Ein Feiertag zur Umkehr – Klingt nicht attraktiv: Buss- und Bettag

Elf Tage vor dem ersten Advent steht ein Feiertag im deutschen Kalender, mit dem nur wenige etwas anfangen können: Buss- und Bettag. Woher kommt er eigentlich und wie «feiert» man ihn? Kann solch ein Tag heute noch eine Bedeutung haben?

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Frau kniet vor einem Kreuz

Elf Tage vor dem ersten Advent steht ein Feiertag im deutschen Kalender, mit dem nur wenige etwas anfangen können: Buss- und Bettag. Woher kommt er eigentlich und wie «feiert» man ihn? Kann solch ein Tag heute noch eine Bedeutung haben?

Viele kirchliche Feiertage sind selbstverständlich im Alltag der Menschen präsent: «Ich gehe jetzt nach Hause, wir zünden gleich die Kerzen an und feiern Advent», ist eine Aussage, die fast alle nachvollziehen können. «Ich gehe jetzt nach Hause zum Büssen und Beten» wirkt dagegen eher sperrig.

Eine lange Tradition

Wikipedia klärt darüber auf, dass es in Deutschland für einen langen Zeitraum keinen einheitlichen Buss- und Bettag gab. «So konnte man 1878 in 28 deutschen Ländern insgesamt 47 Busstage an 24 unterschiedlichen Tagen zählen.» Damals schlug die evangelische Kirche einen einheitlichen gesetzlichen Feiertag vor, der dann Schritt für Schritt eingeführt und auf den letzten Mittwoch im Kirchenjahr gelegt wurde. 1994 wurde er als arbeitsfreier Tag wieder abgeschafft – aus Rücksicht auf die Mehrbelastung der Arbeitgeber durch die damals eingeführte Pflegeversicherung. Seitdem gibt es den gesetzlichen Feiertag nur noch in Sachsen.

Anfangs kritisierten die Kirchen das Streichen des Feiertags, doch inzwischen hat man sich arrangiert. Dazu kommt eine selbstkritische Haltung, die Bernd Oettinghaus als Gebetsleiter einmal so zusammenfasste: «Wenn wir als Kirchen solch einen Feiertag nur noch als freien Tag und nicht zum Beten nutzen, dann können wir ihn auch zurückgeben…»

In fast der ganzen Schweiz wird der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag übrigens jeweils am dritten Sonntag im September begangen. 

Biblische Vorbilder

Im Lauf der Geschichte riefen Kirchen und Regierende immer wieder einmal zu besonderen Busszeiten und zum Gebet auf. Meist waren Krankheiten, drohende Kriege oder andere nationale Notlagen der Anlass. Das Vorbild dazu steht im Alten Testament im Buch Jona. Der gleichnamige Prophet war in die feindliche Hauptstadt Ninive gezogen, um dort Gottes Gericht zu verkünden. Und er erreichte damit eine nationale Umkehr: «Und Jona fing an, eine Tagereise weit in die Stadt hineinzugehen, und er rief und sprach: 'Noch 40 Tage, und Ninive wird zerstört!' Und die Leute von Ninive glaubten Gott; und sie riefen ein Fasten aus und legten Sacktuch an, vom Grössten bis zum Kleinsten unter ihnen. […] Und Gott sah ihre Taten, dass sie umkehrten von ihren bösen Wegen, und ihn reute das Übel, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht» (Jona Kapitel 3, Verse 4-10).

Einfach mal innehalten

Dieses Bitten um Vergebung prägt den Buss- und Bettag bis heute. Und für viele ist das Hauptanliegen nach wie vor ein nationales. Dann wird bekannt: «Gott, wir als Nation haben Schuld auf uns geladen…» und gleichzeitig beten Christen dafür, dass Gott eingreift und Nöte beendet.

Dazu kommt immer stärker die persönliche Sichtweise auf den Feiertag. Denn neben dem Fokus auf gesellschaftliche Missstände sehen viele darin eine Chance zur Besinnung und eigenen Neuorientierung. Sie nutzen den Tag, um einmal Bilanz zu ziehen: Geht mein Leben in die richtige Richtung? Natürlich ist das jederzeit möglich, doch für viele Christen ist es hilfreich, das am Buss- und Bettag gemeinsam zu tun. So bietet der Tag für Einzelne und die Gesellschaft die Möglichkeit, innezuhalten, den eingeschlagenen Kurs zu überprüfen und ihn wenn nötig zu korrigieren.

Der aktuelle Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Lothar de Maizière, erklärte laut evangelisch.de, dass er den Buss- und Bettag früher «furchtbar» fand. «Es war für mich ein ganz altmodischer Begriff. Zwangsweise zu beten war auch nie so meine Sache.» Inzwischen sieht der ehemalige Minister den Begriff der Busse differenzierter, freut sich über die Möglichkeit zur Selbstreflexion und sagt: «Deswegen finde ich den Tag inzwischen sehr schön.»

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