Worship-Trends – Ideen für zeitgemässe Anbetung

Die eine hebt die Hände und schwingt Tücher. Der andere schliesst seine Augen und senkt den Kopf. Dabei machen beide dasselbe: sie beten Gott an. US-Pastor Karl Vater beschreibt vier Trends für eine zeitgemässe Anbetung.

Die eine hebt die Hände und schwingt Tücher. Der andere schliesst seine Augen und senkt den Kopf. Dabei machen beide dasselbe: sie beten Gott an. Im Lobpreis oder Worship suchen Christen meist musikalisch Gottes Nähe und verehren ihn betend. Manchmal werden unterschiedliche Auffassungen dazu als bedrohlich empfunden. Dabei ist es eher die Eingleisigkeit, die Anbetung beschränkt.

Der US-Pastor Karl Vaters beschreibt im Magazin «Christianity Today» vier Trends für eine zeitgemässe Anbetung, «die allerdings in den meisten Gemeinden nicht umgesetzt werden. Ich denke, dass wir bereit dafür sind. Und wenn wir es noch nicht sind, sollten wir es werden…».

1. Bereit für kulturelle Vielfalt

Am Ende der Bibel, in der Offenbarung, ist davon die Rede, dass Menschen aus allen Völkern zusammenkommen und Gott loben werden. Wenn das in einem heutigen Gottesdienst geschähe, würden sie wahrscheinlich englisch singen und die Melodie wäre irgendwo zwischen Volkslied und Soft-Pop angesiedelt. Und wahrscheinlich würde das Lied aus einer Strophe, einem Refrain, noch einer Strophe, dem Refrain, einer Bridge und zum Schluss noch einmal dem Refrain bestehen.

Dabei ist es auch heute schon so, dass «alle Völker und Stämme» in unseren Gottesdiensten zusammenkommen – und viele unterschiedliche Geschmäcker. Unsere Kirchen und Gemeinden brauchen Raum für Anbetungslieder, die von barocken Paul-Gerhardt-Liedern bis hin zu Hip-Hop, Techno, Funk und Salsa reichen. Vaters meint dazu: «Musik überwindet Schranken. Besonders Anbetungsmusik. Aber nur, wenn wir dies auch beabsichtigen. Sonst zementiert sie nur bestehende Mauern.»

2. Bereit für härtere Themen

Ein wichtiger Teil von Anbetung ist es, Jesus als wunderbaren Herrn, als König, als Sieger, als Freund zu beschreiben. Leider ist es meistens das Einzige, was Anbetung tut. Dabei zeigt ein Blick in das grosse Liederbuch der Bibel, die Psalmen, wie vielfältig Anbetung sein kann und was darin alles Platz findet: lange und kurze Lieder mit theologisch komplexem oder sehr einfachem Inhalt. Und dieser Inhalt ist voll von Freude und Liebe – genauso wie von Klage, Sorge, Wut, Zweifel und Angst. Eine Anbetung, die diese Bereiche ausblendet, wird immer Stückwerk und oberflächlich bleiben. Wenn wir sie dagegen in unsere Lieder mit aufnehmen, wird unsere Anbetung ehrlicher. Sie hat dann mehr mit uns und unserem Alltag zu tun. Und sie bereitet uns darauf vor, Gott tatsächlich zu loben.

3. Bereit für melodische Lieder

Wenn das Schlagzeug einen Rhythmus vorgibt, dann wippen in der Kirche bereits viele Köpfe im Takt mit. Dann setzen Gitarren und Keyboard oder Klavier ein und schliesslich kommen die Stimmen dazu. Und plötzlich wird es dünn. Also aus der Gemeinde, nicht von vorne. Denn viele Lobpreislieder haben offensichtlich interessante, aber nicht unbedingt starke Melodien. Wir können uns kaum vorstellen, sie anders als vom Originalinterpreten zu hören oder wenigstens von gut geschulten Stimmen. Aber mitsingen? Das geht nicht. Schade, wenn Songschreiber vor lauter künstlerischer Ambition vergessen, dass ihr Lied keine Arie für die «Königin der Nacht» werden muss, die nur sehr wenige Sängerinnen überhaupt bewältigen können, sondern ein starkes und gutes und einfaches Lied, um gemeinsam Gott zu loben.

4. Bereit für andere Kunstformen

Die meisten Kirchen und Gemeinden beschränken ihre künstlerische Bandbreite auf Musik und die begleitende Gestaltung von Liedfolien und Präsentationen am Computer. Aber Anbetungsmusik besteht aus mehr als einem Musikstil. Genauso ist Kunst in der Kirche mehr als nur Musik.

Es ist schon bezeichnend, dass die Bibel zur Einführung von so etwas wie Gottesdiensten im Alten Testament auch von Kunst spricht. Zur Erinnerung: Das Volk Israel war in der Wüste unterwegs und stand scheinbar vor grösseren Herausforderungen als der Kunst. Sie brauchten Wasser, etwas zu essen, mussten vorankommen, sich an ihre neue Freiheit gewöhnen. Und Gott? Gott berief einen Künstler zur Ausgestaltung der Stiftshütte, sozusagen seines Übergangswohnsitzes: «Siehe, ich habe Bezaleel mit Namen berufen, den Sohn Uris, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda, und ich habe ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit Geschicklichkeit für jede Arbeit, um Kunstwerke zu ersinnen und sie auszuführen in Gold und in Silber und in Erz, und um Edelsteine zum Besatz zu bearbeiten, und um Holz zu schnitzen, sodass er Kunstwerke aller Art ausführen kann» (2. Mose, Kapitel 31, Verse 2-5).

Vaters vermutet, dass eine grosse Zahl heutiger Bezaleels in unseren Kirchen und Gemeinden keinen Raum für ihre Kunst finden. Und er plädiert dafür: «Es ist an der Zeit, die Künstler loszulassen und zu sehen, was Gottes Geist durch sie tun kann – zum Segen der Kirche und zur Verherrlichung Gottes.»

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