«Der Eindruck täuscht» – Geschehen heute weniger Wunder als in der Bibel?

In der Bibel sind Unmengen von Wundern verzeichnet. Doch heute im Alltag erleben nur wenige Menschen solche Wunder. Warum greift Gott heute weniger ein als damals? Denn durch Wunder könnten vielleicht noch mehr Menschen für Jesus gewonnen werden…

In der Bibel sind Unmengen von Wundern verzeichnet. Doch heute im Alltag erleben nur wenige Menschen solche Wunder. Warum greift Gott heute weniger ein als damals? Denn durch Wunder könnten vielleicht noch mehr Menschen für Jesus gewonnen werden… Eine Antwort des Theologen John Piper.Letztlich gab es in der Bibel weniger Wunder als man wohl vermutet, und heute gibt es mehr Wunder als wir vermutlich wissen. Schauen wir zunächst einmal auf das Alte Testament.

Alte Wunder

In Psalm, Kapitel 77, Vers 11 sagt der Psalmist: «Doch ich will mir die Taten des Herrn in Erinnerung rufen. Ja, ich will an deine Wunder aus längst vergangener Zeit denken.» Wenn man das Alte Testament liest, merkt man, dass die meisten Menschen sich immer an die Wunder vergangener Zeiten erinnerten. Vermutlich fragten sie sich: «Warum gab es in den Tagen von Elia oder von Mose mehr Wunder als heute?»

Es ist falsch zu denken, dass die Geschichte von Gottes Volk voller Wunder war. Es gab gewisse Zeiten, in denen es vermehrt Wunder gab, etwa während des Auszugs aus Ägypten oder während des Dienstes von Elia und Elisa. Aber den grössten Teil der Zeit lebten die Gottesfürchtigen im Alten Testament im Glauben auf die Versprechen Gottes für die Zukunft, basierend auf den Wundern, die Gott in der Vergangenheit getan hatte. Und genauso leben wir auch heute – im Vertrauen auf das, was Gott für die Zukunft versprochen hat, und im Rückblick auf das Werk Jesu in der Bibel.

Neue Wunder

Es stimmt, dass Jesus im Neuen Testament viele grosse Wunder tat, obwohl er insgesamt ""nur" drei Menschen vom Tod auferweckte und nicht an vielen Orten Menschen heilte. Die Wunder, die Jesus tat, sollten offensichtlich nicht zeigen, dass sein Reich bereits komplett war. Sie zeigten, dass sein Reich in dieser Welt begonnen hat und zeigten auf eine Zukunft, in der jeder von den Toten auferweckt würde und in der diejenigen, die an Jesus glauben, nicht mehr krank sein würden. Dazu erklärte Jesus selbst, dass seine Wunder darauf hinweisen sollten, dass er Gott ist. Obwohl er seinen Jüngern die Autorität gab, Wunder zu tun, wussten sie ganz klar, dass er und die Art, wie er Wunder tat, einzigartig war. Die Autorität und die Macht, Wunder zu tun, lag einzigartig auf ihm, weil er der Sohn Gottes ist.

In der Apostelgeschichte lesen wir von den erstaunlichen Wundern der Apostel, aber wir wissen auch, dass sie viel leiden mussten und dass ihre Mitarbeiter krank wurden. Paulus hatte immer einen Arzt mit auf Reisen. Sie kamen ins Gefängnis, wurden getötet…

Wir sollten die Bibel – sowohl Altes als auch Neues Testament – nicht als eine Zeit sehen, in der die Menschen Gottes andauernd Wunder erlebten. Das würde die biblischen Aufzeichnungen verzerren. Im Alten Testament gab es wenige Wunder, und zwischen ihnen lagen grosse Zeitspannen. Und im Neuen Testament konzentrierten sie sich auf Jesus und seine Apostel, um Christus hervorzuheben.  

Unzählige Wunder

Heute dagegen gibt es vermutlich mehr Wunder als wir merken. Wenn wir alle wahren Geschichten von allen Missionaren und Christen aus allen Ländern zusammensammeln würden, die Millionen von Begegnungen zwischen Christen und Dämonen, Christen und Krankheiten und anderen scheinbaren Zufällen, dann wären wir erstaunt. Wir würden vermutlich denken, dass wir in einer Welt der Wunder leben – und das ist auch so!

Die Grundlage des Glaubens

Wenn mich jemand zu diesem Thema fragt, der nicht an Jesus glaubt, würde ich ihm vermutlich sagen, dass es im Herzen des Christentums nicht darum geht, dass das Reich von Jesus bereits vollkommen ist und dass alle Sünde und alles Böse bereits überwunden wurde. Nein, das Herz des Christentums ist, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte in die Welt kam, um zu zeigen, wie Gott ist, und um durch seinen Tod und seine Auferstehung die Rettung möglich zu machen für alle, die an ihn glauben. Zu der Zeit gab es viele Wunder, um seine Behauptungen und die Lehren der Apostel zu bestätigen.

Beim Christentum handelt es sich um ein Leben, das auf das Wirken Jesu zurückschaut und mit Hoffnung nach vorne blickt auf das, was sich bald erfüllen wird. Dieses Leben ist bereit zu leiden, Menschen zu lieben und sie zum Glauben einzuladen. Trotzdem wirkt Gott immer wieder Wunder für seine Menschen. Warum macht er sie nicht öfter? Vielleicht liegt es teilweise daran, weil wir sie nicht erwarten oder nicht genug Glauben haben, aber letztlich liegt das in seinem souveränen Willen.

Doch wenn wir Menschen auffordern, umzukehren und an Jesus zu glauben, dann tun wir das nicht aufgrund eines Wunders, das sie gestern gesehen haben. Wir tun das aufgrund dessen, was Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung erbracht hat. Selbst, wenn es mehr Wunder geben würde, muss dies immer der Grund unseres Glaubens sein.

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