Suppe, Seife, Seelenheil – William Booth – ein Mann, der es einfach getan hat …

Dieser Tage hätte William Booth seinen 188. Geburtstag gefeiert. Archaisch wirkt er auf vielen Portraits mit seinem mächtigen Bart. Doch in seinem Einsatz für ihr Seelenheil sowie für soziale Belange ist der Gründer der Heilsarmee noch immer aktuell.

Dieser Tage hätte William Booth seinen 188. Geburtstag gefeiert. Archaisch wirkt er auf vielen Portraits mit seinem mächtigen Bart. Doch in seiner ganzheitlichen Sicht der Menschen, seinem Einsatz für ihr Seelenheil sowie für soziale Belange ist der Gründer der Heilsarmee noch immer hochaktuell.

Zur Zeit der Frühindustrialisierung lebte Booth im Londoner East End. Der Methodistenprediger war erschüttert über das Elend, das ihm dort begegnete. Armut, Hunger, Prostitution, Kriminalität und viele andere Schwierigkeiten beherrschten die Arbeiterklasse im 19. Jahrhundert. Die Probleme schienen übermächtig. Und sie verhinderten gleichzeitig, dass er die Menschen mit dem Evangelium erreichen konnte. So löste er sich von der Methodistenkirche. Er nahm die Herausforderung an, den Menschen am unteren Ende der Gesellschaft Christus vorzustellen – nachdem er ihnen in ihren Nöten beigestanden hatte. «Suppe, Seife, Seelenheil» wurde bald zum Slogan der jungen Bewegung.

Den Armen ein Armer

William Booth wurde am 10. April 1829 in Nottingham als Sohn eines Bauunternehmers geboren. Er wuchs selbst in ärmlichen Verhältnissen auf, arbeitete zunächst als Kaufmann und wurde später Methodistenprediger. Er heiratete Catherine Mumford, die – damals sehr ungewöhnlich – einen gleichberechtigten Anteil an seinem geistlichen Dienst hatte. Die beiden bekamen sieben Kinder. Als Booth begann, sich für die Ärmsten einzusetzen, war es für ihn selbstverständlich, keinen Alkohol mehr zu trinken. Er wollte den Alkoholikern besser beistehen können. Als Ausdruck der Disziplin und weil er dem Elend den Krieg erklärt hatte, organisierte er die Heilsarmee nach militärischem Vorbild – seine Frau und er wurden die ersten Generäle.

Angegriffen, aber glaubwürdig

In den ersten Jahren erfuhr die Heilsarmee grossen Widerstand. Die Presse konnte es kaum nachvollziehen, dass William und Catherine Booth sich wirklich für die Ärmsten einsetzten, ohne sich selbst zu bereichern. Die Alkoholindustrie verunglimpfte sie und schickte Schlägertrupps zu den Veranstaltungen der Heilsarmee. Etliche ihrer «Soldatinnen und Soldaten» wurden dabei verletzt, einige starben sogar.

Besonders bitter war die Ablehnung der Heilsarmee durch die britische Kirche. Als Kirche des Mittelstandes bzw. der Oberschicht fehlte ihr die Sicht für eine Arbeit unter den Armen. Auch störten sich viele Verantwortliche an der Einstellung der Heilsarmee zur Gleichberechtigung. Trotz dieses schwierigen Starts wuchs die Bewegung schnell an. Sie breitete sich auch in den USA aus, in der Schweiz und in Deutschland. Und ihre Zielgruppen – alleinerziehende Mütter, Obdachlose, Arme, Arbeiter – fanden und finden sie bis heute noch höchst glaubwürdig. «Wir kümmern uns», so überschreibt die Heilsarmee heute ihre Arbeit.

Erfülltes Leben trotz unerfüllter Aufgabe

Seit der Zeit von William Booth ist die Not der Menschen nicht geringer geworden. Immer noch gibt es zu viele, die am Rande der Gesellschaft stehen, die sich abgelehnt fühlen. Die Aufgabe der Heilsarmee und jedes Christen ist nicht kleiner geworden. William Booth sah sich nie als besonderen Menschen. Für ihn war es nur selbstverständlich zu gehen, wohin Gott ihn sandte, um seine Liebe mit Worten und Taten weiterzugeben. Kurz vor seinem Tod stellte er kämpferisch fest: «Solange Frauen weinen, wie sie es jetzt tun – will ich kämpfen; solange Kinder Hunger leiden müssen, wie sie es jetzt tun – will ich kämpfen; solange Menschen ins Gefängnis müssen, rein und raus, rein und raus – will ich kämpfen; solange es Mädchen gibt, die auf der Strasse unter die Räder geraten, solange es eine Seele gibt, in der das Licht Gottes noch nicht scheint – will ich kämpfen. Ich kämpfe bis zum letzten Atemzug!»

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