Sorgen wegen Falten? – Den Körper feiern, statt gegen das Altern zu kämpfen

Autorin Claire Musters überlegt, inwieweit unsere Gefühle gegenüber unserem alternden Körper die Kultur widerspiegeln, in der wir leben. Und sie schlägt vor, dass die christlichen Gemeinden ein besseres Narrativ liefern sollten.
Imported Image
Claire Musters

Autorin Claire Musters überlegt, inwieweit unsere Gefühle gegenüber unserem alternden Körper die Kultur widerspiegeln, in der wir leben. Und sie schlägt vor, dass die christlichen Gemeinden ein besseres Narrativ liefern sollten.

«Seit ich eine Tochter habe, bin ich mir der negativen Kommentare, die ich selbst über mein Äusseres machen kann, bewusster geworden», sagt Claire Musters. Sie recherchierte für einen Artikel in «Woman Alive», ob sich Frauen über 50 unsichtbar fühlen können. «Eine Frau sagte, dass sie sich zwar unsichtbar fühle, es sie aber nicht mehr interessiere: 'Ich habe endlich begriffen, dass meine Bestätigung nur von unserem Vater kommt.'»

Die Akzeptanz, dass unser Körper unweigerlich schwächer wird und verfällt, ist weit von der Botschaft unserer Kultur entfernt. «Jeden Tag werden wir mit Botschaften über unser Körperbild bombardiert, von Werbetreibenden, die uns ihre Produkte verkaufen wollen, und von 'perfekten' Berühmtheiten in den Medien. Wir hören vielleicht, dass wir nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, aber wird das jemals vollständig ausgepackt? Ich kann mich nicht erinnern, jemals in der Kirche eine Diskussion über die Schönheit der menschlichen Gestalt gehört oder daran teilgenommen zu haben. Wie sollen wir uns in den Lügen der Welt zurechtfinden, wenn die Kirche so schweigsam ist – und wenn der Körper historisch oft mit 'sündigem Fleisch' gleichgesetzt wurde?»

Ganzheitliche Wesen

Claire Musters bilanziert: «Wir sind zwar sowohl geistige als auch körperliche Wesen, aber ich glaube, es ist ein Fehler, das Geistige über alles andere zu stellen, denn Gott hat uns als ganzheitliche Wesen geschaffen. Eines Tages werden wir einen Auferstehungskörper haben – also muss Gott das Körperliche als wichtig ansehen. Jesus nahm körperliche, menschliche Gestalt an, um unser Retter zu sein.»

Die Zeichen des Alterns, wie zum Beispiel unsere Falten, offenbaren ein Bild des Lebens, das wir gelebt haben, und machen uns zu dem, was wir heute sind. «Wir sind jedoch so darauf programmiert, das Altern aufzuhalten, dass es uns schwerfällt, den Prozess anzunehmen.»

Den Körper feiern

«Ich erinnere mich noch daran, wie ich im Urlaub am Pool lag und von meiner Nichte gescholten wurde, weil ich mich über zusätzliches Fett beklagte», blickt Claire Musters zurück. «Sie sagte mir, ich solle den starken, unglaublichen Körper feiern, der zwei Kinder hervorgebracht hat und immer noch fit und gesund ist. Meine Reaktion war, eine Entschuldigung zu murmeln, aber innerlich dachte ich: 'Aber was ist mit all den Frauen, die Kinder bekommen haben und immer noch superschlank sind?' Mich mit anderen zu vergleichen, hielt mich davon ab, die tolle Wahrheit zu akzeptieren, an die sie mich erinnert hatte.»

Claire Musters stellt klar: «Ich bin sicher nicht dafür, sich zurückzulehnen und alles allmählich den Bach runtergehen zu lassen. Die Heilige Schrift sagt uns, dass unser Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist. Wir müssen uns um uns selbst kümmern, gut essen, regelmässig Sport treiben und so weiter. Aber wir sollten nicht zwanghaft sein. Ist es nicht an der Zeit, dass wir akzeptieren, dass unser Körper altert? Und dass wir das feiern, anstatt versuchen, es aufzuhalten? Mir gefällt, was Paula Gooder in ihrem Buch 'Body (SPCK)' sagt: 'Ich sehne mich nach dem Tag, an dem wir in unseren christlichen Gemeinschaften so sehr daran gewöhnt sind, unsere herrlichen, schlaffen, alternden, aber bald verwandelten Körper zu feiern, dass wir alle eine selbstbewusste, wahre Schönheit vorleben.'»

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Junge Erwachsene gehen immer wieder auf die Strasse, um die wertschätzende Liebe Gottes zu verkünden

Gott meint genau dich – Die grösste Wertschätzung im Universum

Sich wertlos zu fühlen, ist schlimm. Doch gerade für Versager, Gescheiterte, Nutzlose, Abgelehnte und Ungeliebte gibt ...

Thema
Junger Mann macht ein Selfie mit Graufilter. (Symbolbild)

Falsche Erwartungen – Schluss mit dem Zwang, allen gefallen zu wollen

Jeder möchte geschätzt und gemocht werden. Es ist ja auch nicht unwichtig, was andere von uns denken. Trotzdem kann man ...

Thema
Ist Perfektionismus immer schecht?

Charakterschwäche? – Perfektionismus ist nicht immer schlecht

Bloss keine Fehler machen! Alles unter Kontrolle haben. Bin ich der Einzige, der weiss, wie es richtig geht? – Viele ...

Thema
Durch Jesus vollkommen sein

Durch Jesus vollkommen werden – Nicht perfekt, aber vollkommen

Jesus verlangt von den Menschen, die ihm nachfolgen, vollkommen zu sein. Das klingt unerreichbar, ist es aber nicht. ...

Thema
Chloe Cole

Vom Schmerz zur Hoffnung – De-Transitioner über ihren Weg zu und mit Gott

Zunehmend melden sich Menschen zu Wort, die ihre «Transition» bereuen. Hinter ihrem Schmerz steht die Suche nach ...

Thema
Jesus glaubt an dich

Zuspruch, der verändert – Jesus glaubt an dich!

Jesus glaubt an dich? Auf den ersten Blick mag das wie ein Schreibfehler aussehen. Ist es nicht vielmehr so, dass ich ...

Thema
Identität finden

Ringen mit Gott und Menschen – Wie wir unsere Identität in Christus finden

Als Christen hören wir oft, dass wir unsere Identität in Christus finden sollen. Doch was genau bedeutet das?

Thema
Junger Mann, der in den Spiegel schaut

Wer bin ich wirklich? – Die grosse Frage der Identität

In einer Welt, in der Identitätsfragen allgegenwärtig sind – sei es in Bezug auf Nationalität, Geschlecht oder ...

Thema
Tomas Sjödin, christlicher Schriftsteller und Pastor

«Das hier bin ich auch» – Die Suche nach der Identität

Hat der Mensch ein «wahres Ich» oder besteht er gar aus vielen «Ichs»? Ist Selbstfindung überhaupt möglich? Tomas ...