Gibt es sie überhaupt? – Die glückliche christliche Ehe

Einige Leser werden gespannt folgende Zeilen überfliegen, um sie auf ihr Eheleben anzuwenden und andere werden sich enttäuscht abwenden. Zu oft schon haben sie Vorträge und Seminare gehört, Bücher gelesen und ihr Ehe hat sich doch nicht verändert.

Einige Leser werden gespannt folgende Zeilen überfliegen, um sie auf ihr Eheleben anzuwenden und andere werden sich enttäuscht abwenden. Zu oft schon haben sie Vorträge und Seminare gehört, Bücher gelesen und ihr Ehe hat sich doch nicht verändert.

Während für viele Zeitgenossen die Ehe längst als Auslaufmodell gilt, zumal doch mittlerweile jede dritte Ehe geschieden wird, ist für die meisten freikirchlichen Christen immer noch klar, dass die Ehe und Familie die schöpfungsgemässe Lebensform ist. Sieht man am Sonntagmorgen die vielen Paare und Familien glücklich, zufrieden lächelnd nebeneinander im Gottesdienst sitzen, spricht die Erfahrung aus der Seelsorge und vielen notvollen Gesprächen eine andere Sprache. Immer noch gilt in den meisten christlichen Gemeinden, dass man keine Eheprobleme haben sollte, wenn man seine Ehe unter Gottes Schutz stellt und als Christ lebt.

Über Eheprobleme spricht man nicht. Eheprobleme hat man. Da wir in einer gefallenen Schöpfung leben ist auch die Ehebeziehung der Gefallenheit der Schöpfung unterworfen. Es gibt Probleme, Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen, wie in anderen Bereichen des Lebens auch. Aber so wie das Heil von Christus alle Lebensbereiche durchdringt, besteht auch die Möglichkeit, dass das Heilshandeln Gottes in Ehe und Familie seine Wirkung tut. Das macht Mut und gibt Hoffnung.

Mut zu unterschiedlichen Ehen

Bei den meisten Beziehungsseminaren geht man von einem christlichen Eheideal aus. Oft wird aber in den ersten Ehejahren das liebliche Ideal zerstört. Die Wirklichkeit kommt zum Vorschein.

Jeder Mensch hat das Recht, eine eigenständige und wertgeachtete Persönlichkeit zu sein. Warum denn nicht auch die Ehe? So unterschiedlich wie der Mann und die Frau sind, die diese Ehegemeinschaft ausmachen, so unterschiedlich wird auch die «Ehepersönlichkeit». Somit gibt es in einer Gemeinde von 50 christlichen Ehepaaren nicht eine Form von christlicher Ehe, sondern 50 eigenständige.

Das Christliche an der Ehe

Christus ist das Christliche an der Ehe! Das zeigt sich daran, wie der Geist Christi in einer Ehe gelebt wird, wie Mann und Frau miteinander ihr Leben teilen. Im Geist der gegenseitigen Wertschätzung und Achtung durch Ausdruck der gegenseitigen Liebe und sogar in der Vergebungs- und Versöhnungsbereitschaft. Ob nun dieses Paar miteinander eine tägliche Andacht hält, die Bibel liest oder gemeinsam betet oder allenfalls sogar Lobpreiszeiten miteinander verbringt, ist unterschiedlich.

Unterschiedliche Lebensphasen

Die junge Ehe braucht Zeit und Raum zur gegenseitigen Entfaltung und zur Entwicklung von Gemeinsamkeiten. Die spätere Phase wird dem Aufbau der Familie gewidmet, was Durchhaltevermögen voraussetzt. Die vielleicht Schwierigste und für viele Paare krisenanfälligste Zeit, ist die Phase, wo die Kinder aus dem Hause gehen und sich die Partner neu finden müssen. Sie brauchen in ihrer Ehe eine neue Ausrichtung und ein neues Ziel, um dann miteinander die Phase des Altersglücks geniessen zu können.

Schon aufgrund dieser vier verschiedenen Phasen ist es klar, dass die Ehebeziehung in jeder Phase unterschiedlich geprägt und ausgelebt wird. So wichtig wie es ist, dass ein Ehepaar sein Ehebewusstsein und die Ehegemeinschaft prägt, so wichtig ist es auch, dass in der Ehe Raum für Eigenständigkeit und für Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ist.

Verschiedenartigkeit als Chance

Verschiedenartigkeit als Chance sehen, heisst es doch so schön. Gegensätze ziehen sich an. Der ruhige, in sich gekehrte, überlegene Denker ist von der begeisterungsfähigen, nach aussen gerichteten, impulsiven Erlebnisfrau angesprochen. Doch im Moment der Krise, sind es oft gerade diese Gegensätze, die das Fass zum Überlaufen bringen. Was man am Anfang faszinierend und gerade speziell am Partner gefunden hat, stört plötzlich und macht einem das Leben schwer. Schön ist es, wenn man über dieses Paradox auch etwas schmunzeln kann.

Zu der Verschiedenartigkeit in Persönlichkeit, Erziehung und sozialem Hintergrund kommt noch die grundlegende Unterschiedlichkeit von Mann und Frau, die uns oft ein Geheimnis bleiben wird. «Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat», hat Paulus verkündet. Das ist es doch, was wir uns wünschen, von jemandem bedingunslos geliebt und angenommen zu werden mit unseren Schwächen, Fehlern und Andersartigkeit.

Mut zur Eigenständigkeit der eigenen Ehe

So wie es oft Mut braucht, zu seiner Persönlichkeit zu stehen, so braucht es auch Mut zur Eigenständigkeit der eigenen Ehe. Ich möchte allen Paaren Mut machen, sich als eigenständiges Paar zu finden. Lassen wir uns hier nicht von einem weltlichen oder sogar von einem christlichen Diktat unsere Kreativität, Phantasie und Vielfalt vermiesen. Natürlich wollen wir die gottgegebene Schöpfungsordnung respektieren und achten. Die Aussagen der Bibel für die Ehe bleiben: «Ordnet euch einander unter in der Ehrfurcht Christi.» «Ihr Männer liebt eure Frauen, wie Christus die Gemeinde geliebt hat.» «Ihr Frauen achtet und ehrt Eure Männer.» Natürlich wollen wir das Gebot der ehelichen Treue nicht vergessen, das in der lebenslangen Ehe-Gemeinschaft seine Erfüllung findet. Das wird auch zunehmend wieder von weltlichen Therapeuten ernst genommen.

Kann man über Ehe reden ohne die Sexualität zu erwähnen. Mittlerweile ist allen klar, dass die Sexualität ein gottgewolltes Schöpfungsgeschenk ist, um sich in der Ehe gegenseitig zu beglücken und zu erfreuen. Aber auch hier gilt, jedes Ehepaar muss für sich herausfinden -  und das geschieht vor allem im Gespräch – was sie beglückt und erfreut. Wenn das nicht gelingt, ist wohl eher ein Gespräch mit einer aussenstehenden Person als das Pochen auf christlich-eheliche Pflichterfüllung hilfreich.

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