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Marlene Shahwan

Deutsche heiratet Palästinenser – Wenn Gott den Pinsel schwingt

Marlene Shahwan lebt mit ihrer Familie nahe Bethlehem. Als Frau eines Palästinensers erlebt die Deutsche Israel nicht nur von einer angenehmen Seite. Sie weiss sich jedoch von Gott hierher berufen und leitet mit ihrem Mann das Gästehaus Beit al Liqa.

«Und was machst du, wenn er wieder in seine Heimat zurückwill?», warnt Marlenes Vater seine Tochter. Sie hat sich in einen Palästinenser verliebt, der in Deutschland Theologie studiert. Er stammt aus einer griechisch-orthodoxen Familie nahe Bethlehem und ist bereits gut integriert in ihrem Land. Daher rechnet Marlene nicht damit, dass er wieder wegwill. Die beiden heiraten und werden Eltern.

Doch dann spüren beide, dass ihr Platz in Israel ist. Mit vier Kindern im Alter zwischen vier Monaten und vier Jahren wandern sie 1992 aus. Und Marlene taucht ein in die arabische Kultur, lebt mit Grossfamilie, wohnt direkt neben der Moschee. Die Stimme des Muezzins bläst ihre Kinder beinahe vom Sofa, wenn der Gebetsruf ertönt. Und Schiessereien jagen sie während der Intifada alle ins Untergeschoss, wo die ganze Sippe auf dem Boden zusammenkauert und betet, dass ihr Haus nicht getroffen wird. Jedes Mal, wenn Palästinenser mit ihren Schnellfeuerwaffen schiessen, antworten israelische Soldaten mit Raketen…

«Ich dachte, ich wäre Christ…»

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Cover von «Wenn Gott den Pinsel schwingt»

«Warum bist du zurückgekommen?», fragen die Dorfbewohner von Beit Jala. Jonny erklärt ihnen, dass er Jesus persönlich kennengelernt hat. «Ich dachte, ich wäre Christ. Doch er hat mich wirklich neu gemacht, mein Denken und Handeln verändert. Früher war ich sehr egoistisch, heute sehe ich meine Verantwortung für andere Menschen.» Er ermutigt seine Nachbarn: «Jesus schenkt uns eine Hoffnung, die nicht enttäuscht.» Jonny lädt ein, mit ihm die Bibel zu studieren. Immer wieder bringt er Leute mit, das offene Haus der Familie wird zum Treffpunkt für viele.

Für Marlene dreht sich das Leben vor allem um die Kinder und darum, Gastfreundschaft zu pflegen. Zu mehr kommt die vierfache Mutter nicht. Und Arabisch zu lernen ist auch kein Zuckerschlecken. Ihre Schwiegermutter kennt gerade mal drei Wörter in Englisch: Essen, waschen, schlafen – das reicht, um die Kinder zu versorgen, aber nicht für ein Gespräch. Marlene will sich verständigen können. Also übt sie ausdauernd die schnörkelige Schrift und versucht sich an den ungewohnten Lauten.

Beit al Liqa – Haus der Begegnung

beitliqa.org
Marlene mit ihrem Mann

Marlene muss immer wieder ihr Visum verlängern lassen. Für die Israelis ist sie einfach die Frau eines Palästinensers – so erlebt auch sie die Schikanen, denen ihre Sippe ausgesetzt ist. Sie wird an Strassen aufgehalten, muss die Ausgangssperre einhalten, bangt um ihre Kinder, wenn eine Schiesserei beginnt. Einmal schaut sie zu, wie die Heckscheibe ihres Autos von einem Soldaten zertrümmert wird. Einfach so. Dennoch will das Ehepaar seinen Mitmenschen Gutes tun, sie Gottes Liebe erleben lassen.

Sie bauen mitten in der zweiten Intifada ein Haus der Begegnung, Beit al Liqa. Arbeitslose Familienväter bekommen so einen Job, der Widerstand gegen ihre evangelistische Arbeit nimmt langsam ab. Der wunderschöne Garten wird für viele Familien zu einer Oase der Erholung, er steht allen offen. Für Kinder werden Camps angeboten, während denen sie biblische Geschichten hören, spielen, basteln, singen. Dass sie das Grundstück kaufen und trotz politischer Unruhen bauen können, ist ein Wunder für das Paar und seine Unterstützer. Als sie die Räume mit Bildern verschönern möchten, erinnert sich Marlene an ihre alte Leidenschaft.

Malen – meine Leidenschaft

«Ich habe schon immer gern gemalt», erzählt sie. «Doch als mir im Teenageralter klar wurde, dass ich für ein Kunststudium ein Abitur brauche, hatte ich gerade mal die mittlere Reife abgeschlossen…» Ohne Begeisterung wurde die damals16-Jährige Zahnarztassistentin. Aber mit dem verdienten Geld machte sie später ein Fernstudium. Mutig bemalte sie ihren alten VW-Käfer mit einer Landschaft und erregte damit prompt die Aufmerksamkeit einer Journalistin. Freundlich lächelte sie aus dem Fenster, als das Foto in der Zeitung erscheint.

2009 kommt ihr der Einsatz von damals zugute. Sie malt nun Bilder ihrer neuen Heimat, Landschaften, Bäume, die Aussicht vom Ölberg auf Jerusalem. Einige davon schmücken Beit al Liqa, andere verkauft sie und finanziert so ihren Lebensunterhalt mit.

Tiefes Tal

Das Ehepaar Shawan erlebt hier die schönste und die schlimmste Zeit seines Lebens. Jonny wird unter falscher Anklage verhaftet. 40 Tage verbringt er im Gefängnis, leidet unsäglich. Seine Verurteilung steht noch aus, alle paar Monate gibt es wieder eine Gerichtsverhandlung. «Ich habe viel in der Bibel gelesen und an Josef gedacht, der auch unschuldig im Gefängnis sass», berichtet Marlene. «Gott war bei mir, auch wenn ich ihn manchmal nicht gespürt habe.» Es hat lange gebraucht, bis das Paar den Menschen vergeben konnte, die ihm so viel Leid angetan haben. Doch es bleibt dabei: «Unser Gott ist treu. Er geht mit uns durch die tiefsten Tiefen und richtet uns wieder auf.»

Gott, der Meistermaler

Für Marlene ist Gott der grosse Meistermaler. «Er hat Jonny und mich aus zwei verschiedenen Welten zusammengeführt, aus unserem Leben in jahrelanger Kleinarbeit ein wunderbares Kunstwerk geschaffen.» Selbst die dunklen Stellen habe er genutzt, um Gutes daraus entstehen zu lasen. «Sie erinnern mich daran, dass mein Wert auf seiner grossen Gnade beruht und nicht auf meiner Leistung», hält sie fest.

Beit al Liqa wurde zu einer christlichen Oase im Westjordanland. Unzählige Menschen aus der ganzen Welt und aus der Nachbarschaft spüren hier Gottes Gegenwart und werden erfrischt. Darüber sind Jonny, Marlene und ihre Kinder zutiefst dankbar. In ihrer spannenden Biografie berichtet sie über ihr turbulentes Leben zwischen Deutschland und dem Heiligen Land, in dem Gott sie geführt und geprägt hat. Das Buch fesselt den Leser ab der ersten Zeile!

Zum Buch:
«Wenn Gott den Pinsel schwingt»

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