Ramadan 2018 – Eine Chance fürs Miteinander

Der traditionelle Fastenmonat des Islam, der Ramadan, ist in vollem Gange. In Westeuropa geht er fast spurlos an der Gesellschaft vorbei. Eigentlich schade. Denn er bietet viele Chancen für ein neues Miteinander.
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Betende Muslime

Der traditionelle Fastenmonat des Islam, der Ramadan, ist in vollem Gange. In Westeuropa geht er fast spurlos an der Gesellschaft vorbei. Eigentlich schade. Denn er bietet viele Chancen für ein neues Miteinander.

Der Ramadan dauert dieses Jahr vom 16. Mai bis zum 14. Juni. Dass viele Muslime während dieser Zeit fasten, bleibt dabei in unserer Region beinahe unbemerkt. Aber worum geht es beim Ramadan eigentlich? Können oder sollen Christen darauf Bezug nehmen? Wie kann das geschehen?

Ramadan zwischen Theorie und Praxis

In etlichen islamischen Staaten ist das Einhalten des Fastens im Ramadan Pflicht und Verstösse werden empfindlich bestraft. In unseren Breiten gibt es auch viele Muslime, die nicht fasten oder den Ramadan nur teilweise halten. Das liegt zum einen daran, dass hier auch viele liberale Muslime leben und zum anderen an der Jahreszeit, in der das Fasten gerade stattfindet. Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender, daher «wandert» er und ist jedes Jahr circa 14 Tage früher. Gefeiert wird darin der Empfang des Korans. Das Fest des Fastenbrechens zum Abschluss gehört zu den höchsten islamischen Feiertagen.

Das Fasten selbst findet von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang statt – und genau hier liegt eine echte Herausforderung: sei es in sehr heissen Regionen, wo tagsüber auch nichts getrunken werden darf, oder bei uns, wo die Sommertage fast 17 Stunden lang sind. Kinder, Kranke, Schwangere, Alte und Schwache sind genau wie Reisende eigentlich vom Fasten ausgenommen, allerdings ist die Dynamik des Fastens oft so stark, dass sie trotzdem mitgezogen werden. Die extremen Belastungen durch das Fasten und sehr späte Essen und Trinken sorgen immer wieder für Spannungen, Gewaltausbrüche oder fehlende Arbeitsleistung.

Den Ramadan mitgestalten

Viele Muslime, die als Geflüchtete in Auffanglagern, in Massenunterkünften oder Wohnheimen untergebracht sind, tun sich sehr schwer damit, den Ramadan für sich zu gestalten. Das beginnt bei fehlenden Rückzugsorten und es hört beim Bereitstellen von Essen zu den Zeiten, wo die Fastenden es zu sich nehmen dürfen noch lange nicht auf. Die Berlinerin Kerstin Hack hat bereits 2016 eine sehr hilfreiche Handreichung zu diesem Thema verfasst. Ihre Anliegen dabei sind es, sozialen Frieden zu ermöglichen, durchaus klare Grenzen zu setzen und vor allem den Muslimen auf eine Art und Weise zu dienen, die sie als respektvoll und hilfreich erleben.

Ramadan als Chance

Fastenzeiten sind intensive Zeiten. Weil viele Muslime sich während des Ramadans mit ihrer Glaubensgrundlage, dem Koran, auseinandersetzen, sind Glaubensgespräche während dieser Zeit so einfach wie sonst nie. Wer hier respektvoll nachfragt und sich die Glaubenspraxis seiner muslimischen Nachbarn oder Kollegen erklären lässt, der versteht nicht nur den Islam besser, er wird auch Gegenfragen ernten. Denn viele Muslime wollten eigentlich schon immer einmal erfahren, wie ihre christlichen Nachbarn leben. Fasten sie auch? Wie beten sie? Wie gestalten sie ihren Glauben im Alltag?

Wer hier bereit ist nachzufragen und auch sich selbst zu öffnen und sein eigenes Verhalten und Denken zu erklären, der wird während des Ramadans immer wieder gute Gespräche über den Glauben führen. Manchmal sicher mit sehr überzeugten Muslimen, die fest bei ihrer Meinung bleiben. Oft aber auch mit fragenden Muslimen, die auf der Suche nach einem tragfähigen Glauben sind, weil sie – wie viele Geflüchtete – enttäuscht und desillusioniert von ihrem eigenen Glauben sind, aber keine Alternativen kennen.

30 Tage Gebet für die Islamische Welt (anlässlich des Ramadans):
Noch nie so viele Konvertiten: Gebet für muslimische Welt hat etwas in Bewegung gesetzt

30 Tage Gebet für die Islamische Welt (Schweiz)
30 Tage Gebet für die Islamische Welt (Deutschland)

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