Der Prophet Elia und der Stabchef

Elia soll die Dürre in Israel beenden. König Ahab scheut keinen Aufwand, um den Verschwundenen zu finden: Stress ohne Ende für seinen Stabchef Obadja. Hier der 3. Teil der Serie zum Propheten Elia.

envato / Dylan Shaw
Auf der Suche in der Wüste

Der Beamte hat Ahab beim Aufbau der neuen Hauptstadt Samaria beste Dienste geleistet. Der König hat ihn als Verwalter des Hofs eingesetzt, weil er den Blick fürs Wesentliche hat. Dass der Kult der neuen Götter, die die Königin Isebel aus ihrer Heimat Sidon nach Samaria gebracht hat, bei Obadja Kopfschütteln verursacht, spürt Ahab deutlich. Gleichwohl (oder gerade deshalb?) vertraut er seinem tüchtigsten Mann und gibt ihm ständig Sonderaufträge. Doch wie soll man nach über zwei Jahren Dürre, wo nichts mehr wächst, noch Futter finden für alle Pferde und Maultiere des Königs? Die Böden sind ausgedörrt, die Bäche versiegt...

Internationaler Suchbefehl

Die Futtersuche ist nichts gegen den Job, den Obadja bereits kurz nach Beginn der Dürre fasste: Elia muss her, koste es, was es wolle! Ahab kann sich – so sehr seine Isebel darüber spöttelt – der Macht von Elias Wort nicht entziehen. Denn es regnet wirklich nicht, offensichtlich als Strafe Gottes, wie Elia prophezeite. Seit über zwei Jahren. Das Land seufzt und verschmachtet – und Elia allein kann das erlösende Wort, das wieder Regen bringt, sprechen.

Darum fassen alle Beamten des Staates den Auftrag, den «Staatsfeind Nummer 1» (laut Isebel) zu finden und nach Samaria zu schaffen. Ohne Erfolg. Auch Obadja, dem ein guter Draht zu Gottes Anhängern nachgesagt wird, findet keine Spur. Schliesslich sendet Ahab ihn in die Nachbarländer, sozusagen mit internationalem Haftbefehl. An allen Ecken und Enden haben die Sicherheitskräfte Elia zu suchen.

Isebels Massaker

Obadja gehört zu den gewieften Spielern im Machtpoker am Hof. Er hat geahnt, dass Isebel die Propheten Gottes verfolgen würde. Ahabs Einwänden zum Trotz hat sie schliesslich alle, derer sie habhaft wurde, töten lassen. Obadja schaffte es, hundert von ihnen rechtzeitig in zwei Höhlen zu verstecken und trotz Dürre durchzufüttern! Für Elia selbst hat sich der Stabchef des Königs tief in seinem Herzen eine urtümliche Ehrerbietung bewahrt. Doch das hilft ihm jetzt nicht: Den Propheten zu finden, der wie vom Erdboden verschluckt ist, scheint unmöglich! Ist er umgekommen?

Ahab rafft sich auf: Um dem Vorwurf der Passivität zu begegnen, macht er sich selbst auf die Suche nach Futter. Mit demselben Ziel reitet Obadja in andere Distrikte. Da begegnet ihm eine Gestalt, die er zu kennen glaubt. Der verschwundene Prophet – ist er doch im Land? Obadja traut seinen Augen kaum, dann steigt er vom Pferd und wirft sich vor ihm zu Boden: «Bist du es, mein Herr Elia?»

«Gott will wieder Regen schenken»

«Ja», bedeutet ihm Elia, «du täuschst dich nicht. Unser Gott hat mir gesagt, dass ich erneut vor Ahab treten soll. Denn Gott will wieder Regen schenken. Melde mich beim König an.» Obadja fährt der Schreck in die Glieder: Wird Isebel ihn verdächtigen, er habe Elia versteckt? Und auch Ahab ein faules Spiel vorzuwerfen, das das Volk an den Rand des Abgrunds gebracht hat? Dazu kommt, dass der Prophet Gottes äusserst unberechenbar scheint: «Wenn ich nun wegginge von dir, könnte der Geist Gottes dich forttragen; ich aber wüsste nicht wohin. Käme ich dann zu Ahab, um es ihm auszurichten, und er fände dich nicht, so würde er mich umbringen...»

Elia blickt Obadja ruhig in die Augen: «Keine Angst, ich tauche nicht ab. Ich komme gleich nach – noch heute will ich mich ihm zeigen.» Obadja steigt aufs Pferd, sprengt weg, findet Ahab und überbringt ihm die elektrisierende Mitteilung. Der König geht Elia entgegen.

Kühner Konter

Als er ihn antrifft, kommt er gleich zur Sache: «Bist du es, der du Israel ins Unglück stürzest?» Obadja steht unter Hochspannung: Wie kontert Elia diesen drohenden Satz des Monarchen? «Nicht ich habe Israel ins Unglück gestürzt, sondern du und das Haus deines Vaters: Ihr habt die Gebote Gottes verlassen! Du bist den Baalen nachgelaufen!» Doch Elia ist nicht fertig; er setzt – Obadja ist baff – einen obendrauf. Er wagt es, dem König einen Befehl zu geben: «Sende Boten aus und lass ganz Israel bei mir auf dem Karmelberg versammeln, samt den 450 Männern, die im Namen eures neuen Gottes, des Baal, weissagen, und den 400, die das für die Göttin Aschera tun und an Isebels Tafel speisen.»

So was gibt's doch nicht, denkt Obadja. Elia allein gegen die Hundertschaften heidnischer Höflinge und Ritualexperten? Was will er da oben auf dem Karmel?

Dieser Artikel erschien im Juni 2011 auf Jesus.ch

Lesen Sie die ersten Teile der Elia-Serie:
Elia und die Baal-Konjunktur
Elia und die Himmelsdiät

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