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Jackie Pullinger

Jackie Pullinger – «Wir fühlen uns ewig dumm, wenn wir das Leben verschwenden»

Vor 40 Jahren geschrieben, ist die Biografie («Chasing the Dragon» / «Licht im Vorhof der Hölle») von Jackie Pullinger (76) nach wie vor ein Bestseller. Mit 10 Pfund bestieg sie ein Schiff, ohne zu wissen, wohin Gott sie führen würde...

Vor 40 Jahren geschrieben, ist die Biografie («Chasing the Dragon» / «Licht im Vorhof der Hölle») von Jackie Pullinger (76) nach wie vor ein Bestseller. Mit 10 Pfund bestieg sie ein Schiff, ohne zu wissen, wohin Gott sie führen würde...Als mutige junge Frau aus Croydon mit nichts als einem 10-Pfund-Schein und dem Gebet, dass Gott ihr zeigen möge, wo sie aussteigen soll, bestieg Jackie Pullinger einst ein Schiff. Als dieses 1966 in Hongkong einlief, spürte sie, wie Gott ihr zeigte, dass sie hier von Bord gehen soll.

Die junge Missionarin landete in Kowloon Walled City – umgangssprachlich auch «Stadt der Dunkelheit» genannt, ein gesetzloser, von Triaden kontrollierter Ort voller Opiumhöhlen, Porno-Kinos und Prostitution.

An diesem Ort der Finsternis begann Pullinger ihre Arbeit. Sie begann, mit Heroinkonsumenten zu beten, manche begannen plötzlich mit Zungengebet und sie wurden auf wundersame Weise von ihrer Sucht befreit. Verbrecherbosse übergaben ihr Leben Jesus. Prostituierte schafften den Ausstieg.

Überschäumende Liebe

In den folgenden Jahrzehnten änderte sich vieles. Die Kowloon Walled City wurde in den frühen 1990er-Jahren abgerissen und durch einen riesigen Park ersetzt. Doch Pullingers Arbeit unter den Ärmsten Hongkongs wird bis heute durch die von ihr gegründete Organisation, die «St. Stephen's Society», fortgesetzt.

Ihre Botschaft sei immer dieselbe, erklärte Jackie Pullinger in einem ihrer seltenen Interviews. «Es geht darum, wie wir uns der Liebe Gottes sicher genug werden, so dass wir hinausgehen und sie mit den Verlorenen teilen können.» So habe sie dies erlebt: «Nachdem ich seine Liebe gekostet hatte, wollte ich sie nur noch teilen, bis zu meinem Tod.»

«Weil sie glücklich aussahen…»

Aufgewachsen war sie eher als «Taufschein-Christin»: «Wir gingen zu Ostern und Weihnachten in die Kirche. Also, ja, wir dachten alle, wir seien Christen, weil wir in England geboren wurden.» Doch eigentlich habe sie «keine Menschen getroffen, die so aussahen, als ob sie Gott mögen, bis ich Musikstudentin in London wurde».

Dort traf sie gegen Ende der Ausbildung einige Studenten, die sie zu Bibelstunden einluden. «Ich hörte ihnen zu, weil die Leute tatsächlich glücklich aussahen. Ich hatte vorher noch nie jemanden getroffen, der glücklich aussah, weil er Gott kannte, und das machte, glaube ich, den Unterschied aus.»

Sie entschied sich deshalb, «dass entweder Jesus verrückt war oder sich irrte, oder dass er wirklich der war, für den er sich ausgab: der einzige Weg zum Vater. Also betete ich zu ihm. Und mein Leben hat sich wirklich verändert.»

Das Abenteuer dauert an

Als sie damals mit dem Schiff in Richtung Hongkong fuhr, sei dies nicht schwer gewesen, «denn das war der Weg, den Gott für mich vorbereitet hatte. Es hat sogar Spass gemacht. Zum Glück wusste ich nicht allzu viel darüber, wie andere Christen arbeiten. Ich hatte also keine Vorurteile. Ich dachte einfach, dies sei ein Abenteuer, und ich würde dorthin gehen, wohin Gott mich führt und von Jesus erzählen. Und das ist wirklich das Abenteuer, auf dem ich mich immer noch befinde.»

Als sie dort ankam, waren alle möglichen illegalen Gebäude in die Höhe gezogen worden, nach Baugenehmigungen wurde nicht gefragt. «Es war wie bei Kartenhäusern; man baute eins auf das andere, also ging es nach oben. Und es gab teilweise keine Elektrizität und mehr Ratten als Menschen.»

Es gab auch illegale Zahnärzte, Drogenhändler in Opium- und Heroinhöhlen, wo sie Mädchen verkauften, sowie Spielhöllen; alles illegal. Und dann gab es die Triaden, die Geheimbünde, die von Kriminalität und Prostitution, von Schutz und Erpressung lebten.

«Sonst hätte ich zu viel gesagt»

Chinesisch lernte sie er erst etwas später, «sonst hätte ich zu viel gesagt. Ich dachte, das Predigen des Evangeliums bedeute zu erklären, wie Jesus für ihre Sünden gestorben ist, und das ist natürlich überhaupt nicht das Predigen des Evangeliums.»

Das sei nicht unbedingt eine gute Nachricht für jemanden, der die Liebe nicht kennt und ihrer Logik nicht folgt. «Die Menschen dort hörten nicht zu, sondern schauten, wie man sich verhielt, ob ich sie wirklich liebte. Und wenn ich sie wirklich liebte, dann würde Gott sie vielleicht auch wirklich lieben.» Die erste Person, die durch Jackie zum Glauben fand, war jemand, der kurz davor war, sich den Triaden anzuschliessen.

Noch immer wird ihr Buch «Chasing the Dragon» gern gelesen, weitere Bücher wolle sie aber nicht mehr schreiben. «Die Menschen werden sonst den Nervenkitzel durch das bekommen, was durch mich geschehen ist, anstatt den Nervenkitzel durch das, was Gott durch sie tun will.»

«Blöd vorkommen, wenn wir Leben verschwenden»

Und ein weiterer Grund: «Ich arbeite immer noch mit verlorenen Menschen. Ich habe nicht so viel Zeit, um loszugehen und ein Buch zu schreiben. Es ist ein sehr kurzes Leben. Und das ewige Leben ist für immer. Wir werden uns ewig blöd vorkommen, wenn wir dieses Leben verschwenden.»

Auch ihr 1999 verstorbener Mann John To wuchs in dieser Stadt auf mit fünf Schwestern und einer Mutter, die sie kaum ernähren konnte. «Er war sehr arm. Als er das erste Mal zu uns kam – als Drogenabhängiger –, fand er Jesus. Er kam immer wieder und durch das Gebet konnte er seine Drogensucht beenden. Dann wurde er im Meer getauft und seine Mutter ebenso.»

Pensionspläne und Nachfolgeregelung gebe es keine. Was mit «St. Stephen's» geschieht, sei noch unklar. «Sie können tun, was sie wollen, solange es das ist, wofür sie Leidenschaft verspüren und was der Herr ihnen befohlen hat. Sie müssen meine Arbeit nicht weiterführen.»

Ihr Vermächtnis und ihr Wunsch sei Folgendes: «Mich interessiert nur, dass es Menschen gibt, die zu Fuss von Dorf zu Dorf gehen, ihr Brot teilen, für die Kranken beten, eine Seite der Bibel oder ein Lied hinterlassen und zum nächsten Dorf weitergehen.»

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