Weil wir eingeschüchtert sind – «Kleiner Gott, wir lieben dich»

Weit weg. Unendlich, unbegreiflich, allmächtig und ewig: Das ist für die meisten Menschen Gott (so sie denn an ihn glauben). Man kann ihn nur aus der Ferne verehren – denken viele. Aber Weihnachten bietet hier überraschende Aussichten.
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Jesus-Kind in Krippe

Weit weg. Unendlich, unbegreiflich, allmächtig und ewig: Das ist für die meisten Menschen Gott (so sie denn an ihn glauben). Man kann ihn nur aus der Ferne verehren, loben, anstaunen – denken viele. Aber Weihnachten bietet hier überraschende Aussichten.Stellen Sie sich Gott auch in Superlativen vor? Wir sind begrenzt – Gott ist unbegrenzt. Wir haben Fehler – Er ist vollkommen. Wir sterben – Er ist ewig. Wir sind schwach – Er ist allmächtig. Und so weiter. Gott ist so ziemlich all das, was wir nicht sind – quasi das himmlische Kontrastprogramm zu unserer irdischen Begrenztheit.

Superlative halten Gott von uns fern

Natürlich ist das alles irgendwo richtig. Aber nicht richtig wäre, wenn das alles wäre. Denn alle diese «Mega»-Eigenschaften bewirken zwar Staunen, Ehrfurcht, heiliges Schaudern. Vielleicht bewundern wir diesen Gott. Aber lieben? Das fällt uns nicht ein. Viele Menschen «lieben» Gott etwa so sehr wie einen Chef, hoch über ihnen, oder die gnädigen Herren von Bern. Sein wir doch ehrlich: Diese Superlative halten Gott eher von uns entfernt. So weit, dass Katholiken Maria dazwischenschalteten, um für uns Arme zu bitten.

Gott will nicht hinter allen sieben Bergen sein

Aber Gott wollte nicht weit weg sein. Von jeher zog es ihn zu seinen Menschen, und als sie sich nach ihrer ersten Fehlhandlung vor ihm versteckten,damals im Paradies, muss es ihm das Herz gebrochen haben. Auf alle erdenkliche Weise ruft Gott seitdem: «Adam, Eva, wo bist du?»

Aber die Menschen blieben, aufs Ganze gesehen, auf Distanz. Dazu kam noch, dass sich Schuld auf Schuld häufte, die sich wie ein giftiger Nebel zwischen die Menschen und Gott legte.

An der Garderobe abgegeben

Bis – ja, bis Gott Weihnachten beschloss. Bis er den Entscheid fasste, Mensch zu werden – und zwar nicht einer der Herrschenden, nein: In letzter Hilflosigkeit wurde er als Baby geboren und lieferte sich den Menschen und den Mächten dieser Welt aus. Was für ein anderer Gott kommt uns da entgegen!

Seit Weihnachten ist Gott – in Jesus – auf gewisse Weise einer von uns geworden. Er hat sein Gott-Sein nicht abgeschafft, aber quasi «an der Garderobe abgegeben» und sich für das Mensch-Sein entschieden. Dank Jesus ist uns Gott zum Berühren nah, er hat mit unserem Leben und Alltag zu tun, ist erlebbar und liebbar.

Hier ist ein Weihnachtslied von Koni Engler, zu singen auf die Melodie von «Grosser Gott, wir loben dich», das dieses Überraschende von Weihnachten sehr schön hervorhebt. 

Kleiner Gott
Kleiner Gott, wir lieben dich.
Kind, uns rührt das Schwache, Zarte.
Wieder zeigt an Weihnacht sich:
Weiches bricht das Starke, Harte.
Klein fängst du auf Erden an,
dass der Mensch dich lieben kann.

Gott zeigt sich als Menschenkind,
denn wir fürchten seine Grösse.
Weil wir eingeschüchtert sind,
zeigt sich Gott in seiner Blösse.
Und er zittert und er friert,
dass der Mensch die Angst verliert.

Kleiner Gott, dich lieben wir.
Klein ist noch dein Reich auf Erden.
Schwache Menschen dienen dir,
und dein Reich wird grösser werden.
Friede sei in diesem Haus
Und dring in die Welt hinaus.

Wäre dieses Lied nicht ein gutes Thema für ein Gespräch unterm Weihnachtsbaum?

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