Kein christlicher Perfektionismus – 10 perfekte Gründe für Unvollkommenheit

In der Bergpredigt unterstreicht Jesus: «Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist!». Die meisten Christen schaffen es problemlos, diesen Vers für sich zu relativieren. Perfektionisten nicht. Sie leiden darunter.

In der Bergpredigt unterstreicht Jesus: «Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist!» (Matthäus, Kapitel 5, Vers 48). Die meisten Christen schaffen es problemlos, diesen Vers für sich zu relativieren. Perfektionisten nicht. Sie leiden darunter, denn sie geben sich wirklich viel Mühe. Scheinbar reicht das nicht, aber es gibt gute Nachrichten…

Das Streben nach Perfektion allein ist völlig in Ordnung. Wer für sich selbst hohe persönliche Standards setzt, erreicht in der Regel gute Ergebnisse. Problematisch wird das Ganze, wenn man eine übertriebene Angst vor Fehlern entwickelt. Dieser ungesunde Zustand zwischen Vermeidung und Vertuschung ist das, was Perfektionisten ausmacht. Die Autorin und Perfektionistin Rachel Morelandbeschreibt zehn Gründe, warum sich Unvollkommenheit lohnt.

1. Perfektionismus erstickt jede Freude. Er lässt sich gerade im christlichen Kontext gut «verkaufen», aber er wird stark überbewertet.

2. Wie sieht eigentlich ein perfektes Leben aus? So wie eine Seifenoper aus den 1950er-Jahren? So wie die geschönten Fotos auf Instagram? Oder wie irgendein anderes Klischee? Tatsache ist doch, dass es uns nicht erfüllt, wie ein Abziehbild solcher Scheinwirklichkeit herumzulaufen.

3. Wir sind alle unvollkommen und werden trotzdem vom vollkommenen Gott geliebt: «Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.» (Römer, Kapitel 5, Vers 8)

4. Fehler können uns voranbringen, aber sie bestimmen uns nicht. Sie machen uns nicht aus. Das gilt sogar für die Fehler, die wir mehr als einmal machen. Dass ein Versagen nie zweimal vorkommen sollte, ist ein unrealistischer, bedrückender Spruch, mehr nicht. Er gilt schon nicht mehr, wenn wir anfangen, ein Instrument zu lernen…

5. Perfektionismus hält uns davon ab, uns weiterzuentwickeln. Denn er ist mehr als ein gesundes Bemühen um Verbesserung. Wenn wir nur mit einem imaginären vollkommenen Endzustand zufrieden sind, verleugnen wir, dass Wachstum in Schritten geschieht. Natürlich können wir dann mit unserem jetzigen Stand nicht zufrieden sein.

6. Das Streben nach Perfektion hindert uns daran, im Hier und Jetzt zu leben, wenn die Dinge nicht ganz rund laufen. Die New-York-Times-Journalistin Shauna Niequist unterstreicht dies eindrücklich in ihrem Buch: «Einfach ich sein»(Originaltitel: Present over Perfect).

7. Perfektionismus schafft eine ungesunde Erwartungshaltung, wie unser Leben «eigentlich» laufen sollte. Vor lauter Anspruch an eine perfekte Partnerschaft, den vollkommenen Urlaub oder den hundertprozentigen Job können wir unser Leben verpassen. Nur weil dort auch schmutziges Geschirr, schreiende Kinder, verpasste Busse und unangenehme Gespräche dazugehören. Die Realität ist eben nicht immer insta-würdig.

8. Wir sind wunderbare und inspirierende Personen, weil wir unvollkommen sind, nicht trotzdem.

9. Wir müssen niemandem etwas beweisen. Es ist völlig überflüssig, anderen klarzumachen, warum wir scheinbar perfekt sind. Diese Maskerade kostet uns viel Kraft und lässt sich doch nicht aufrechterhalten. Jedenfalls nicht bei den Menschen, die uns nah und wichtig sind.

10. Die Bibel unterstreicht: «Vor allem aber habt innige Liebe untereinander; denn die Liebe wird eine Menge von Sünden zudecken» (1. Petrus, Kapitel 4, Vers 8). Hier ist nicht nur von kleinen Fehlern die Rede, sondern sogar von Schuld. Und die Bibel sagt deutlich, dass Liebe die Lösung dafür ist und nicht Perfektion.

Hier kommt die Gnade ins Spiel. Nicht als elfter Punkt, sondern als Basis des Ganzen. Wenn wir keine Perfektionisten sind, dann können wir die gesamte obige Liste einfach belächeln, als Perfektionisten fällt uns das nicht so leicht. Da kann es ein weiter Weg sein zu realisieren, dass wir so, wie wir sind, für Gott, unsere Mitmenschen und uns selbst genügen. Natürlich können und sollen wir wachsen und uns weiterentwickeln. Aber das ist nicht die Basis. Grundlage ist die Gnade Gottes, die sagt: Liebe deckt die Unvollkommenheiten zu.

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