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Kolumbianischer Mann (Symbolbild)

Vom Kinder-Soldat zum Pastor – Weder Krieg, noch Kommunismus, noch der Tod trennen ihn von Gottes Liebe

Von klein auf war Rubén ein wilder, entschlossener Kämpfer, der schnell den Umgang mit Waffen, Krieg und Tod erlernte. Niemals hätte er gedacht, dass er Jahre später als Pastor arbeiten und bewaffneten Menschen von Jesus erzählen würde.

Von klein auf war Rubén ein wilder, entschlossener Kämpfer, der schnell den Umgang mit Waffen, Krieg und Tod erlernte. Niemals hätte er gedacht, dass er Jahre später als Pastor arbeiten und bewaffneten Menschen von Jesus erzählen würde.

Wie viele arme Kinder im ländlichen Kolumbien kommt Rubén aus einer zerrütteten Familie: körperlicher und emotionaler Missbrauch, Armut und Hunger gehören zu seinem Alltag. Schöne Momente gibt es nur wenige, nämlich wenn sein Grossvater ihn mit zur Kirche nimmt. Hier hört er von Jesus und der Bibel. Um dem rauen Alltag zu entfliehen, geht er zur Guerilla. «Man geht zu den Guerillas, weil sie die scheinbar die einzige Alternative sind», erklärt Rubén im Rückblick. «Man will Respekt von den Menschen und so wird man schnell durch Waffen, Uniformen und Kameradschaft getäuscht. Und diese Täuschung bemerkt man erst, wenn es schon zu spät ist.»

Spion unter Pastoren

Mit nur sieben Jahren wird Rubén wie ein erwachsener Soldat trainiert. Lange Märsche durch den Dschungel, ganze Tage ohne Essen und ständig unter Druck. Das raue Training und der Hass im Herzen machen Rubén zu einem gewaltbereiten Kind. Mit zehn Jahren ist der Junge für seine Aggression bekannt – und beliebt. Er wird zum Kommandanten über eine Gruppe von 80 bewaffneten Männern. Zwei Jahre später wird er zum Spion erwählt. Er soll in einer nahegelegenen Stadt Informationen über Militäreinsätze suchen. Er findet hierzu Arbeit auf einem Bauernhof, wo sich regelmässig Pastoren treffen und gemeinsam singen und beten. Sie sind sehr freundlich zu ihm. «Das erstaunte mich. Es zeigte mir, dass nicht alle Menschen schlecht waren und dass die Guerilla-Kämpfer nicht immer ein korrektes Bild der Menschen hatten.» Rubén beginnt, die Gottesdienste dieser Männer zu besuchen. Er will mehr über den Gott erfahren, der sich um die Armen kümmert, und lernt einen Bibelvers aus Psalm 41, Vers 2 auswendig: «Glücklich zu preisen ist, wer anderen Menschen in Not zur Seite steht! Geht es ihm dann selbst einmal schlecht, wird der Herr seine Hilfe sein.»

Von Gott gerettet

Dann findet die Entführung eines reichen Mannes statt. Mit einem Mal sind sie vom Militär umgeben. Die Gruppe kann nicht fliehen. Einer nach dem anderen wird von den Militärs erschossen. «Ich war der letzte in der Reihe und verstand nicht, was da geschah, aber ich wusste, dass ich sterben würde.» Mit einem Mal denkt er an den Bibelvers, den er auswendig gelernt hat, und übergibt sein Schicksal in die Hand dieses Gottes. Plötzlich fallen Schüsse – eine Gruppe von Guerillas greift an und Rubén kann fliehen.

Der 12-Jährige weiss, dass nicht seine Kameraden ihn gerettet haben, sondern Gott. Verwundet, voller Blut und Dreck, mit Tränen in den Augen weiss er mit einem Mal, dass Gott ihn liebt und akzeptiert. «Ich hatte nie zuvor so etwas gespürt. Meine Kameraden sagten mir, dass ich vom 'Geist der Revolution' gerettet wurde, aber ich wusste, dass Gott mich gerettet hatte, weil er mich liebt und etwas anderes für mich will.» In dem Moment verändert sich sein Leben. Die Ideale der Revolution, der Hass gegenüber den Reichen, der Waffengebrauch und die Gewalt – alles erscheint mit einem Mal leer und bedeutungslos. An dem Tag nimmt er Jesus in sein Leben auf.

Rubén beginnt, sich regelmässig mit anderen Christen zu treffen. Und er gibt das Guerillas-Leben auf – doch damit beginnt die Verfolgung! «Sie konnten nicht akzeptieren, dass jemand, den sie von klein auf trainiert hatten, sie verlassen würde. Ausserdem hatte ich viele Informationen über sie – und so konnten sie mich nicht einfach so gehen lassen. Von dem Tag meiner Bekehrung an wollten sie mich töten!» Mit nur 15 Jahren wird der Junge zum Pastor. Er predigt über Frieden und Versöhnung und seine Gottesdienste werden von den unterschiedlichsten Menschen besucht, auch von Guerillas in zivil.

Von der Vergangenheit eingeholt

Doch eines Tages kommen andere Männer – paramilitärische Einheiten. «Sie waren mir schon lange Zeit gefolgt. Sie kannten meine Vergangenheit als kommunistischer Guerilla. Und deshalb suchten sie nach mir. Sie dachten, dass ich die Revolution weiterführte. Deshalb wollten sie mich und meine Familienmitglieder töten. Ich wusste, dass ich sofort flüchten musste.» In einem weit entfernten Dorf wird er mit Hilfe vieler Menschen erneut Pastor.

Doch dann holt ihn seine Vergangenheit ein. Er wird vom kolumbianischen Justizsystem vorgeladen – wegen illegalem Waffenbesitz als Junge und Teenager. Doch er flieht nicht. «Ich wusste, dass ich in Gottes Hand war. Wenn Gott wollte, dass ich ins Gefängnis ging für die Zeit, in der ich gegen das Gesetz verstossen hatte, dann würde ich das tun.» Doch da die Vergehen schon so lange her sind, bekommt er keine Freiheitsstrafe. Ihm wird lediglich verboten, drei Jahre lang öffentliche Arbeit zu verrichten – auch als Pastor.

Er bleibt, trotz Morddrohungen

Mittlerweile sind die drei Jahre vorbei und Pastor Rubén ist in seine Heimatstadt zurückgekehrt, um erneut die Kirche aufzubauen. Immer mehr junge Guerilla-Kämpfer kommen in die Gottesdienste, weil sie Tüten mit christlicher Literatur gefunden haben – Tüten, die Pastor Rubén am Strassenrand für die Guerilla hinterlässt. «Ich kenne die Routen der Guerilla und hinterlasse oft solche Bücher am Rand der Strasse. Ich will, dass sie Gottes Liebe zu ihnen kennenlernen und ich hoffe, dass sie Gott suchen und wahres Leben finden.»

Immer mehr Guerilla-Kämpfer verlassen die Gruppen, weil sie Christen werden; und es wird immer schwerer, neue Kämpfer zu rekrutieren, weil die Arbeit von Pastor Rubén so grosse Auswirkungen hat. Das ist den Guerillas ein Dorn im Auge. Derzeit bestehen vier Morddrohungen gegenüber dem Pastor und seiner Familie. Viele fordern ihn auf, zu fliehen. Doch Pastor Rubén bleibt. «Obwohl ich Angst hatte, hat Gott mir gezeigt, wie mächtig er meine Familie beschützt. Das reicht mir aus, um seine Arbeit weiter zu führen. Ich werde die Gegend nicht verlassen, denn sie muss noch so viel mehr über Gott erfahren…»

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