Zwischen Macht und Frieden – Herodes war auch nur ein Mensch...

Die Weihnachtsgeschichte hat vielerlei Figuren. Darunter König Herodes, welcher mit grosser Machtgier und Brutalität regierte. Dennoch kann man einiges Menschliches an ihm finden…
Unsplash / Simona Marinkova
Herodes der Grosse war König zur Zeit von Jesus Geburt

Jesus kam auf die Welt und schenkte uns Hoffnung. So auch den Hirten, als sie, begleitet von einer Engelsschar, zu dem Neugeborenen kamen, um Maria und Josef zu beglückwünschen. Im Matthäus-Evangelium ist die Rede von einigen Sterndeutern, die sich ebenfalls auf wundersame Weise auf den Weg machten. Für sie war der sinnvollste Ort, an dem man einen Retter und Herrscher finden konnte, der Königspalast. So landeten sie bei König Herodes, dem Grossen.

Dieser regierte das Land mit Stolz. Er war ein überzeugter Herrscher und hielt die Hierarchien keinesfalls flach. Wie auch, seinen Titel hatte er durch Gewalt bekommen: Vertrieben von seinem Heimatort, flüchtete er nach Rom. Dort genoss er das Vertrauen eines römischen Staatsmannes, welcher ihm half, die regierende Familie in Jerusalem zu stürzen. Mit Geschick und Gewalt vergrösserte er sein Reich.

Thron über Familie

Nachdem er seine ersten Nachkommen zu Königen erziehen liess, fühlte er sich dann aber von ihnen bedroht in seiner Herrschaft. Seine Frau, die Königin, wie auch seine eigenen Söhne wurden deswegen hingerichtet. Herodes stand nun als alleiniger Herrscher da. Er wurde zu seiner Lösung. Er war sich selbst und seinem Thron keine Bedrohung. Herodes hatte alles in eigener Kontrolle und somit nichts dem Zufall überlassen.

Schocknachricht

Kein Wunder, dass er sofort mit einem Plan reagierte, als die Sterndeuter von dem neuen Herrscher berichteten. Jesus bedrohte mit seiner Existenz alles, wofür Herodes selbst stehen wollte. Jesus versprach Frieden; man sagte über ihn, dass er der Retter aller sei und König aller Könige. Und das sogar bis in alle Ewigkeit, unvergänglich.

Herodes nahm diese Nachricht von den Sterndeutern nicht gut auf. Er wurde wütend, frustriert und hinterlistig. In seinen Plänen setzte er alles daran, sich selbst wieder auf Platz eins zu setzen.

Menschliche Reaktion

Auf der Arbeit, in der Freundesgruppe und auch in der Kirche kennen wir dieselbe Reaktion von uns. Wird man nicht wütend, wenn der Arbeitskollege die Beförderung bekommt, die man selbst haben möchte? Ärgert es uns nicht, wenn sich Freunde ohne uns verabreden? Und wird man nicht frustriert, wenn man jahrelang ehrenamtlich bei einer Prozessentwicklung in der Kirche half und jeden Sonntag «nur» das Worshipteam gelobt wird?

Herodes reagierte sehr brutal auf diese Wut. Er zeigt uns aber, wie viele Facetten die Bibel hat und dass man von jeglichen Personen etwas lernen kann, wenn man nur die Perspektiven etwas wechselt. Hätte Herodes seine Wut beiseitegestellt, sein Herz für das Unbekannte geöffnet und die Kontrolle abgegeben, hätte er der Weihnachtsgeschichte – und somit dem Frieden – eine enorme Plattform gegeben.

Wut ist menschlich, Frieden übermenschlich

Während Herodes sich bewusst dagegen entschied, seine Wut zu zügeln, und anschliessend alle Kinder unter zwei Jahren brutal ermorden liess, haben wir die Chance, in genau diesen Situationen nicht menschlich zu reagieren. Die Perspektive zu ändern und Neuem die Chance geben, das zu erreichen, was wir selbst vielleicht nicht können. Die Führung in emotionalen Situationen abzugeben, fällt uns Menschen nicht leicht. Die Bibel ermutigt uns aber: «Unser Herr, von dem aller Friede kommt, schenke euch zu jeder Zeit seinen Frieden, was auch immer geschieht. Er sei mit euch allen!» (Die Bibel, 2. Thessalonicher 3,16). Wenn wir die Kontrolle abgeben und Gottes Frieden den Platz der Wut überlassen, kann Grossartiges – Übermenschliches – geschehen!

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