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Am 11. September 2001 flog eines der entführten Flugzeuge ins Pentagon.

Er überlebte 9/11 – «Was tust du mit dem Rest deines Lebens?»

Einst war Tom Joyce Elite-Kampfpilot. Später sass er im Pentagon, in das am 11. September 2001 eine Boeing 757 gelenkt worden war. «Was tust du nun mit dem Rest deines Lebens?», fragte ihn sein Sohn noch am gleichen Tag. Heute ist Tom Pastor.

Einst war Tom Joyce Elite-Kampfpilot: ein «Top Gun». Manche der Manöver im gleichnamigen Film wurden von seinen Kameraden geflogen. Später sass er im Pentagon in jenem Gebäudeteil, in den am 11. September 2001 eine entführte Boeing 757 gelenkt worden war. «Was tust du nun mit dem Rest deines Lebens?», hatte ihn sein ältester Sohn noch am gleichen Tag gefragt – heute wirkt Tom als Pastor.Vor seiner Laufbahn im Pentagon war Tom Joyce «Top Gun»-Pilot auf der F-14 Tomcat. «Top Gun» ist die Elite-Jagdflugschule der US Navy. Für seine Einsätze erhielt Joyce  mehrere Medaillen. «Das war ungefähr zu jener Zeit als der Film 'Top Gun' gedreht wurde.» Mit diesem schrieb Tom Cruise Filmgeschichte. Mehrere der Piloten seien das eine oder andere Manöver geflogen, das im Film zu sehen ist.

In dieser Zeit begegnete Tom Joyce auch seiner Frau Deshua, die damals auf einer christlichen Schule unterrichtete: «Wir lernten uns in der Bibelstunde kennen.» Heute hat das Paar vier Kinder.

Anschlag auf Pentagon überlebt

Als am 11. September 2001 die Boeing 757 ins Pentagon krachte, kümmerte sich Tom Joyce um seine Mitarbeitenden und brachte diese und sich selbst in Sicherheit. In diesen Minuten war noch nicht klar, dass eine Passagier-Maschine von Terroristen entführt und bewusst ins Gebäude gesteuert worden war.

Das Pentagon ist als fünfeckiger Ring angeordnet. Es besteht aus fünf Stockwerken. Die Maschine donnerte in die Gebäudefront, in der Tom Joyce sein Büro hatte. Es befand sich im fünften Stock. «Das Flugzeug krachte unter uns ins Gebäude und es zerstörte die drei Stockwerke unter uns. Sämtliche Scheiben auf unserer Etage zerbarsten.»

Die Tragödie beginnt

In seinem Büro arbeiteten an diesem Tag rund hundert Menschen. Kurze Zeit vor dem Einschlag kam jemand zu ihm ans Pult und sagte: «Captain Joyce (Anm.d.Red.: Er gehörte zu den Büroleitern), das müssen Sie sich im TV anschauen. Ein Flugzeug ist in New York ins World Trade Center geflogen.»

Da Joyce selbst ursprünglich aus New York stammt und sein Vater dort als Polizist diente, kannte er die Gegebenheiten rund um das Center und auch die umliegenden Flughäfen. «Ich konnte mir nur ein kleines Flugzeug vorstellen, jemand, der sich mit seiner Cessna verflogen und einen Unfall verursacht hatte.» Doch der Mitarbeiter insistierte. Wie viele Menschen in den USA sah Tom Joyce wenige Minuten später live im Fernsehen, wie das zweite Flugzeug in den zweiten Turm einschlug. Wenig später wurde das Pentagon getroffen.

Eine Bombe?

«Der Boden bebte und als ich aus dem Fenster blickte, sah ich einen Feuerball. Wir wussten noch nicht, was uns getroffen hatte, ob es allenfalls auch  eine Bombe gewesen sein könnte. Jedenfalls musste es sehr gross sein.» Auch Joyce sei umgeworfen worden, blieb jedoch unverletzt. Manche wurden von Gegenständen getroffen, die durch die Wucht des Einschlags durch die Luft flogen.

Er ging als Letzer

Alle Leute versuchten so schnell wie möglich aus dem Pentagon zu flüchten. «Unter uns stand das Gebäude in Flammen, wir mussten sofort raus. Zusammen mit einem anderen Navy-Captain sorgte ich dafür, dass alle das Gebäude verlassen konnten – ich als Letzter.» Insgesamt habe es 40 Minuten gedauert, bis das gesamte Pentagon geräumt gewesen sei.

Rund einen Monat nach dem Terrorakt konnte Joyce in die früheren, noch bestehenden Räume zurückkehren, um die Dokumente zu holen, die in Safes lagerten. Im August 2002 waren die alten Räume erneuert und bezugsbereit. Auch Tom Joyce zog aus dem Provisorium wieder ins Pentagon.

«Was tust du mit dem Rest deines Lebens?»

Rückblende: Noch am selben Abend des Terroranschlags war Tom Joyce von seinem ältesten Sohn umarmt und mit tiefgreifenden Worten konfrontiert worden: «Ich danke Gott, dass er dein Leben verschont hat.»

Es sei ihm vorgekommen, als habe der Heilige Geist durch seinen Sohn gesprochen, berichtet Joyce. Und der Junior hatte nachgedoppelt: «Darf ich dir eine Frage stellen? Gott hat dein Leben verschont. Was wirst du nun mit dem Rest deines Lebens tun?»

«Die Frage meines Sohnes führte dazu, dass ich von Gott wissen wollte, wie seine Pläne für mein Leben aussähen.» Tom Joyce entschied sich für eine theologische Weiterbildung. Und auch die Verantwortlichen der Gemeinde, in der er als Ältester diente,  ermutigten ihn, als Pastor zu arbeiten.»

Heute auf der Kanzel

Im April 2003, nach 25 Jahren in der Navy, wechselte Tom Joyce schliesslich in den pastoralen Dienst, den er noch heute ausübt. In der «Immanuel Bible Church» ist er neben den Sonntags-Botschaften für das Jüngerschaftstraining zuständig.

Daneben tritt Joyce immer wieder als Gastredner auf; meistens geht es dabei um seine Erlebnisse rund um 9/11. Tom Joyce resümiert: «Die Angriffe des 11. Septembers 2001 waren nicht der entscheidende Moment in meinen Leben. Aber Gott hat sie dazu genutzt, damit ich als Pastor den Menschen dienen und seine Geschichte weiterschreiben kann.»

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