Sexualerziehung: Just do it – Begleiten und ins Leben entlassen

Sind die Teenagerjahre vorbei, geht es zunehmend darum, Jugendliche auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. Was Beziehungen und Sexualität betrifft, können Eltern nun die Aufgabe von Mentoren übernehmen.

Sind die Teenagerjahre vorbei, geht es zunehmend darum, Jugendliche auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. Was Beziehungen und Sexualität betrifft, können Eltern nun die Aufgabe von Mentoren übernehmen, die jungen Erwachsenen mit ihrer Lebenserfahrung wertvolle Hinweise zum Erreichen gesteckter Ziele geben.

Neben dem Einstieg ins Berufsleben befassen sich junge Erwachsene zunehmend mit Partnerschaft und Familiengründung. Hatten Eltern bis dahin eine gute Beziehung zu ihren Heranwachsenden, wird ihre Meinung nun gefragt sein. «Wie war das bei euch?» oder «Wie weiss ich, dass ich den oder die Richtige gefunden habe?» wollen Jugendliche wissen.

Der oder die Richtige werden

Etwas vom Wichtigsten, das wir jungen Menschen ins Leben mitgeben können, ist die Einsicht, dass all das Gute, das wir uns wünschen und von anderen Menschen erwarten, bei uns selber anfängt. Statt verbissen nach dem Traumpartner zu suchen, geht es darum, die eigene Liebesfähigkeit zu entwickeln. Lieb-Haber zu werden statt nur an das eigene Glück zu denken, Kommunikationsfähigkeit und Selbstbeherrschung zu entwickeln, statt sich in der Jagd nach Selbst-Befriedigung zu verlieren. Sexualität ist auf Beziehung, auf ein «Du» hin angelegt. Aus zwei Menschen entsteht ein neues Ganzes, mit dem unter anderem auch die Grundlage von Familie gelegt wird.

Beziehungskultur prägen und Kriterien formulieren

Jungen Menschen eine «Kultur des Beziehungsaufbaus» zu vermitteln, ist aus meiner Sicht grundlegend. Erleben wir Beziehungen als grenzüberschreitend oder ungesund klammernd, machen wir dies zum Thema. Junge Menschen sollten formulieren lernen, welche Werte ihnen wichtig sind und was für sie unverzichtbare Anforderungen an einen Partner sind. Weil Verliebtheit die schönste Form «geistiger Verwirrtheit» ist, brauchen Jugendliche ein Umfeld, in dem auch mal kritische oder unbequeme Fragen gestellt werden. Haben junge Paare sich Ziele gesteckt, helfen wir ihnen dabei, diese zu erreichen. Mit Paaren, die sexuelle Intimität für die Ehe aufsparen, sprechen wir darüber, wie es nach der Hochzeit weitergeht. Zum Beispiel, indem wir darauf hinweisen, dass eine beglückende Paarsexualität in aller Regel nicht als «Hochzeitsgeschenk» vom Himmel fällt, sondern ein Lernprozess ist.

Glaubwürdig bleiben, die Wegweiser nicht umstellen

Als Eltern sind wir für «unser Haus», unseren Einflussbereich verantwortlich. Dies kann bedeuten, dass wir mitteilen, dass der Freund unserer achtzehnjährigen Tochter gerne im Gästezimmer, nicht aber in ihrem Zimmer übernachten darf. Auch wenn unsere Tochter oder ihr Freund dies vielleicht anders sehen. Wir können unsere Kinder nicht zwingen, unsere Haltung zu teilen, aber wir sind aufgerufen, an dem festzuhalten, was aus unserer Sicht ihrem Glück dient.

Um der Harmonie willen Werte und Haltungen aufzugeben, macht uns unglaubwürdig. Unsere Jugendlichen vertrauen und achten uns nicht nur trotz, sondern wegen unserer Überzeugungen und Liebe bedeutet auch, wahrhaftig zu sein. In meinem Bekanntenkreis fällt mir auf, dass manche Eltern ihre Wertmassstäbe ändern, wenn ihr Nachwuchs nicht danach lebt. Was aber letztlich weder überzeugend noch schlüssig ist: Wir stellen die Wegweiser ja auch nicht um, weil nicht alle sich nach ihnen richten mögen.

Mut zur Bindung machen

In unserer Multioptionsgesellschaft fällt es vielen jungen Menschen schwer, sich auf einen einzigen Menschen festzulegen. Wer garantiert, dass diese Beziehung ein Leben lang halten und gute Gefühle bereiten wird?

Während in meiner Generation viele mit 25 Jahren bereits Eltern waren, müssen junge Paare sich schon fast rechtfertigen, wenn sie «so früh» ein Kind bekommen. Mit der Konsequenz, dass ungewollte Kinderlosigkeit zunimmt, weil der Trend zu später Elternschaft schlichtweg «gegen die Natur» geht. Junge Menschen in gesundem Mass zu Bindung und Familiengründung zu ermutigen, scheint mir durchaus angebracht zu sein. Dies nicht, weil Ehe und Familie immer Spass, sondern weil sie Sinn machen. Als Ehepaare und als Familien sind wir unverzichtbarer Teil der grossen Geschichte, die ein auf Beziehung ausgerichteter Gott mit seinen Menschen schreibt. Als Eltern werden wir auch nach der Ablösung unserer erwachsenen Kinder als Begleiter und Unterstützer gefragt sein. Was uns mit unseren Söhnen oder Töchtern verbindet, wird bleiben und sich vermehren. Der Segen geht weiter – von Generation zu Generation. Das hat Gott, der vertrauenswürdigste aller Väter, versprochen.

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