Christsein im Altersheim – «Das Alter zu ehren, bringt immer Gottes Segen»

Heute geniessen alte Menschen in der Gesellschaft keine allzu grosse Wertschätzung. Für Menschen wie Walter Baumann wird die menschliche Würde jedoch nicht in Frage gestellt – auch im Alter nicht.

Heute geniessen alte Menschen in der Gesellschaft keine allzu grosse Wertschätzung. Für Menschen wie Walter Baumann wird die menschliche Würde jedoch nicht in Frage gestellt – auch im Alter nicht.

Walter Baumann blickt seinem 93. Geburtstag entgegen. Seit mehreren Jahren lebt er im Altersheim Sonnenhof in Thun. Trotz seines hohen Alters sieht er sein Leben als wertvoll und er nimmt jede Gelegenheit wahr, Gott zu dienen. Wer Walter kennt, ist sehr schnell von seinem respektvollen Umgang beeindruckt. Sein Leben drückt Würde und Dankbarkeit aus, obwohl jeder Lebensabschnitt hat seine eigenen Schwierigkeiten. Im Alter leiden viele Menschen unter gesundheitlichen Problemen und leider viel zu oft unter Einsamkeit.

Senioren: Opfer einer Wegwerfgesellschaft?

Heute sind Sterbehilfen wie «Exit» fast schon eine Modeerscheinung. Wer in einem Altersheim Pflege in Anspruch nehmen muss, kostet die Gesellschaft eine Menge Geld. Das ist nicht wirtschaftlich. Leider wird der Entscheid, sein Leben zu beenden, oftmals als vorbildlich hingestellt. «Er verzichtete auf sein Leben, um anderen nicht zur Last zu fallen.» Solche Aussagen können Bewohnern eines Altersheims wirklich unter Druck setzen. Sind sie denn nur noch eine Belastung für die Gesellschaft? Wenn das menschliche Leben als wertlos betrachtet wird, weil es eine «wirtschaftliche Belastung» ist, sollten Christen einen Unterschied machen.

Das Leben ist wertvoll

«Mein Leben ist wertvoll», sagt Walter Baumann. «Und es gibt noch so viel, was ich für Gott tun kann. Einerseits habe ich jetzt sehr viel Zeit, um im Gebet für Menschen einzustehen. Andererseits gibt es aber auch im Altersheim viele Menschen, die Ermutigung brauchen.» Schon früh hat Walter gelernt, sein Leben ganz in den Dienst für den Herrn zu stellen. Und jetzt, in seiner letzten Lebensphase, will er ganz sicher nicht damit aufhören. Ältere Menschen, deren Leben in Christus gegründet ist, haben oftmals eine ganz spezielle Art, bei ihren Mitmenschen Spuren zu hinterlassen. Eine Menge Lebenserfahrungen liegen hinter ihnen und die Vorbereitung auf den erwarteten Tod und den Übergang in die Herrlichkeit Gottes ist für sie sehr präsent.

Wenn Walter über sein Leben nachdenkt, gewinnt all das an Bedeutung, was Gott durch ihn gewirkt hat. Gerne erzählt er, wie Menschen in all den Jahrzehnten zum Glauben an Jesus gekommen sind und wie er und seine vor Jahren verstorbene Frau Gottes Führung erlebt haben.

Das Leben ist wertvoll! Dies gilt es, unseren ältesten Mitmenschen zu sagen und durch unser Verhalten auszudrücken.

Menschen im Altersheim besuchen

Die Hektik des alltäglichen Lebens führt dazu, dass junge Menschen die Alten oftmals vergessen. Ein Besuch bei ihnen zu Hause oder auch im Altersheim ist aber weit mehr als ein selbstloser Dienst. Heinz Moser, Leiter vom Sonnenhof, ist überzeugt, dass ein Besuch im Altersheim für den Besucher ein Gewinn ist. «Es ist wertvoll, Menschen im Altersheim zu besuchen. Damit drücken wir aus, dass Menschen ihren Wert bis an ihr Lebensende erhalten. Es tut auch gut, Beziehungen mit Menschen zu pflegen, ohne auf Handy, usw. zurückgreifen zu können. Ich sehe wenig Menschen, die das Altersheim bedrückt verlassen. Normalerweise werden die Besucher auf eine ganz spezielle Art und Weise beschenkt. Das Alter zu ehren, zieht immer den Segen Gottes nach sich.»

Die Geschwindigkeit des Lebens drosseln

Viele Menschen unserer Gesellschaft leiden unter der Hektik und Schnelllebigkeit des Lebens. Immer mehr leisten, immer erreichbar sein, immer mehr Dinge erleben müssen, immer mehr und immer schneller. Im starken Kontrast dazu bleibt die Zeit im Altersheim beinahe stehen. Eile und Effizienz spielt für Leute wie Walter Baumann keine Rolle mehr. Dafür treten Dinge mit Ewigkeitswert in den Vordergrund. Es tut gut, sich von Senioren anstecken zu lassen. Handys ausschalten und ein Altersheim betreten – wohlwissend, dass sich das anstehende Gespräch mehr als gewünscht in die Länge ziehen könnte. Und dann, eine gute Zeit später, verlässt der Besucher das Altersheim wieder und fühlt sich auf geheimnisvolle Weise irgendwie beschenkt. Es tat gut, einfach eine Weile in den «Langsam-Modus» zu schalten.

Senioren sind eine Bereicherung

Alte Menschen bringen uns Werte bei, die im Alltag verloren gehen. Das sind Werte wie «Zeit haben». Sie haben auch einen weiteren Horizont und die Möglichkeit, weiter in die Vergangenheit zurückzuschauen. Gleichzeitig sind sie der Ewigkeit oftmals sehr viel verbundener als dies bei jungen Menschen der Fall ist.

Ruth M., langjährige Betreuerin in einem Altersheim, sagt: «Die Erinnerungen und Geschichten von alten Menschen sind äusserst spannend. Wie sie mit Alter und Krankheit umgehen und lernen, ihre Umstände zu akzeptieren, ist für mich oft vorbildlich. Gegenseitiger Respekt ist etwas sehr Wertvolles.»

Das Alter ehren

Das menschliche Leben ist unermesslich wertvoll. Gott hat uns in seinem Ebenbild erschaffen und gab uns eine grosse Würde. Walter Baumann kann für das wirtschaftliche Wohlergehen der Schweiz keinen Beitrag mehr leisten. Trotzdem ist er von der Würde erfasst, die Gott seinem Leben gibt. Es ist die Würde, die Gott jedem Menschen geben will. Wenn wir Christen den Wert des Lebens hochhalten wollen, ist es ein guter Weg, gerade diejenigen zu ehren, die in den Augen dieser Welt kaum mehr einen Wert haben. Doch gerade die Stimme der Alten muss in der heutigen Zeit gehört werden.

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