Trost in der Trauer – Gottes mütterliche Seite

Wie gehen wir um mit der Trauer, wenn Corona uns oder Freunden und Bekannten geliebte Menschen raubt? Die Bibel beschreibt den Heiligen Geist, also Gott selbst, als «Tröster». Und Gott verspricht in seinem Wort, uns zu trösten «wie eine Mutter».
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Mutter tröstet ihr Kind

Wie gehen wir um mit der Trauer, wenn Corona uns oder Freunden und Bekannten geliebte Menschen raubt? Die Bibel beschreibt den Heiligen Geist, also Gott selbst, als «Tröster». Und Gott verspricht in seinem Wort, uns zu trösten «wie eine Mutter».

Wenn ich als Kind einen Fahrradunfall hatte und mit aufgeschlagenem, blutigen Knie nach Haus kam, dann hatte meine Mama erst ein paar beruhigende Worte für mich, dann ein Pflaster und schliesslich etwas Süsses aus der Küchenschublade, ein «Trösterchen». All das zusammen hat mich tatsächlich getröstet. Praktisch jeder kann solche Geschichten erzählen. Und praktisch jeder fühlt sich unendlich hilflos, wenn er mit echter Not konfrontiert wird – mit Krankheit und Tod – und selbst trösten will. Ist Trost also nur etwas für Kinder und kindliche Gemüter? Natürlich nicht.

Schön – rührend – tröstend

Es ist ein schönes und eingängiges Versprechen Gottes, das Jesaja weitergibt: «Wie einen, den seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten» (Jesaja, Kapitel 66, Vers 13). Gott ist nicht nur ein allmächtiger König, sondern hat auch eine mütterliche und freundlich-lindernde Seite. Zärtlich ist er, liebevoll und sanft. Und in dieser Seite Gottes steckt genauso viel Evangelium wie im starken Retter, denn wir können einfach zu ihm kommen. Er nimmt unsere Ängste und Probleme ernst. Er berührt uns.

Das ist noch längst nicht alles. Wer hier stehenbleibt, der macht Gottes Trost entweder zur Lösung aller Probleme (doch viele Schwierigkeiten ändern sich nicht, auch wenn wir sie zu Gott tragen) oder zum Ersatz für eine Problemlösung (doch dann wird aus dem Trost ein Vertrösten). Worin liegt das Geheimnis, dass Mütter sagen: «Alles ist gut…» – und dann ist das so, obwohl eben noch nicht alles gut ist, denn das Knie ist noch nicht verheilt? Trost ist mehr als Rührung. Worin liegt das Geheimnis, dass Gott uns tröstet – und dann sind wir getröstet, obwohl die Krankheit noch da und der Verstorbene nicht wiedergekommen ist?

Trost, obwohl das Leid bleibt

Trost nimmt Leid und Probleme nicht weg. Aber er ist die Zuwendung, die wir mitten darin erfahren. Auch das deutsche Wort spiegelt dies wieder. Von seiner ursprünglichen Bedeutung hängt es mit Treue zusammen, mit Festigkeit und Halt.

Ist Trost also nur etwas für Schwache? Ja und nein. Tatsächlich kann nur der Trost erfahren, der ihn auch braucht. Doch das bezieht sich nicht nur auf Kinder und schwache Persönlichkeiten. Als Menschen kommen wir in Situationen, die wir nicht allein tragen können, bzw. nicht allen tragen müssen. Und genau hier setzt Trost an: Er löst weder unsere Probleme noch lenkt er uns davon ab. Er wirkt vielmehr direkt auf unsere Verzweiflung und Sorgen. Trost bringt seelisches Gleichgewicht zurück. Er nimmt die Angst. Er vermittelt das tiefe Wissen, dass wir uns mitten im Sturm befinden, aber der Anker halten wird. Denn wirklich trösten kann uns nur jemand, der uns versteht. Und gleichzeitig jemand, der selbst Zuversicht hat oder sich gehalten weiss. So erklärt Paulus in 2. Korinther, Kapitel 1, Vers 4, dass «wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden».

Gott, der Tröster

Trost nimmt also das Leid nicht weg, sondern hilft uns, es zu tragen. Wer andere trösten will, braucht Verständnis für ihre Not und eine gewisse Stabilität, um mittragen zu können. Kein Wunder, dass echter Trost in wirklichen Schwierigkeiten so schwer zu geben ist. Letztlich ist Gott seine Quelle, denn er ist «der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes» (2. Korinther, Kapitel 1, Vers 3). Wo wir als menschliche Tröster an unsere Grenzen stossen, da hilft uns Gott in seiner Mütterlichkeit.

«Wie einen, den seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten.» Damit streichelt Gott uns nicht und überlässt uns dann unserem Schicksal. Vielmehr nimmt er teil an unserem Leben und unserer Not. Gleichzeitig gibt er uns Anteil an seinem Leben und seiner Kraft. Dieses wechselseitige Anteilnehmen bestimmt Gott so sehr, dass es geradezu Teil seiner Persönlichkeit ist: Gott, der Tröster, wird in Jesus Christus Mensch, versteht mich und begegnet mir in seiner Stärke. Bei diesem Gott muss niemand mehr «untröstlich» sein.

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