Kurt Beutler – Islamexperte zu Ehrenmorden vor unserer Haustür

Ein Vater tötete im Juni 2010 seine Tochter in Zürich, dort wo der interkulturelle Berater Kurt Beutler wohnt. Tief betroffen sucht er nach den Wurzeln der Ehrenmorde. Entstanden ist daraus das Buch «Ehrenmorde vor unserer Haustür».

Ein Vater tötete im Juni 2010 seine Tochter in Zürich, dort wo der interkulturelle Berater Kurt Beutler wohnt. Tief betroffen sucht er nach den Wurzeln der Ehrenmorde. Entstanden ist daraus das Buch «Ehrenmorde vor unserer Haustür». Livenet interviewte Kurt Beutler (55), der mit einer Ägypterin verheiratet ist und mehrere Jahre in Ägypten und im Libanon lebte.

Livenet: Kurt Beutler, gibt es in Europa und der Schweiz überhaupt Ehrenmorde?
Kurt Beutler: Es gab sogar Ehrenmorde in meiner eigenen Stadt. Wir waren alle zutiefst erschrocken, als ein Vater seine Tochter mit der Axt erschlug.

Wie sind Sie auf das Thema gekommen?
Über die Jahrzehnte, die ich unter Arabern verbracht habe, bin ich immer wieder Menschen begegnet, die unter der Ehrenkultur leiden. Auch unter den Asylanten finden sich manche, die vor Bluträchern geflohen sind, oder Ex-Muslime, die mit dem Tod bedroht wurden. Ein Freund von mir wurde von einer Brücke geworfen, weil er sich weigerte, seine Bibel herzugeben.

Wie kommt es zu einem Ehrenmord?
Innerhalb der Ehrenkultur wird eine Familie, deren Ehre verloren gegangen ist, täglich verspottet, verachtet, und schikaniert, bis sie diesen Schandfleck aus der Welt schafft.

Wie ist es erklärbar, dass jemand sein eigenes Kind der «Ehre» wegen tötet?
Er betrachtet die Tochter als Verräterin, die der Familie unendlichen irreparablen Schaden zugefügt hat. Die Schuld sieht er beim Kind, während der Mord nur eine Folge davon ist. Das Kind hat den Vater in den Augen der ganzen Familie zu dieser Tat gezwungen. 

Warum landen die Täter in ihrer Heimat nicht in den Gefängnissen?
Mancherorts kriegen sie schon mehr oder weniger lange Strafen. Aber das löst das Problem nicht. Das ganze Volk glaubt an die Notwendigkeit von Ehrenmorden, um Moral und Familienstruktur zu schützen.

Sie schreiben, dass auch die Täter Opfer sind - weshalb?
Stellen Sie sich das mal vor: Ein junger Mann umarmt seine Schwester, weint und küsst sie und sticht sie mit dem Messer in den Rücken. Ein Vater hat seine Tochter erschossen und wird danach wahnsinnig. Es ist eine Serie von Tragödien. 

Wie hoch ist die Zahl der Ehrenmorde weltweit?
Wenn wir nur den klassischen Ehrenmord rechnen, so wird sie von der UNO mit etwa 5000 angegeben. Doch die Dunkelziffer ist hoch. Die meisten dieser Morde werden vertuscht als Selbstmord oder Unfall.

Wie können solche Morde verhindert werden?
Früher gab es in Europa viele Ehrenmorde. Denken Sie nur an die Familienfehden und an die Duelle. Durch den Einsatz vieler mutiger Politiker, Philosophen und Pastoren wurde es überwunden. Diesen ganzen Kampf müssen wir nun nochmals durchkämpfen. Und wir brauchen die besten Vorbilder dazu. Überlegen Sie mal, dass Jesus Christus mit einem Satz einen Ehrenmord verhinderte, als er sagte: «Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!»

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