Bibel und Geld – Geld: Antwort auf alles oder Wurzel des Übels?

Das Buch «Prediger» ist für seine provozierenden Aussagen bekannt. Auch über Geld hat Salomo darin einiges zu sagen, doch was bedeutet es, wenn er Geld «als Antwort auf alles» bezeichnet?
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Schweizer Franken

«Sage mir, was du betonen möchtest, und ich zeige dir den geeigneten Bibelvers dazu.» Was hier etwas sarkastisch ausgedrückt ist, nennen Theologen «Einlegung». Im Gegensatz zur Auslegung werden hier bereits vorhandene Gedanken nur noch mit scheinbar geeigneten Bibelversen untermauert. Wie einfach man in dieses Verhalten hineinrutschen und wie man zu tatsächlich fundierten Ansichten kommen kann, zeigt die US-Autorin Brittany Ann am Beispiel des Themas «Geld».

Geld als «Antwort auf alles»?

Wer das Buch Prediger aufschlägt, findet darin Aussagen wie diese in Prediger, Kapitel 10, Vers 19: «Zum Vergnügen bereitet man Mahlzeiten, und der Wein erfreut die Lebendigen, und das Geld gewährt alles.» Macht Geld tatsächlich alles möglich? Ist es die Antwort auf alles? (So übersetzen andere diese Aussage.) Bereits im Predigerbuch selbst wird diese Ansicht relativiert, dort steht in Prediger, Kapitel 5, Vers 9: «Wer Geld liebt, bekommt vom Geld nicht genug, und wer Reichtum liebt, nicht vom Gewinn. Auch das ist nichtig!»

Spannenderweise stehen solche Aussagen die ganze Bibel hindurch nebeneinander: Mal wird Geld als Segen gepriesen und mal als personifizierter, dämonischer «Mammon» abgelehnt. Offensichtlich ist keine dieser Aussagen für sich allein voll gültig, also kommt es stark auf den Kontext an.

Worum geht es im «Prediger»?

Mit Salomo ist nicht nur ein König für den Inhalt des Buches verantwortlich, sondern gleichzeitig ein Mann, der viel Geld hatte und damit umgehen konnte. Trotzdem ist das Buch keine Finanzanleitung. Stattdessen ist es eine Sammlung zahlreicher Ideen zu verschiedenen Themen. Salomo macht sich darin zu unterschiedlichsten Lebensbereichen seine Gedanken. In gewisser Weise tragen diese alle die Handschrift Gottes, manche sind allerdings eher der Ausdruck von Salomos Sinnsuche, während andere Ergebnisse zusammenfassen, manche sind eher allgemeingültig, andere beschreiben Salomos spezielle Erfahrungen.

Bei der Suche nach einem roten Faden im alttestamentlichen Buch unterstreicht Brittany Ann, dass es darin längst nicht nur um die immer wieder genannten «Nichtigkeiten» geht, um das, was im Leben nicht erfüllbar ist, sondern in erster Linie um ein Ausstrecken nach Gott und ein Orientieren an ihm. So fasst Salomo sein Buch am Ende folgendermassen zusammen: «Lasst uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das macht den ganzen Menschen aus. Denn Gott wird jedes Werk vor ein Gericht bringen, samt allem Verborgenen, es sei gut oder böse.» (Prediger, Kapitel 12, Vers 13-14) Ann schlussfolgert daraus: «Wenn wir Prediger lesen, werden wir daran erinnert, dass wir durch eine echte Beziehung zu Gott nach Gerechtigkeit streben sollten, anstatt einfach flüchtigen Vergnügungen (oder Verpflichtungen) nachzujagen, die uns nicht wirklich befriedigen.»

Was sagt der Prediger nun zum Geld

Wirklich einig sind sich Theologen und Wissenschaftler nicht, aber die meisten halten Salomos Aussage über Geld als Antwort auf alles für sarkastisch bzw. als Beschreibung der Ungerechtigkeiten dieser Welt – er spricht im gleichen Zusammenhang von Dienern, die auf dem Pferd sitzen, während ihre Herren laufen. Laut Brittany Ann meint der Prediger damit: «Wie so viele andere Dinge, die Salomo versucht hat zu verfolgen, ist das Streben nach Geld sinnlos, denn das Leben ist nicht fair. Diejenigen, die hart arbeiten, das Richtige tun oder besondere Fähigkeiten oder Talente haben, werden nicht immer belohnt.»

Auch wenn es nicht eindeutig zu klären ist, was Salomo mit seiner Aussage «Geld ist die Antwort auf alles» meint, wird auf jeden Fall deutlich, dass er andere Menschen nicht dazu ermutigt, vor allem dem Geld nachzujagen. Das würde dem Thema des gesamten Buches widersprechen. Stattdessen scheint der prominente König zu dem Schluss zu kommen, dass es das Beste ist, «Gott an die erste Stelle zu setzen, um in diesem Leben wahre Erfüllung zu finden» – mit oder ohne Geld.

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