Anselm Grün & Co – Inspirierendes Klosterleben

Das Dasein im Kloster ist völlig aus der heutigen Zeit gefallen. Trotzdem oder gerade deswegen ist vieles daran attraktiv: seine Einfachheit, seine Spiritualität und nicht zuletzt seine Vorbilder wie der bekannte Mönch Anselm Grün.
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Anselm Grün

Ich war auf der Buchmesse in Frankfurt. Mitten im geschäftigen und geschäftlichen Gewimmel fand eine Talkrunde statt. Einige Politiker und Manager wurden zu Zeitfragen interviewt und brachten als typische Alphamänner zuerst einmal sich selbst zur Geltung: Wer sie waren. Was sie schon immer gesagt und gedacht hatten. Und vor allem, warum sie die wichtigste Person auf dieser Bühne wären. Dieses Sich-in-Stellung-Bringen war beinahe lustig anzusehen. Aber da war noch eine weitere Person auf der Bühne, die nicht zu den Schlipsträgern passte: ein eher kleiner, freundlicher, älterer Mann im unauffällig-auffälligen schwarzen Habit der Benediktiner, Anselm Grün. Ohne dass er sich irgendwie nach vorne spielen wollte, stand er mit dem, was er sagte und darstellte, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Kraft aus der Stille? Ein Ruhen in sich und in Gott? Eine liebevolle Perspektive auf Menschen? All das zeigte der bekannteste Mönch im deutschsprachigen Raum. Als ich ihn sah, begriff ich, was viele am Klosterleben und seiner Spiritualität fasziniert.

Anselm Grün

Am 14. Januar feierte Anselm Grün seinen 80. Geburtstag. Der Autor von über 300 geistlichen Schriften und Büchern mit einer Auflage von über 20 Millionen Exemplaren wuchs zwar fromm auf und studierte nach der Schulzeit Theologie und Philosophie, doch er kämpfte eine Weile mit dem Gedanken, ins Kloster zu gehen. Zu weltfremd erschien es ihm, der sich im elterlichen Betrieb bereits kaufmännisch engagiert hatte. Zu althergebracht und traditionell. In seiner Doktorarbeit setzte er sich mit der Erlösung und der Bedeutung des Kreuzes auseinander. Im klösterlichen Alltag liess er sich von den Frömmigkeitsstilen anderer Religionen genauso inspirieren wie von den frühchristlichen Wüstenvätern. So fand er zu dem Glauben, der ihn heute noch ausmacht.

Damit ist er anschlussfähig für viele, die weder seinen katholischen Glauben noch sein klösterliches Leben teilen, weil er immer wieder den Dialog sucht. So tröstet er Gläubige und trainiert Führungskräfte – und zwar mit ähnlichen Gedanken. Grün betont die Vorrangstellung des inneren Lebens vor dem äusseren; er sucht nach Räumen der Stille, um sich selbst und Gott wahrzunehmen; er plädiert für eine neue Ehrlichkeit, einen offenen Umgang mit eigenen Schwächen; er spricht von einer Lebensordnung, die über Aufräumen hinausgeht; Gebet und Meditation sind zentrale Pfeiler seines geistlichen Lebens; und dazu kommt die positive Sicht auf ein massvolles Leben. Während aussenherum alles immer schneller und mehr werden muss, fragt er: Warum? Und er weist durch sein eigenes Leben darauf hin, dass man nur wenig braucht, um zufrieden zu sein. Ist er damit aus der Zeit gefallen? Ganz sicher. Aber er ist damit nicht lebensfremd, sondern bietet im Gegenteil Antworten und Ansätze für Menschen, die ihre Mitte verloren haben. Er nennt das nicht unbedingt Gott, aber wenn der ältere Mönch einen freundlich anschaut, dann weiss man, dass all dies ohne Gott nicht denkbar wäre.

Wüstenväter

Mit seinem Leben und auch seinem Erscheinungsbild – lange weisse Haare und Rauschebart – knüpft Anselm Grün bei Vorbildern an, die er ebenfalls hat: den sogenannten Wüstenvätern. Diese Asketen (und auch Asketinnen) des frühen Christentums lebten einerseits in radikaler Einfachheit und im Rückzug von der Welt, andererseits kamen Menschen oft in Mengen zu ihnen, um Hilfe und Wegweisung zu empfangen. Auch diese Wüstenväter und -mütter erfahren wieder neue Aufmerksamkeit. Dabei geht es weniger um leibverachtende Selbstquälereien, wie sie früher durchaus vorkamen, sondern um eine neue Sensibilität für sich selbst, für Gott und auch für andere Menschen. In seinem Klassiker «Feuer, das von innen brennt» unterstrich Henri Nouwen Erfahrungen von Einsamkeit, Schweigen und Gebet als essenziell auch für heutige Gläubige. Trotz aller Schwierigkeit, dies in einen modernen Arbeits- und Familienalltag zu integrieren, sind diese Gedanken nach wie vor attraktiv für viele Menschen, die auf der Suche nach einer neuen Tiefe in ihrem Leben. sind.

Leben aus der Stille

Hinter dem Interesse von gestressten Managern fürs Klosterleben steckt wahrscheinlich dieselbe tiefe Sehnsucht, nach einem Leben, dem von innen und aussen Bedeutung zugesprochen wird. Und so stark die Suche nach Freiheit ist, so deutlich wird es für die meisten Suchenden, dass die Antwort eher in einer Bindung liegt. Diese «Rückbindung» bezeichnete die alte Kirche auf Lateinisch «religere» – daher kommt unser Wort Religion. Sie ist nicht an Klöster gebunden, obwohl manche ihrer geistlichen Übungen dorthin Türen öffnen können. Sie hängt auch nicht an Personen wie Anselm Grün oder Henri Nouwen, obwohl es hilfreich sein kann zu sehen, wie Menschen diese Ideen umsetzen. Sie mündet letztlich in der Erkenntnis, dass Gott hinter allem steht und dass es sich lohnt, ihm zu begegnen. Ein Liedermacher des Alten Testaments drückt das so aus: «Seid still und erkennt, dass ich Gott bin; ich werde erhaben sein unter den Völkern, ich werde erhaben sein auf der Erde!» (Psalm 46, Vers 11)

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