Fastenzeit im Dezember? – Advent: Auf Gott warten

Jeder Mensch hat eigene Vorstellungen von der Vorweihnachtszeit - und diese verändern sich im Laufe des Lebens. Cornelia Mack berichtet, wie sie als junge Mutter die Adventszeit gestaltete und welche Schwerpunkte sie heute in diesen Wochen setzt.
Envato Elements / @Jpavaliuk
Vorbereitungen für die Adventszeit

Gott kommt zu uns. Keine andere Zeit im Jahr macht das deutlicher als der Advent.

Zuwendung

Als unsere Kinder noch kleiner waren, haben mein Mann und ich den Advent intensiv mit ihnen gestaltet. Jeden Abend versammelten wir uns um den Adventskranz, haben miteinander Adventslieder gesungen und eine Geschichte – oft aus einem Adventskalender – gelesen.

Und wir hatten einen Gutscheinkalender: Jedes unserer vier Kinder war jeden vierten Tag an der Reihe, einen Gutschein zu ziehen. Darauf standen keine materiellen Geschenke, sondern Ermöglichungen, etwa: «Du darfst dir morgen das Mittagessen wünschen» oder «Du darfst mit Mama einen Einkaufsbummel machen» oder «Du darfst mit Papa schwimmen gehen» oder «Du darfst dir ein Spiel wünschen». Das waren alles Gutscheine, die auch nach Weihnachten noch eingelöst werden durften – und vor allem: Sie hatten den Charakter der Zuwendung. Und genau das wollten wir damit auch ausdrücken, im Sinne der Botschaft von Weihnachten: Gott wendet sich uns im Guten zu.

Im Advent wird das in dreifacher Weise deutlich:

1. Gott kam an Weihnachten zu uns. Daran erinnern wir uns an Weihnachten, darauf gehen wir zu und freuen uns darauf;

2. er wird am Ende der Zeit wiederkommen und darum

3. will er heute und hier in unser Herz, in unser Leben kommen und es gestalten.

Ausrichtung

Inzwischen sind unsere Kinder alle aus dem Haus und haben selbst Familie mit ihren je eigenen Traditionen und das ist auch gut so. Was ist meinem Mann und mir geblieben? Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass der Advent viel mehr ist als die Vorbereitungszeit auf Weihnachten.

Der Advent hat auch das Thema: «Jesus kommt wieder – bist du darauf vorbereitet?» Darauf dürfen und sollen wir warten. Darum wurde der Advent immer auch als Zeit der Besinnung, der Umkehr verstanden und war auch eine Fastenzeit (ähnlich wie die Passionszeit). Deshalb überlege ich mir in jedem Advent, auf was ich eine Weile verzichten könnte – auf Alkohol oder Süssigkeiten, auf Computerspiele oder irgendwas anderes.

Und tatsächlich hilft das für die innere Ausrichtung. Fastenzeit ist immer Besinnungszeit auf das Wesentliche, sie dient der Orientierung und auch der Korrektur. Darum ist für mich der Advent nicht zuerst die Zeit des Wartens auf Weihnachten, sondern der Ausrichtung auf den wiederkommenden Herrn und der Vorfreude auf ihn. Dazu hilft mir auch jedes Jahr ein Ereignis in unserer Gemeinde. Dort gestalten wir den «Lebendigen Adventskalender». Das ist eine wandernde Veranstaltung: Wir treffen uns jeden Abend vor dem Haus eines anderen Gemeindeglieds, wir singen Adventslieder, hören einen kurzen Impuls zum Thema des jeweiligen Tages, es wird ein Gebet gesprochen und im Anschluss ist dann noch Zeit zur Begegnung.

Persönlich finde ich diese Art, den Advent zu gestalten, sehr schön. Denn es ist dadurch vieles möglich: Innehalten am Abend, eine Unterbrechung der Alltagshektik oder Routine, Besinnung auf das Wesentliche des Advents und auch die Möglichkeit, anderen Menschen zu begegnen.

Und genau das bedeutet Advent: Gott kommt zu uns. Er will uns einladen, immer wieder auszusteigen aus dem Alltäglichen, manchmal auch Ärgerlichen oder Hektischen. Er will uns orientieren auf ihn hin und er will uns segnen durch unsere Mitmenschen.

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