Zu wenig Zeit mit Gott – Billy Graham: «Ich bin der grösste Versager»

Diese Worte hat der Evangelist Billy Graham vor einigen Jahren in einem Interview geäussert. Doch warum gibt es etwas in seinem Leben, das er bedauert? Und können wir daraus vielleicht etwas für unser Leben lernen?

Diese Worte hat der Evangelist Billy Graham vor einigen Jahren in einem Interview geäussert. Doch warum gibt es etwas in seinem Leben, das er bedauert? Und können wir daraus vielleicht etwas für unser Leben lernen?

59 Mal in Folge wurde der international bekannte Evangelist Billy Graham unter die zehn angesehensten Männer der USA gewählt (Livenet berichtete). Nicht nur in den USA bewundern viele Menschen den mittlerweile 97-jährigen Evangelisten, der in seinem Leben vermutlich fast alle Länder dieser Welt bereist hat und dessen Hauptanliegen es immer war, so viele Menschen wie möglich in die Nachfolge von Jesus Christus zu bringen.

«Ich hätte mehr Zeit mit Gott verbringen sollen»

Umso erstaunter war ich, als ich von einem Interview las, das der US-amerikanische Fernsehmann Larry King mit Billy Graham kurz nach dessen 80. Geburtstag führte. King sagte zu Graham: «Es muss befriedigend sein, wenn man auf das eigene Leben zurückblicken kann und dabei keinerlei Bedauern verspürt.» Doch Billy Grahams unerwartete Antwort war: «Ich bin der grösste Versager unter den Menschen. Ich habe zu viel Zeit mit Menschen verbracht und zu wenig mit Gott. Ich war zu beschäftigt mit geschäftlichen Treffen und sogar damit, Gottesdienste zu halten. Ich hätte mehr Zeit mit Gott verbringen sollen, dann hätten die Menschen Gottes Gegenwart in mir gespürt, wenn sie mit mir zusammen waren.»

Zeit zum Auftanken

Was meint dieser grosse Gottesmann damit, dass er zu wenig Zeit mit Gott verbracht hat, wo er doch in seinem Leben so viele «feurige» Predigten gehalten hat? Es geht ihm um die Zeit der Stille, die Zeit, die er allein mit Gott verbracht hat, um mit seinem Vater zu reden, von ihm zu lernen, sich von ihm erfüllen zu lassen. Zu seinem Lebensende hin merkte er, dass es viel wichtiger ist, regelmässig bei Gott aufzutanken, um dann von ihm erfüllt zu sein und diese Fülle an andere weitergeben zu können. Qualitätszeit mit Gott, darum ging es dem Evangelisten.

Und wie sieht es mit uns aus? Was ist uns in unserem christlichen Leben am wichtigsten? Die Stille Zeit mit Gott? Das Lernen im Gottesdienst? Oder der routinäre Alltag, in dem wir in den kleinen Entscheidungen zeigen sollten, was unser Leben ausmacht? Denn theoretisch wissen wir ja alle, dass es unheimlich wichtig ist, Zeit allein mit Gott zu verbringen, damit dies dann den Rest unseres Lebens beeinflusst… und trotzdem fällt es mir zumindest immer wieder so schwer, meinem himmlischen Vater Zeit einzuräumen.

Zeit mit Gott – aber wie?

Mehr Zeit mit Gott zu verbringen, muss nicht unbedingt bedeuten, dass wir stundenlang beten und Bibellesen. Doch das Gebet und die Bibel sind wichtige Bausteine unseres christlichen Lebens, weil wir auf diese Weise mit Gott kommunizieren: Er spricht zu uns durch sein Wort, und wir antworten ihm im Gebet – und auch im Gebet kann Gott zu uns sprechen.

Doch auf welche andere Art können wir in unserem Alltag Zeit mit Gott verbringen? Mir fallen hier spontan vier Möglichkeiten ein, wobei es sicherlich noch viele andere gibt.

  • Man kann christliche Musik, Predigten oder christliche Audiobücher hören, sei es beim Auto- oder Zugfahren, beim Joggen oder beim Bügeln. Bei solch routinierten Aufgaben, die keiner Konzentration bedürfen, denken wir häufig an 1001 Dinge, doch selten an unseren Schöpfer. Warum nicht eine gute Predigtserie dabei hören oder durch christliche Musik Gott dabei anbeten?
  • Auch während den kleinen Aufgaben des Alltags kann man in Gedanken im Gespräch mit Gott bleiben und ihn in unseren Alltag mit einbeziehen, sei es beim Kochen, bei Routinearbeiten im Büro oder wann immer wir dran denken.
  • Hilfreich ist ebenfalls, sich neben dem Gottesdienst unter der Woche Möglichkeiten zu suchen, um von Gott zu lernen, beispielsweise durch einen Bibelkreis. Hier werden, je nach Hauskreis, manchmal Predigten vom vorherigen Sonntag vertieft oder Themen behandelt, die man vorher vielleicht noch nie bedacht hat.
  • Und man kann sich mit Freunden umgeben, die ebenfalls Christen sind und mit denen wir auf ganz natürliche Weise über geistliche Themen sprechen und vielleicht sogar diskutieren können. Mir geht es mit einer Gruppe von Freunden so. Wenn wir uns treffen, egal ob dies zum Kindergeburtstag eines unserer Kinder ist oder einfach mal ein gemeinsames Picknick, tauchen automatisch geistliche Themen auf, über die wir im Laufe des Treffens diskutieren. Auch wenn einer von uns ein ungelöstes Problem im Glaubensbereich oder eine Frage hat, spricht er sie an. Und nach jedem Treffen bin ich erstaunt, wie mich die Diskussion oder das Thema angesprochen oder mir neue Dinge des Glaubens eröffnet hat.

Wichtig ist letztlich nicht das Wie. Wichtig ist einfach, dass wir mehr und mehr Zeit mit Gott verbringen. Denn wenn dies die vermutlich einzige Sache ist, die Billy Graham in seinem Leben bedauert, dann sollten wir doch seinen Rat ernst nehmen und versuchen, dies bei uns zu ändern.

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