Wie bei Abraham – Hoffnung in unsicheren Zeiten

Unsichere Zeiten gab es schon immer, schreibt Kolumnist Paul Kleiner. Eigentlich seien die Zeiten immer unsicher. Das gelte auch für den persönlichen Bereich. Im Blick auf Abraham sei es aber möglich, auch in diesen Zeiten Hoffnung zu gewinnen.
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Ein Mann im Gewitter

Unsichere Zeiten: Das gab es schon immer. Umbrüche wie die Völkerwanderung in Europa, Seuchen wie die spanische Grippe vor hundert Jahren oder die grosse Depression und die Weltwirtschaftskrise in den 1920er und 30er Jahren, umrahmt von den beiden Weltkriegen.

Krisen führen zu Entscheidungen

Eigentlich sind die Zeiten immer unsicher. Schliesslich wissen wir nie, was morgen sein wird. Ob wir den grossen Lottogewinn machen – falls wir Lotto spielen. Oder wann das Jahrtausenderdbeben Teile der Schweiz erschüttern wird. Bekanntlich trifft es auch uns ein Mal in tausend Jahren etwa so stark wie im Februar 2023 die Türkei und Syrien.

Aber das Gefühl von «unsicheren Zeiten» ist in den letzten Jahren bei uns sicher stärker geworden. Es geht wirtschaftlich nicht mehr immer aufwärts. Klima, Corona und Krieg setzen vielen Menschen zu, Jungen und Älteren. Die einen können das Wort «Krise» schon fast nicht mehr hören. Dabei bringt es die unsicheren Zeiten genau auf den Punkt. Krise beinhaltet Entscheidung: Es kann so oder so herauskommen, man weiss es nicht im Voraus.

Es gibt auch im persönlichen Leben unsichere Zeiten: Wie wird das mit dem neuen Chef? Soll man sich auf diese Liebesbeziehung einlassen? Oder überhaupt das ständige Kopfkino: Genüge ich? Mache ich es richtig? Hätte ich doch… oder lieber so… Sogar in einer Palliative-Care-Situation mit dem sicheren Tod vor Augen kann man unsichere Zeiten erleben: Wie lange geht es noch? Schafft es das Personal, meine Schmerzen nicht zu gross werden zu lassen? Wie wird das enden?

Unsichere Zeiten für Abraham

Vor 3'000 Jahren standen Abraham unsichere Zeiten bevor. Er verliess seine Heimat, sein Land, seine Verwandtschaft, alles, was er kannte. Er ging weg «in ein Land, das ich dir zeigen will», wie Gott ihm sagte.

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Dr. theol. Paul Kleiner

Eigentlich eine verrückte Geschichte. Sie steht für totale Unsicherheit. Abraham ist nicht einfach ein junger Abenteurer, der für ein paar Monate weggeht und in ein unbekanntes Land zieht, gut ausgerüstet, mit der Rega als Rückversicherung, einem sicheren Schweizer Bankkonto als Rückendeckung und Eltern oder Freunden mit festem Wohnsitz, zu denen er jederzeit zurückkehren kann. Nein, Abraham ist 75-jährig, er bricht seine Zelte ab, nimmt mit, was seine Kamele tragen. Er ist unterwegs ins Unbekannte und Ungewisse – «in ein Land, das ich dir zeigen will».

Worte, die Hoffnung geben

Was gibt Abraham Boden unter die Füsse? Was gibt ihm Zuversicht in unsicheren Zeiten?

Zuerst ist es das Wort von Gott. «Da ging Abraham los, wie Gott es ihm gesagt hatte.» Das Wort von Gott leitet ihn, trägt ihn, erleuchtet seinen Weg. Das Wort von Gott ist wie eine leise Stimme im Getümmel der Unsicherheit, inmitten der Fragen und Zweifel, der bedrohlichen Szenarien und der angstmachenden Bilder. Das Wort Gottes für Abraham hiess: «Ich zeig dir das Land.»

In einem Lied heisst es: «Auf all meinen Wegen, egal wo ich bin, du bist die Zukunft, zu dir will ich hin.» Diese Zeile beruht auf dem Wort von Jesus Christus: «Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Zeit.» Er ist mit uns und ihm gehen wir entgegen. Ähnliches sagt das Wort von Gott, das als Jahreslosung über dem Jahr 2023 steht: «Ich bin ein Gott, der dich sieht.» Was die Zeit und Zukunft auch bringen mag, welche Folgen deine Entscheidungen auch haben werden, welche Unsicherheiten du auch durchleben wirst: Gott sieht dich, du bist ein angesehener Mensch.

Das Wort von Gott gibt Hoffnung. Dazu muss man nicht die ganze Bibel kennen oder gar Theologie studiert haben. Ein Wort von Gott reicht. Ein Wort für dich kann dir Boden unter die Füsse geben in unsicheren Zeiten. Ein Wort aus den Losungen, von einem Kalenderzettel, auf einer Plakatwand, aus einer Predigt oder der persönlichen Bibellektüre.

Hoffnungsvolle Begegnungen

Für Abraham kam noch ein Zweites hinzu, das ihn in allen Unsicherheiten begleitete. Nicht nur ein Wort von Gott, damals, bevor er loszog. Ein Wort, das später vielleicht schon etwas Staub angesetzt hatte.

Abraham erlebte auch eine neue, frische Begegnung: «Gott erschien dem Abraham.» Wieder. Immer wieder begegnete Gott dem Abraham. Er hörte das alte Wort als lebendige Ansprache in der Unsicherheit des Moments. Wie auch immer wir uns das vorstellen können. Wie auch immer wir das heute erleben können: Eine Gottesbegegnung in der Schöpfung, in einem Traum, in der Stille mit einer Kerze, in der Musik, in einem Gottesdienst oder einer Predigt, in den Augen oder der Umarmung eines Mitmenschen. Gott erschien und erscheint, lebendig, gegenwärtig, zuverlässig in unsicheren Zeiten, treu in allem äusseren und inneren Hin und Her. «Auf all meinen Wegen, egal wo ich bin, du bist die Zukunft, zu dir will ich hin.»

In der Krise mit Gott ringen

Dabei ist Abraham kein Superheld, der über allen Zweifeln und Fragen steht. Er ist kein Teflon-Typ, an dem alle Umstände und Unsicherheiten abperlen und an dem nichts anhaftet. Mit diesem Wort, das Gott ihm gibt, ringt er. Einen Sohn sollen er und seine Frau erhalten, obwohl sie schon weit über dem möglichen Alter von Elternschaft sind. Er hadert damit, dass Gott ihm etwas sagt, das doch nicht sein kann. Er hat sein Leben auf dieses Wort hin gewagt. Er ist losgezogen von zuhause in die Unsicherheit hinein – und fragt sich trotzdem immer wieder: «War das richtig? Spinne ich eigentlich? Was ist mit diesem Gott? Was ist mit dir, Gott, der du mir immer wieder begegnest, und es doch nicht so weiter gehen lässt, wie erhofft, wie versprochen?»

Dieses Ringen, Glauben und Zweifeln beschreibt der Apostel Paulus später so: «Wo keine Hoffnung war, hat Abraham auf Hoffnung hin geglaubt. Wo es eigentlich keinen Grund zur Hoffnung gab, hat Abraham voller Hoffnung am Glauben festgehalten.» Der einzige Grund zur Hoffnung war Gott, war sein Wort, waren die Begegnungen mit ihm.

Unsicherheiten in seinem Innern und von aussen her blieben bestehen. Jahrelang war nichts zu sehen von einem Sohn. Sein Leben lang besass er kein Stückchen Land, das Gott ihm verheissen hatte – ausser einer Grabstätte für seine Frau und sich, die er jemandem abkaufen konnte. Durch alles hindurch hielt Abraham vertrauensvoll an dieser Hoffnung fest, die ihn in unsicheren Zeiten trug und die ihn magnetisch anzog: «Auf all meinen Wegen, egal wo ich bin, du bist die Zukunft, zu dir will ich hin.»

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Forum für integriertes Christsein

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