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Jason Wilson

Jason Wilson – Was macht einen Mann aus?

Jason Wilson, Gründer und Geschäftsleiter von «The Yunion» und Schriftsteller, befasst sich mit der Definition von Männlichkeit. Er entlarvt dabei Lügen, die Männern erzählt wurden, wer oder wie sie sein müssen.

Jason Wilson, Gründer und Geschäftsleiter von «The Yunion»und Schriftsteller, befasst sich mit der Definition von Männlichkeit. Er entlarvt dabei Lügen, die Männern erzählt wurden, wer oder wie sie sein müssen.

«Als ich in die High School kam, wurde ich ein sehr beliebter DJ in Detroit, ich machte ein paar Touren mit Rap-Gruppen», erinnert sich Jason Wilson. Seine Mutter nahm ihn immer in eine christliche Gemeinde mit – Jason hasste es. «Ich haute dann jeweils durch die Hintertür ab, sobald sie auf der Chortribüne war, von wo aus sie mich nicht mehr sehen konnte. Mit Kollegen ging ich dann in die Spielhalle und achtete darauf, dass ich rechtzeitig zurück war, bevor sie ihren Platz wieder verliess…»

Dann folgten zwei Ereignisse, die vieles bei ihm veränderten. Bei einer eigentlich ambulanten Operation füllten sich seine Lungen mit Flüssigkeit, so dass er auf die Intensivstation verlegt werden musste. Er überlebte.

Kurz darauf nahm die Demenz-Krankheit seiner Mutter so stark zu, dass sie nicht mehr zu Hause bleiben konnte. «Als Jugendlicher feierte ich Partys und legte als DJ auf; das hielt meine Mutter die ganze Nacht wach und bereitete ihr Sorgen. Als erwachsener Mann machte ich mir nun die ganze Nacht Sorgen um sie.» In dem Jahr, in dem sie sterben sollte, stand er kurz vor einem Herzinfarkt, weil er nicht wusste, wie er seine Emotionen bewältigen sollte.

Pharaonen kontrollieren

Nach dem Tod seiner Mutter weinten viele mit Jason. «Danach war mein Leben nicht mehr dasselbe. Es war fast so, als würde Gott sagen: 'Ich habe einen Auftrag für dich, aber ich weiss nicht, ob du schon bereit dafür bist.'»

Kurz darauf wurde er ins Weisse Haus eingeladen, um über die Arbeit zu sprechen, die sein Unternehmen «The Yunion» tut. Er entschied sich, Nachfolger von Jesus Christus zu werden und schrieb zwei Bücher, «Cry Like A Man» und «Battle Cry».

Jason Wilson: «Mose konnte sein Volk erst dann vom Pharao befreien, als er nur mit einem Stab zurückkehrte, aber vor allem, als er im Willen des Höchsten handelte. Das Gleiche gilt für uns. Wir versuchen immer wieder, die Pharaonen in unserem Leben zu kontrollieren und sie einfach niederzuschlagen oder was auch immer. Aber so funktioniert das nicht. Wir müssen im Willen des Allerhöchsten gehen, und das erfordert, dass wir im Geist Gottes leben. Wenn wir seelenlos bleiben, werden wir den Kampf immer verlieren.»

Ein sicherer Raum

«Unsere Trainingsakademie für Jugendliche ist therapeutisch. Wir schaffen einen sicheren Raum, in welchem sie über ihr Trauma sprechen können. Wenn man der psychischen Gesundheit den gleichen Stellenwert einräumt wie der Erhaltung des physischen Körpers, dann wird das zu einem Teil der Kultur», erklärt Jason Wilson.

Er wisse, was ein Stigma ist: «Mein Grossvater – nicht mein Urururgrossvater, sondern mein Grossvater – wurde von Polizeibeamten in Fort Pierce verprügelt. Er hatte nichts Falsches getan, ausser dass er sagte, er sei gleichberechtigt, sich so fühlte und so lebte.» Das Trauma sei bis zu ihm vererbt worden. «Wenn wir also das Stigma der psychischen Gesundheit in der schwarzen Gemeinschaft beseitigen, können wir mit dem Heilungsprozess beginnen. Als ich aufwuchs, waren Leute, die angeschossen wurden, wie Superhelden. Sie wurden nicht mit einem Trauma oder Ähnlichem in Verbindung gebracht. Und so wurden zwei meiner Brüder ermordet. Ich habe einen von ihnen vergöttert, er war Drogendealer und Millionär, aber er kam tragisch ums Leben.»

Vom Trauma befreien

Jason Wilson regt zum Überlegen an: «Wenn du Sklaverei ertragen musstest und siehst, wie deine Kinder an den Meistbietenden versteigert werden, und du nichts dagegen tun kannst, geht das Ganze weiter. Und da du noch zwei andere Kinder hast, um die du dich kümmern musst, kannst du mit diesen Gefühlen im Moment nicht umgehen.»

Wilson stellt die Frage, ob das einen mit der Zeit stark mache. «Nein und nochmals nein. Es ist an der Zeit, das loszulassen, was unsere Vorfahren nicht konnten, wir aber können. Lasst uns unseren Geist von diesem Trauma befreien. Und dann werdet ihr die Heilung sehen, die wir uns wünschen, und sie wird sich auch in anderen Bereichen der Gemeinschaft zeigen.»

Männlich, mit Gefühlen

Als er anfing, «ein richtiger Mann zu werden», habe sich sein Leben völlig verändert. «Meine Beziehung zu Christus wurde wirklich persönlich, weil ich die Gefühle, die in mir schlummerten, ausdrücken konnte. Der grosse König und Krieger David war auch ganz und gar männlich. Aber wie wir in den Psalmen lesen, die er schrieb, war er sehr mitfühlend und fürsorglich. Manchmal hatte er Angst. Und es gibt keinen Mut ohne Liebe, denn was einen Mann dazu bringt, für seine Familie durchs Feuer zu gehen, ist Liebe, nicht nur Mut.»

Leider haben wir als Männer in der Gesellschaft nur ein Adjektiv zugelassen, nämlich Männlichkeit, bilanziert Jason Wilson. «Ich dachte wirklich, das sei eine umfassende Definition von Männlichkeit. Aber das ist es nicht, es sind nur vier oder fünf Attribute: Stärke, Kühnheit, Aggression, solche Dinge. Aber es beinhaltetet nicht Pflege, Mitgefühl, Fürsorge, Langmut, Geduld. Also, wenn ein Mann nur die ersten Eigenschaften hat, ist sein Leben definitiv unvollständig. Es ist nicht umfassend.»

Er rät, zu dem zu gehen, der einen geschaffen hat, zu Gott. «Nehmen Sie sich die Freiheit, menschlich zu sein, aber erlauben Sie sich auch, durch die Kraft seines Geistes durch diese Ängste, Sorgen, Nervosität, Depressionen und so weiter hindurchzugehen.»

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