Von mir weg, zu Gott hin – In der Stille auf Gott warten

Im Leben jedes Christen gibt es Zeiten des Wartens, auf Gottes Stimme, auf Antworten, auf Weisung. Doch Wartezeiten haben auch viel Gutes, wie der Autor Andrew Murray aufzeigte. Heute geht es um den Zusammenhang zwischen Stille und Glauben.
envato/ larisikstefania
Frau, die in Stille sitzt

Auch in den Klageliedern in der Bibel wird das Warten auf Gott thematisiert. Im Kapitel 3, Vers 26 heisst es: «Deshalb ist es gut, still zu werden und auf die Befreiung durch den Herrn zu warten.» Das Besondere an diesem Bibelwort ist der Massstab, den es uns gibt. Es definiert, was gut ist.

Genauer hingeschaut

An vielen Stellen zeigt uns die Bibel den Zusammenhang zwischen Stille und Glauben:

  • «Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt…» (Jesaja Kapitel 7, Vers 4).
  • «Durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein» (Jesaja Kapitel 30, Vers 15).
  • «Der Herr wird für euch kämpfen, ihr aber sollt euch still verhalten» (2. Mose Kapitel 14, Vers 14).

Mein Herz Gott zuwenden

Stille ist eine Notwendigkeit, wenn wir auf Gott warten. Sie hilft uns, unser Herz abzuwenden von uns selbst, von allem, was uns beschäftigt und interessiert, sei es Freude oder Sorge.

Und abwenden von uns müssen wir unser Herz, wenn wir es Gott zuwenden wollen. Denn Gott ist unendlich viel grösser als wir. Unser Wesen ist entfremdet von ihm. Deshalb müssen wir erst einmal zu ihm zurückkehren. In uns leben so viele verschiedene Regungen: Furcht oder Anstrengung, Hoffnungen und Ambitionen. All das kommt noch nicht unbedingt von Gott und behindert uns daher, wenn wir auf ihn warten wollen.

Die Grösse Gottes und der gewaltige Unterschied zwischen uns und ihm – dies sind Tatsachen, die unsere Worte zum Schweigen bringen und uns still machen sollen. «Aber der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Es sei stille vor ihm alle Welt» (Habakuk Kapitel 2, Vers 20). «Seid stille vor Gott dem Herrn!» (Zefanja Kapitel 1, Vers 7). «Die ganze Menschheit soll vor dem Herrn schweigen, denn er tritt aus seiner heiligen Wohnstätte hervor» (Sacharja Kapitel 2, Vers 17).

Dass sich Gott zu erkennen gibt...

Solange wir das Warten auf Gott vor allem als Methode ansehen, um wirksamer zu beten und das Erbetene zu bekommen, so lange werden wir nicht wirklich in der Stille ankommen. Doch wenn wir erkennen, dass es in sich schon unvergleichliches Glück bedeutet, auf Gott zu warten, und dass dieses Warten eine der höchsten Formen der Gemeinschaft mit Gott ist – dann erreichen wir echte Anbetung. Sie führt uns in die Stille und macht unser Herz dabei demütig. Solche Anbetung bereitet dafür den Weg vor, dass Gott spricht und sich zu erkennen gibt.

Nehmen wir uns also Zeit und wenden wir uns bewusst ab von allen Freunden und Pflichten, von allen Sorgen und Freuden! Nehmen wir uns Zeit, damit nicht nur die Menschen und die Welt zum Schweigen kommen, sondern auch unser eigenes Ich und seine Energie! Sogar Gottes Wort und Gebet – obwohl sie sehr kostbar sind – können das stille Warten behindern. Was uns beim Bibellesen klar wird und was wir dann ins Gebet mitnehmen, kann uns so beschäftigen, dass wir nicht ins stille Warten finden. Gleiches gilt für die Aktivitäten des Herzens mit seinen Wünschen, Hoffnungen und Ängsten. Versuchen wir daher, die Betriebsamkeit von Herz und Gedanken eine Zeitlang ruhig zu stellen. Selbst eine kurze Zeit stiller Anbetung wird Frieden und Ruhe ausstrahlen, nicht nur für den Moment, sondern während des ganzen Tages.

«Es ist gut, still zu werden…»

Ja, gut ist es! Hier finden wir das Gute. Denn hier wird uns klar, dass wir auf Gott angewiesen sind. Unser Wollen und Planen, Bemühen, Denken und Beten ist nicht das Entscheidende. Wir müssen Empfangende werden.

Und daraus folgt die Notwendigkeit eines Rhythmus’. Unser Wochen- und Tagesablauf braucht den Rhythmus von Aktivität und Stille; beides muss einander abwechseln. Und unsere Zeiten der Stille brauchen den Rhythmus von Bibellesen und Gebet – und dann des echten Schweigens bis in die Tiefen des Herzens hinein.

Zur Mini-Serie:
Veränderung im Gebetsleben: Warten, dass Gott uns versorgt
Wenn zwei Blicke sich begegnen: Warten unter seinem Blick
In der Stille: Auf Gottes Rat warten

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