Kinder und die Bibel – «Gott will verstanden werden»

Wer kleine Kinder hat, führt oft schon früh gewisse christliche Traditionen und Rituale ein, sei es das Tisch- oder ein Abendgebet oder das Vorlesen aus der Kinderbibel. Was für eine Rolle spielt dabei die Erwachsenen-Bibel?
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Mutter liest mit ihrer Tochter in der Bibel

Wer kleine Kinder hat, führt oft schon früh gewisse christliche Traditionen und Rituale ein, sei es das Tisch- oder ein Abendgebet oder das Vorlesen aus der Kinderbibel. Was für eine Rolle spielt dabei die Erwachsenen-Bibel?

Es sieht bei allen «christlichen» Familien vermutlich ähnlich aus: Schon bei Geburt ziert mindestens eine Kinderbibel das Bücherregal im Kinderzimmer, bei der Einsegnung oder Taufe wird die Sammlung dann erweitert durch biblische Geschichts-CDs und -Videos, christliche Kinderlieder-CDs oder ähnliche Hilfsmittel. Das ist an sich ja auch nicht schlecht. Aber sind diese Hilfsmittel auch «von Gott eingegeben» wie unsere Bibel? Und ab wann sollten Kinder und Jugendliche die «richtige» Bibel lesen?

So früh wie möglich dran gewöhnen

Das christliche Nachrichtenportal Protestante Digital aus Spanien befragte dazu den Missionar und Doktor in Theologie, Andrew Messmer, und seine Frau Lindsey, die selbst seit über 20 Jahren im Kinderdienst tätig ist. Für die beiden ist klar: «Wir Menschen haben nur ein einziges Buch, das von Gott 'eingegeben' ist.» Und genau dieses Buch, also die Original-Bibel, sollten auch schon Kinder lesen. «Es ist wichtig, Kindern den biblischen Text vorzulesen und sie so früh wie möglich an dieses Buch zu gewöhnen.»

Das beginnt schon mit dem Beispiel der Eltern: «Sie müssen uns mit der Bibel in der Hand sehen und hören, wie wir vor dem Lesen beten.» Alle anderen Materialien seien gut, aber letztlich nur Hilfsmaterialien; die Bibel müsse die Hauptrolle spielen.

Nicht nur lesen, sondern erklären

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Familie Messmer

Natürlich muss dabei immer das Alter der Kinder beachtet werden. «Es macht keinen Sinn, einem zweijährigen Kind drei Kapitel vorzulesen. Ein Vers wäre viel nützlicher, sowohl für das Kind als auch für die Eltern!» Nach dem Lesen sollten die Eltern das Gelesene unbedingt erklären und den Kindern zeigen, was man daraus lernen kann.

Ehepaar Messmer bezieht sich auf eine Bibelstelle aus Nehemia, Kapitel 8, Verse 3 und 8: «Da las der Priester Esra das Gesetz vor den Männern und Frauen und vor den Kindern, die alt genug waren, um es verstehen zu können (…) Sie lasen laut aus dem Buch vor und erklärten Abschnitt für Abschnitt, damit das Volk es wirklich verstehen konnte.» Auch Mose riet in 5. Mose, Kapitel 6, dass man den Kindern die Gebote Gottes regelmässig wiederholen müsse, immer und überall. Ehepaar Messmer: «Kinder müssen das Wort Gottes nicht nur hören, um es zu verstehen, sondern sie müssen es sehen, erleben, etc. Jesus lehrte seine Jünger 'zu Hause, unterwegs' etc. und aus einer pädagogischen Perspektive ist diese Art der Lehre sehr wirksam.»

Welche Bibelübersetzung?

Wichtig ist auch die Wahl der Bibelübersetzung für Kinder. Jedes christliche Elternteil wird sicherlich eine leicht verständliche Übersetzung für die Kinder wählen. Und das ist ja auch der Sinn dahinter, denn «Gott möchte verstanden werden», erklären die Messmers.

Allerdings spricht das Ehepaar auch die Frage an, welche Übersetzung denn in unseren Gemeinden und in der Sonntagsschule genutzt wird. Wichtig sei zu überlegen, wo das Kind die Bibel hauptsächlich nutzen wird, ob zu Hause oder im Gottesdienst. «Wenn es sie während des Gottesdienstes nutzen möchte, macht es mehr Sinn, die Version zu wählen, die von der Kanzel aus oder in der Sonntagsschule gelesen wird.»

Eine weitere Frage, die sich Eltern bei der Wahl einer Bibelübersetzung für ihre Kinder stellen müssen, ist, wer die Bibel lesen wird. Wird das Kind die Bibel selbst lesen oder lesen die Eltern sie ihm vor? In letzterem Fall sei es einfacher, bei einer komplizierteren Übersetzung dem Kind schwer verständliche Abschnitte zu erklären.

Gott passt sich an unsere Schwachheit an

Doch es sei wichtig, immer im Blick zu haben, dass Gott verstanden werden will. Viele Autoren des Neuen Testaments zitierten die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testaments, anstatt der hebräischen oder aramäischen Originale. Dies zeige, dass Gott definitiv Bibelübersetzungen wolle. Und um sich verständlich zu machen, wurde er ja selbst Mensch in Jesus. «All das zeigt uns, dass Gott von seiner Schöpfung verstanden werden will und dass er bereit ist, sich an unsere Schwachheit und Endlichkeit anzupassen.»

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