Weihnachten und Vergebung – «Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern…»

Heiligabend wird für Britin Maureen Greaves immer ein besonderer Tag sein: Besonders traurig, weil an dem Tag ihr Mann ermordet wurde, aber auch besonders schön, weil es sie daran erinnert, dass Jesus in die Welt kam, um ihr zu vergeben.

Heiligabend wird für Britin Maureen Greaves immer ein besonderer Tag sein: Besonders traurig, weil an dem Tag ihr Mann ermordet wurde, aber auch besonders schön, weil es sie daran erinnert, dass Jesus in die Welt kam, um ihr zu vergeben – wie auch sie den Mördern ihres Mannes vergeben hat.

Es geschah vor vier Jahren, am Heiligabend 2012. Alan Greaves, 68-jährig, befand sich auf dem Weg zur Mitternachts-Mette, an welcher er Orgel spielen sollte. Dabei wurde er von zwei jungen Männern aus der Nachbarschaft, Jonathan Bowling und Ashley Foster, willkürlich mit einer Axt überfallen und niedergeschlagen – drei Tage später erlag er im Krankenhaus den schweren Verletzungen. Die beiden damals 22-jährigen Männer, von denen einer sogar in derselben Strasse wohnte wie Greaves, wurden ein halbes Jahr später zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt.

«Das ehrt Gott nicht!»

Die Witwe des Organisten sagt heute, dass sie den beiden Männern vergeben hat. Dabei war sie eigentlich eine Person, der es schwer fiel, anderen zu verzeihen. Doch das änderte sich, als sie Christ wurde – und ihren späteren Mann kennenlernte. «Er sagte zu mir: 'Maureen, wir dürfen uns selbst nicht erlauben, uns so zu verhalten. Das ehrt Gott nicht!'» Nach und nach verstand sie, was es bedeutet, Vergebung von Gott zu erfahren. «Wenn du Christ bist und dein Leben mit Gott lebst, spürst du dieses Wunder, was es bedeutet, dass Gott uns unsere Sünden vergibt», erklärte die Laienpredigerin vor wenigen Tagen in einem Interview mit BBC Radio. «Natürlich habe ich niemanden getötet, aber ich habe im Leben auch Falsches getan. Und eines der wunderbaren Dinge des Christentums ist, dass du einen Gott hast, der dir wirklich vergibt!»

Vergeben, wie der Vater vergibt

Als Maureen am 1. Weihnachtstag dann statt unter dem Weihnachtsbaum am Krankenbett im Spital stand, musste sie wieder an die Worte ihres Mannes denken. «Hätte ich an dem Weihnachtsmorgen den Gottesdienst gehalten, so hätte ich das 'Vater unser' gesprochen: 'Vater, vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.' Als ich Alans Hand hielt und wusste, dass ich nie wieder mit ihm sprechen könnte, sagte ich zu Gott: 'Bitte, gib mir die Gnade, den Menschen, die Alan ermordet haben, voll und ganz zu vergeben!' … Durch Gottes Vergebung und sein Erbarmen war es mir möglich, Ashley und Jonathan wirklich zu vergeben.»

Wenn Weihnachten Realität wird

An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu, der Versöhnung und Frieden in die Welt brachte. Das ist für uns einfach zu sagen, aber jemand, dem an Weihnachten auf so brutale Weise der Partner entrissen wurde? Doch, auch für Maureen Greaves und ihre Familie kam Jesus, oder gerade für sie, um ihnen wieder Frieden und Versöhnung zu schenken, um ihnen zu helfen, den Mördern zu vergeben, um ein Beispiel für andere zu sein. Denn dass Maureen heute von Frieden erfüllt auf der Strasse gehen kann, auf der ihr Mann ermordet wurde, ist keine Selbstverständlichkeit. «Wenn ich am Geländer entlangkomme, an dem er starb, bete ich immer für Jonathan, Ashley und ihre Familien. Und wenn ich jemanden von ihren Familien treffe, ist es jetzt recht einfach, sie willkommen zu heissen oder ihnen Liebe zu zeigen.»

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