«Oh du fröhliche…» – Auf den Philippinen wird vier Monate lang Weihnachten gefeiert

Die Bewohner der Philippinen meinen es ernst mit der Weihnachtsfeier: Das Fest der Feste beginnt im 106-Millionen-Staat bereits ab Anfang September. Dann erstreckt es sich über die folgenden vier Monate...

Die Bewohner der Philippinen meinen es ernst mit der Weihnachtsfeier: Das Fest der Feste beginnt im 106-Millionen-Staat bereits ab Anfang September. Dann erstreckt es sich über die folgenden vier Monate, bis am Abend des 24. Dezembers die lang ersehnte «Noche Buena» folgt.Nirgendwo sonst, dauert Weihnachten so lange wie auf den Philippinen: Es sind nicht weniger als vier Monate. Wer in der Schweiz in einem Einkaufszentrum im September plötzlich den Weihnachtsklassiker «Feliz Navidad» hören würde, würde sich verwundert die Augen, respektive die Ohren reiben.

Nicht so in Manila. Dort erklingt dieses Lied bereits vier Monate vor Weihnachten aus den Boxen der Läden. Und bereits zu diesem Zeitpunkt kann Schmuck für den künstlichen Weihnachtsbaum gekauft werden und manche Palmen sind mit Lichterketten geschmückt.

Familie ist wichtig

Das Fest ist aber bei weitem nicht nur kommerzieller Natur. Es handelt sich in besonderer Weise auch um ein Fest für die Familien, die sich in der Weihnachtszeit oft treffen. Ernst Diggelmann lebte 21 Jahre auf den Philippinen und feierte daher sieben Jahre lang Weihnachten. «Mathematisch ist das korrekt», so Diggelmann. Wer Anfang Dezember noch keinen Weihnachtsbaum habe, werde schräg angeschaut.

Kinder ziehen singend von Tür zu Tür

Ähnlich wie beispielsweise in Südafrika oder Australien herrschen zu Weihnachten auch auf den Philippinen Temperaturen von 25 bis 30 Grad – dies sind sicher angenehmere Wärmeverhältnisse für die Kinder, die ab dem 16. Dezember von Tür zu Tür ziehen, um Weihnachtslieder zu singen. Ebenso gehören Krippen zum gewohnten Weihnachts-Bild.

Auch die Kirchen werden deutlich öfter besucht als in Europa. Ab dem 16. Dezember erfolgt jeweils das Pendant zur hierzulande bekannten Mitternachtsmesse vom 24. Dezember: Zwischen drei und vier Uhr morgens ertönen die Glocken der Kirchen und rufen zur ersten von neun «Simbang Gabi», also Messen in der Nacht.
Diese neun Kirchenbesuche sind im Übrigen ein Weihnachtsbrauch, der auf den Philippinen entstanden ist.

Verkäufer bieten den Besuchern der Früh-Gottesdienste anschliessend süssen Klebreis, genannt Puto Bumbong, sowie Bibingka, einen Weihnachtskuchen, und warmes Ingwerbier – und die Kirchgänger warten gemeinsam auf den Sonnenaufgang.

Farbenfrohe Beleuchtungen

In Manilas Stadtpark «Ayala Triangle Garden» lädt eine Lichtershow mit hunderttausenden Lämpchen in zahlreichen Farben. Ab eingangs Dezember werden zudem Häuser und manchmal sogar Autos mit bunten Laternen geschmückt. Die Transparentpapier-Bambus-Laternen werden zudem bei vielen Wettbewerben mit Auszeichnungen versehen.

Am 24. Dezember, in der «Noche Buena», wird unter anderem das philippinische Nudelgericht «Pancit» gereicht, sowie ein besonderer Reiskuchen, der «Puto bumbong», der aus violettem Reis, Kokosraspeln und braunem Zucker hergestellt wird.

Weihnachten bringt Freude

Beendet wird die Weihnachtszeit erst am dritten Sonntag im Januar mit Strassenumzügen. Dafür ist auf diesem Inselstaat der Advent nicht bekannt – ansonsten wäre wohl das ganze Jahr über Weihnachten.

Auf den Philippinen wird Weihnachten zudem ganz bewusst erlebt und gelebt. Heftige Naturkatastrophen und politische Wirren brachten viel Leid über die Nation. Durch Weihnachten finden die Bewohner Freude und Distanz zu den schwierigen Zeiten.

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