Weisheit aus der Wüste – Fünf Lektionen vom Heiligen Antonius

Antonius der Grosse gilt als Begründer des Mönchstums und ist einer der meistgemalten Heiligen – besonders in der Versuchung. Doch Antonius hat mehr als nur geschichtliche oder künstlerische Bedeutung. Bis heute ist er ein Vorbild im Gebet.
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Wüste (Libyen)

Antonius der Grosse gilt als Begründer des Mönchstums und ist einer der meistgemalten Heiligen. Von Matthias Grünewald bis Salvador Dali haben viele Künstler den Eremiten dargestellt – besonders in der Versuchung. Doch Antonius hat mehr als nur geschichtliche oder künstlerische Bedeutung. Bis heute ist er ein Vorbild im Gebet.

Antonius wurde um 250 nach Christus in Ägypten geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern hörte er in einer Predigt das Bibelwort: «Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!» (Matthäus, Kapitel 19, Vers 21) Er nahm dies wörtlich und zog sich als Eremit in die Wüste zurück. Damit wurde er einer der so genannten Wüstenväter.

Antonius' exzentrisches und gleichzeitig konsequentes Christsein zog bereits zu seinen Lebzeiten viele Menschen an. Sie suchten Rat und Hilfe bei dem Eremiten. Auch heute noch ist er ein gefragter Ratgeber, was Spiritualität angeht. Der Londoner Lobpreisleiter James Dwyer zieht aus seinem Leben fünf Schlüsse fürs Gebet:

1. Schweigen ist Gold

«Es hat mir oft leid getan, dass ich geredet, aber nie, dass ich geschwiegen habe.» Diese Aussage war schon zu Antonius' Zeit einseitig. Und zwar bewusst. Schweigen war eine der wichtigsten Übungen der Wüstenväter. Sie wollten sich dadurch für Gottes Reden öffnen. In unserer lauten und hektischen Welt kann das bewusste Schweigen sehr hilfreich sein. Wenn ich nachdenke, bevor ich (zu) schnell antworte, wenn ich mein Telefon einmal abschalte, wenn ich einfach einmal still werde vor Gott und in seiner Gegenwart bin, ohne etwas zu bitten oder zu erwarten.

2. Weisheit suchen

«Denke an Gott bei allem, was du tust.» Viele Menschen suchten früher Hilfe bei Wüstenvätern wie Antonius. Was sie damals anziehend machte, war ihre konsequente Suche nach Weisheit. Sie verbrachten ihre Zeit damit, nach Gott und seinem Willen zu fragen. Bis heute findet man bei ihnen viele wertvolle Gedanken. Weisheit war für Antonius allerdings kein Selbstzweck, erst recht kein Mittel, um sich vor anderen Menschen besser darzustellen. Er wusste einfach, dass er sie brauchte, um für Gott zu leben. Wenn ich heute selbst Weisheit suche und mich mit Menschen umgebe, die nach Gott fragen, dann hat das grossen Einfluss auf mein Beten. Weisheit hilft mir, mein ganzes Leben vor Gott zu ordnen.

3. Demut statt Erfolg

«Demut und Gottesfurcht sind die wichtigsten Tugenden.» Die Wüstenväter lehnten Reichtum und Besitz ab. Demut war ihnen so wichtig, dass sie manchmal übers Ziel hinausschossen und stolz darauf wurden. Aber die Grundhaltung von Antonius und seinen Kollegen war klar: Sie gingen davon aus, dass im Himmelreich kein Raum für Stolz war. Demut war der Ausgangspunkt ihrer Reise, um Gott näher zu kommen. So gaben sie ihren Besitz fort. Demut ist immer noch ein wichtiger Schlüssel, um Gott nahe zu sein. Dabei geht es darum, wie C. S. Lewis einmal formulierte, «nicht weniger von sich zu denken, sondern weniger an sich zu denken».

4. Sich selbst nicht so wichtig nehmen

Zwei Wüstenväter, so erzählt man sich, lebten friedlich viele Jahre zusammen. Einmal beschlossen sie: «Lasst uns miteinander streiten, so wie die anderen Menschen es tun.» «Wie geht das?», fragte der eine. Der andere erwiderte: «Sieh her, ich lege einen Stein zwischen uns und sage, dass es meiner ist. Dann sagst du, es ist deiner. So beginnt ein Streit.» Also legten sie einen Stein zwischen sich und einer sagte: «Er gehört mir.» Der andere antwortete: «Nein, es ist meiner.» Darauf erwiderte der erste: «Ja, es ist deiner. Nimm ihn.» Sie konnten einfach nicht miteinander streiten. Die Geschichte unterstreicht einerseits, dass ihre Harmonie von ihrer tiefen Beziehung zu Gott kam. Andererseits zeigt sie, dass man manches einfach nicht so verbissen sehen muss. Es gibt Zeiten, Dinge ernst zu nehmen und genauso auch Zeiten, um herzlich über uns selbst zu lachen.

5. Der Beziehung zu Gott Vorrang geben

«Seid allezeit fröhlich, seid dankbar in allen Dingen.» (1. Thessalonicher, Kapitel 5, Verse 16 und 18)Wer damals in der Wüste Antonius besuchte, der später «der Grosse» genannt wurde, der traf jemanden, der sich in allem auf Gott ausrichtete. Er erlebte auch Zeiten der Zerrissenheit, doch sein Fokus war immer Gott. Sein Ziel war der Friede mit ihm und allen Menschen. Antonius’ Art, das umzusetzen war auch für damalige Verhältnisse dramatisch. Doch das Herz seiner Botschaft ist bis heute nicht sein Rückzug aus der Welt, sondern dass er Gott in allem den ersten Platz einräumen wollte. Egal, wie mein Leben verläuft, diese Haltung kann ihm eine neue Richtung geben. Wenn ich der Beziehung zu Gott in allem den Vorrang gebe, dann ändert sich nicht nur mein Gebet, dann werde ich Gott im Alltag immer wieder auf besondere Weise begegnen.

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