Erziehungsprobleme? – ADHS darf nicht zum Familienkiller werden

Wenn eines Tages die Lehrerin telefoniert: «Ich komme mit Ihrem Kind nicht mehr klar», kann dies der Anfang eines Familiendramas sein. Doch es lässt sich abwenden, wenn die Eltern sich helfen lassen.
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Erziehungsprobleme

Wenn eines Tages die Lehrerin telefoniert: «Ich komme mit Ihrem Kind nicht mehr klar», kann dies der Anfang eines Familiendramas sein. Doch es lässt sich abwenden, wenn die Eltern sich helfen lassen.

Wenn Ihr Kind in der Schule stört, unkonzentriert ist und die Hausaufgaben nicht macht, hat die Lehrperson ein Problem, das sie in der Regel zuerst an die Eltern weiterreicht. Diese neigen dazu, Druck auf das Kind zu machen mit dem Resultat, dass sich sein Verhalten verschärft. Das Kind wird noch «schwieriger», als es schon war. So weit die Erfahrung des Psychologen Gerhard Lauth.

Der Psychologe Gerhard W. Lauth ist emeritierter Professor für Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie an den Universitäten Dortmund und Köln. Er hat zahlreiche Therapien und Übungsverfahren für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS), Essstörungen und andern Verhaltensstörungen entwickelt und publiziert. An der Uni Zürich sprach er am 26. August an einer Tagung über «Familiäre Resilienz und psychische Gesundheit», die vom Psychologischen Institut unter Prof. Guy Bodenmann organisiert wurde.

Probleme erkennen, neue Verhaltensweisen einüben

Gemäss Gerhard Lauth geht es oftmals zuerst darum, die durch ein Problem wie ADHS entstandene schwierige Familiensituation zu erkennen und aufzuschlüsseln. Zudem müsse zuerst eine positive emotionale Basis geschaffen werden, damit die weiteren Schritte erfolgreich seien. Sodann seien familiäre Abläufe zu ändern und ein neuer Umgang mit dem betroffenen Kind einzuüben. Lauth konzentriert sich dabei im Gespräch mit den Eltern darauf, die besonders schwierigen Situationen zu erkennen und dafür neue Verhaltensweisen wie kurze und knappe Aufforderungen und gleichzeitig elterliche Begleitung – zum Beispiel beim Zubettgehen – einzuüben nach dem Motto «das erwünschte Verhalten unverzüglich herstellen». Damit können belastende Situationen und Auseinandersetzungen vermieden werden.  Hier brauchen besonders die Mütter eine spürbare Entlastung, die sich auch emotional auswirkt.

Beispiel: positive Spielzeit

Lauth empfiehlt dazu relativ kurze Zeiten, zum Beispiel 30 Minuten, in denen die Mutter sich mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit dem Kind zuwendet und zum Beispiel ein Spiel mit ihm macht. Dabei darf sich das von ADHS betroffene Kind das Spiel auswählen, das es mit der Mutter spielen will. Die Eltern werden sodann begleitet und die Erfahrungen ausgewertet. Gerhard Lauth hat dazu ein Elterntraining mit sieben Sitzungen entwickelt und das Buch «Kompetenztraining für Eltern mit sozial auffälligen Kindern» publiziert. Er gibt dazu ganz praktische Hinweise, wie einzelne Situationen bewältigt werden können, zum Beispiel «exakte Anweisungen geben – knapp, klar, einfach und verständlich». Gemäss dem Motto: «wenig sagen – viel erreichen».

Die ganze Familie profitiert

Lauth will damit insbesondere Müttern helfen, die sich ganz für die Erziehung der Kinder einsetzen und von den Verhaltensproblemen auch emotional stark betroffen sind. Es hilft ihnen zum Beispiel, wenn sie das kindliche Verhalten durch eingeübte Kommunikation und Abläufe steuern können. Umgekehrt hilft dies auch dem Kind und bringt ihm emotionale Entlastung. Es macht Erfolgserlebnisse und wird damit auch pflegeleichter. Die Stressreduktion wirkt sich dann auf die ganze Familie aus und verbessert das Familienklima.

Dazu bietet das Team von Lauth auch Auffrischungssitzungen an, bei denen auch die Väter einbezogen werden. Denn diese können, auch wenn die Mutter die Haupt-Erziehungsarbeit leistet, wesentlich zum Erfolg beitragen – und insbesondere die gestresste Mutter entlasten. Lauth spricht dabei auch von einer «fairen Aufgabenverteilung».

Zur Webseite:
Angebote von Gerhard W. Lauth

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