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Carmen Jones

Den Tod vor Augen – «Wir haben alles verloren, nur nicht das Lob»

Die Sturmfluten, ausgelöst von Hurrikan Dorian, hatten ihr Haus überflutet. Carmen Jones schaffte es, die zwei Enkelkinder in die Dachluke hoch zu hiefen. Doch sie selbst hatte keine Kraft mehr. Würde sie hier und jetzt sterben müssen?

Die Sturmfluten, ausgelöst von Hurrikan Dorian, hatten ihr Haus überflutet. Carmen Jones schaffte es, die zwei Enkelkinder in die Dachluke hoch zu hiefen. Doch sie selbst hatte keine Kraft mehr. Würde sie hier und jetzt sterben müssen?Vor fast drei Monaten traf der Hurrikan Dorian auf die Bahamas. Der Wirbelsturm der Kategorie 5 verursachte Sturmfluten mit bis zu sieben Meter hohen Wellen. Über 60 Menschen starben, 13‘000 Häuser wurden zerstört, 70‘000 Menschen waren auf Hilfe angewiesen. Zu ihnen gehörte auch Carmen Jones – die 72 Stunden bis zu ihrer Rettung wird sie wohl nie vergessen.

Als die Wassermassen der Sturmflut in ihr Haus in Freeport, Grand Bahama strömten, betete sie um Hilfe. Sie war allein mit ihren zwei Enkeln, schwimmen konnte niemand von ihnen. Doch die ersehnte Hilfe kam nicht… Als ihnen das Wasser bis zum Hals stand, beschloss Carmen, mit der elfjährigen Jahnyah, die sie liebevoll «Nyah» nennt, und dem achtjährigen Jahiaer zur Dachbodenluke im Flur zu waten. Sich fortzubewegen war schwer für sie, während die beiden Enkel an ihr hingen. «Zweimal tauchte ich unter… beinahe wäre ich ertrunken, aber Gott sei Dank für Nyah. Nyah zog mich wieder hoch – ich weiss nicht, wie sie das geschafft hat…»

Kraftlos

Carmen stellte eine kleine Leiter an die Dachbodenluke und schob Jahiaer hoch, der kurz vor der Unterkühlung stand. Dann hob sie auch Nyah hoch. Doch sie selbst schaffte es nicht, sich aus eigener Kraft die Treppe hochzuhiefen. «Ich versuchte, hochzukommen, fiel aber wieder zurück ins Wasser.» Erneut kam sie aus dem Wasser hoch und flehte zu Gott, sie schaffe es nicht. «Mein Körper war schwach. Ich habe bereits diverse Schlaganfälle hinter mir und meine [rechte] Körperhälfte erstarrt automatisch, wenn ich so lange im Wasser bin.»

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Dachluke

Während des Gebets sah sie eine Matratze, die in Jahiaers Zimmer schwamm. Es gelang ihr, die Matratze unter die Dachbodenluke zu holen, während Nyah oben kauerte und ihre Grossmutter immer wieder fragte, ob sie nicht runterkommen und ihr helfen könne. Immer wieder rief sie: «Grammy, ich hab dich!»

Letzte Worte

Doch Carmen war sich mittlerweile sicher, dass sie nicht überleben würde. Immer wieder fiel sie zurück ins Wasser, auch von der Matratze aus. Deshalb sagte sie an die Kinder gewandt: «Es gibt keine Garantie, dass Grammy das schaffen wird. (…) Wenn Grammy diese Reise nicht mit euch überlebt, möchte ich, wenn der Regen und das Wasser wieder ablaufen, dass ihr aus der Dachbodenluke runterspringt und um euer Leben rennt!» Doch daran wollte ihre Enkeltochter gar nicht denken. «Grammy, du schaffst das!», rief Nyah.

«Es war Gott»

Dann betete Carmen: «Wenn es auf diese Weise geschehen soll, dann soll es so sein. Aber wenn meine Arbeit noch nicht vollendet ist, dann musst du mir den Weg hier raus zeigen. Vater, mein Körper hat nicht mehr die Kraft, weiter zu klettern…» Ihre Enkel riefen ihr nun zu, dass wenn sie sterben würde, beide rausklettern und mit ihr zusammen sterben wollten. Als Carmen es ein letztes Mal versuchte, über die Leiter in den Dachboden zu klettern, packte Nyah sie und zog sie hoch. Carmen war gerettet. «Ich weiss nicht, welche unsichtbaren Engel das waren. Ich weiss nur, dass es Gott war. Ich setzte mich hin und sagte: ‚Danke, Vater, meine Zeit ist noch nicht gekommen…‘»

Doch die Gefahr war noch nicht vorbei. Im Dachboden hatten sie nur vier kleine Wasserflaschen, kein Essen und auch kein Insulin für die Diabetikerin Carmen. Doch sie gab ihr Vertrauen auf Gott nicht auf, betete und sang mit ihren Enkeln. «Wir hatten alles verloren, aber wir verloren nicht unser Lob.» Drei Tage verbrachten sie dort oben, bis der Wirbelsturm abschwächte und die Wassermassen wieder abflossen.

Gottes Antwort 

Als Carmen nach der Katastrophe auf den Resten ihrer Wohnungseinrichtung sass – alles war zu Müll geworden – und Gott nach dem «Warum» fragte, brachte er ihr mit einem Mal einen Gedanken. Sie erinnerte sich, wie sie für Nyahs Leben kämpfte, bevor sie geboren wurde. Nyahs Mutter wollte das Ungeborene abtreiben. Durch Carmens Einsatz blieb sie am Leben. Und so hörte Carmen, wie Gott ihr sagte: «Du hast Nyah gerettet und ich habe ihr erlaubt, dich zu retten.»

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