die Juden dürfen sich verteidigen, aber nicht plündern, und letztlich bleiben alle am Leben. Noch heute wird das Purim Fest gefeiert, an dem sich die Juden daran erinnern, wie Gott für sie Rettung geschaffen hat. Diese Dankbarkeit, aber auch die Besonnenheit und der Mut, mit denen Esther und Mordechai an diese Herausforderung herangegangen sind, sind eine Aufforderung an uns, in solchen Situation dasselbe zu tun, auch wenn wir uns den Ort oder die Zeit nicht ausgesucht haben.

Für eine Zeit wie diese

Auch wir wissen wohl nicht immer, warum wir in einer bestimmten Situation gelandet sind. Sehen wir das dann als Gottes Möglichkeit oder als ein Hindernis auf unserem Weg? In Esthers Fall hatte Gott einen Plan, nicht nur für sie, sondern für sein ganzes Volk. Die Herausforderung an mich ist, zu erkennen, dass Gott vielleicht auch mich in gerade dieser Zeit in meine gegenwärtige Situation geführt hat, auch wenn ich das gar nicht will oder es anstrengend finde.

Die ganze Geschichte hat mich immer wieder an das erinnert, was gerade in der Ukraine geschieht: Der mächtige König, seine Handlanger, ein schwächeres Volk, das verleumdet wird etc. Und ganz viele Leute, die erkennen, dass Gott sie dahin gestellt hat, wo sie sind, für eine Zeit wie diese. Gott hat sie vorbereitet, nun sind sie bereit. So wie der Teamleiter einer europäischen Organisation, der schon als junger Mann Russisch und andere europäische Sprachen lernte, diese aber nie so wirklich gebraucht hat, nun aber merkt: Ja, es ist zwar anstrengend, oft etwas überwältigend, aber er ist nun genau am richtigen Platz – für eine Zeit wie diese!

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