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Einkaufspassage in Bangui

«Kind ist unschuldig» – Wie Chantal ihrem Vergewaltiger vergab

Die Zentralafrikanische Republik (ZAR) ist noch nicht völlig zur Ruhe gekommen. Doch in den Wirren der vergangenen Jahre ist die christliche Kirche stärker geworden. Sie will nun mithelfen, eine bessere ZAR zu schaffen.

Die Zentralafrikanische Republik (ZAR) ist noch nicht völlig zur Ruhe gekommen. Doch in den Wirren der vergangenen Jahre ist die christliche Kirche stärker geworden. Sie will nun mithelfen, eine bessere ZAR zu schaffen. Zu jenen, die daran wirken, gehören Menschen, denen alles geraubt wurde, die aber in ihren schwersten Stunden auf Gott vertrauten – so auch Chantal.

Seit mehr als hundert Tagen ist Faustin Archange Touadéra nun im Amt. Doch die lange ersehnte Stabilität ist am Horizont erst schemenhaft erkennbar. Der westliche und südliche Teil gelten als frei, während im nördlichen und östlichen Teil noch die frühere Seleka an der Macht steht. Dennoch sieht Arne Mulders Hoffnung für das Land. «Gott kann offensichtlich in einer Krise grosse Dinge tun», erklärte der Rechercheur für das sub-saharische Afrika auf einer Tagung von Open Doors in Wettingen (AG).

Mittlerweile wird an vielen Orten im Land der Wiederaufbau betrieben, «durch die instabile Lage wurde bislang noch keine Kirche wieder aufgebaut.»

Trauma-Arbeit

Neben Nahrungsmittelhilfe und dem Beistand beim Wiederaufbau sei die Arbeit unter Traumatisierten besonders wichtig. Vergewaltigungen an Christinnen wurden dazu genutzt, den Willen der Bevölkerung zu brechen. «Denn wenn es den Menschen nicht gelingt, die Frauen zu beschützen, reisst dies ihnen das Herz aus», erklärt Arne Mulders.

«Betroffene Frauen denken, dass sie nicht mehr lebenswürdig sind und dass ihr Wert geringer ist als jener von Tieren.» In einer Schulung wird ihnen vermittelt, dass wenn Gott sie liebt, sie am Leben bleiben sollten. «Das mag einfach klingen, doch es ist ein langer Prozess.» Ausserdem lernen sie, wie sie sich verhalten können, wenn Depressionen kommen.

Chantal vergibt

Die 18-jährige Chantal brachte ein Kind zur Welt, das bei einer Vergewaltigung gezeugt wurde und ernstlich erkrankt war. Es sieht halb-sudanesisch aus. «Sie wurde gefragt, warum sie es behält und nicht abgetrieben hat oder im Wald aussetzt, wie es andere in der gleichen Situation getan haben», erinnert sich Arne Mulders.

Sie antwortete, dass es nicht die Schuld des Kindes sei, dass es zur Welt gekommen ist. Arne Mulders berichtet: «Und in der Bibel steht, dass Kinder ein Erbe Gottes sind und sein Lohn. Das half ihr dabei, zu vergeben und sich nicht als Opfer zu sehen. Sie sagte: 'Als ich vergewaltigt wurde, war Gott mit mir. Er sah alles, was geschah. Er hat es aus einem Grund zugelassen.'» Unter anderem stützte sie sich auf die Bibel, Psalm 127, Vers 3, wo steht: «Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.»

«Ein Jahr später haben wir Chantal wieder getroffen. Das Kind war inzwischen gesund und mit einem offenen Herzen hilft sie anderen Frauen, die ebenfalls traumatisiert sind.»

Weitere Frauen haben ähnliches durchlebt und stehen heute anderen bei, die noch unter einem Trauma leiden. So etwa Vivian, die bei ihrer Vergewaltigung mit HIV infiziert wurde. Sie wurde aus ihrem Umfeld ausgeschlossen, in ihr entwickelte sich Hass und Bitterkeit. Dies konnte sie dank der Trauma-Arbeit im Laufe der Zeit überwinden. Heute setzt sie sich für andere Frauen ein.

Gemeinde steht aus Tumult auf

Vor kurzem trafen sich 500 Pastoren aus dem ganzen Land. Auf der Konferenz stellten sie klar, dass Gott die christlichen Gemeinden auffordert, den Wiederaufbau ihrer Nation anhand des Evangeliums zu fördern.

«Vor der Krise war die Kirche schwach.» Von den offiziell 77 Prozent Christen im Land seien viele nominelle Christen gewesen. Dies sei ersichtlich gewesen an jenen Banden, die in den Krieg eingestiegen waren. «Sie trugen Amulette um den Hals, unter anderem solche, die sie vor Kugeln schützen sollte.» Ihr Glaube gingen auf mystische Religionen und Kulte zurück.

«Doch mitten im Tumult ist die christliche Gemeinde aufgestanden und hat begonnen, sich um die Menschen zu kümmern. Einer der Pastoren sagte: 'Die Gesellschaft stünde ohne die Kirche nicht da, wo sie jetzt ist.' Der Ruf auf dieser Pastorenkonferenz war klar: Es soll eine Christenheit sein, die nicht auf Regierungsgeld baut oder die durch Korruption stark ist, sondern eine Kirche, die durch die Kraft Gottes steht.»

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