Er bringt Hoffnung per Bike – Vom Häftling zum BMX-Profi

Tony Hoffman hatte begonnen, sich mit Drogen selbst zu zerstören. Seine Sucht brachte ihn hinter Gitter, wo er begann, seinen Lebenswandel zu hinterfragen. Nachdem sein Leben im Gefängnis auf den Kopf gestellt wurde, begann seine BMX-Laufbahn.

Tony Hoffman hatte begonnen, sich mit Drogen selbst zu zerstören. Seine Sucht brachte ihn hinter Gitter, wo er begann, seinen Lebenswandel zu hinterfragen. Nachdem sein Leben im Gefängnis auf den Kopf gestellt wurde, begann seine BMX-Laufbahn.Er sei ein Spätstarter gewesen, sagt BMX-Profi Tony Hoffman. «Ich begann mit dem Sport im Alter von zwölf Jahren.» Zu dieser Zeit war er bereits ein waghalsiger Inline-Skater, der beispielsweise auf Handläufen hinunterglitt (ein typisches Freestyle-Kunststück). «Ich wurde besser und besser, erkannte aber nicht, wie mich die Zuschauer beeinflussten.» Seine Eltern hingegen bemerkten dies.

«Ich wurde zum Punk-Kid. Selbst nahm ich zwar keine Drogen, doch ein anderer Jugendlicher aus meiner Gitarrenklasse zeigte mir, wie man Marihuana konsumiert.» So wurde er in die Drogenwelt eingeführt. Und bald darauf wurde er beim Verkauf von Drogen erwischt.

Vater ermutigt

Sein Bruder bestritt zu diesem Zeitpunkt bereits BMX-Rennen. Einmal lud er Tony ein mitzukommen. Sein Vater ermutigte ihn: «Die Leute aus deiner Klasse sind auch dabei, denkst du nicht, dass du diese Jungs besiegen würdest?» Das begeisterte Tony. «Ich liebte Herausforderungen!» Sein Talent war bald offensichtlich und er begann regelmässig zu fahren.

Zu diesem Zeitpunkt habe er zu Sportstars wie Dennis Rodman (Basketball) aufgesehen, welche übermütig und etwas arrogant waren. Das habe auch dazu geführt, dass er nur noch sich selbst gesehen habe.

Auf der Strasse gelebt

Mit 18 habe er dann die falschen Leute um sich gehabt. «Während fünf bis sechs Jahren nahm ich Drogen. Ich musste in die Reha und ins Gefängnis.» Die verschiedenen harten Drogen führten dazu, dass er auf der Strasse landete. «Wenn du auf der Strasse schläfst und alleine bist, hast du niemanden, mit dem zu deinen Schmerz teilen kannst. Du bist voller Schuld, Scham und Selbstmitleid.»

In diesen jungen Jahren war für ihn klar, dass er bald sterben würde, wenn es so weitergeht... «Ich sah, dass mein Leben bald zu Ende geht und war bereit, das zu akzeptieren. Ich bat nicht um eine zweite Chance. Mir war bewusst, dass es mehr Menschen gibt, die eine Überdosis nehmen und sterben, als solche, die wieder clean werden.»

Doch da kam ihm plötzlich seine Zeit als junger BMX-Fahrer in den Sinn. Er realisierte, dass er auf dem BMX in kurzer Zeit sehr viel erreicht hatte. Das gab ihm irgendwie wieder eine Perspektive.

Gottesdienst, dann Knast

Am Tag vor seiner Verhaftung wurde er in einen Gottesdienst eingeladen – von jemandem, den er von der Drogenzeit her kannte und der unterdessen Christ geworden war. «Ich sage immer, dass Gott durch einen Busch zu Mose sprach. Bei mir nutzte er einen Drogendealer.»

Tony war bereit dazu. Er war längst obdachlos und hatte auch kaum Kleider. «Der Pastor legte mir die Hände auf und betete für mich.» Der Pastor habe ihn nicht gekannt und nicht von seiner Sucht gewusst. Doch er sagte: «Du musst dich nicht mehr länger Sorgen, Gott wird dich befreien.»

Paradoxerweise wurde Tony 24 Stunden später verhaftet. Doch auch im Gefängnis spürte er, dass etwas anders war als zuvor: «Mein Herz begann zu sagen: 'Ich glaube, ich glaube, ich glaube. Das ist real.'»

«Ich brauche Wegleitung»

Von Beginn weg begann er in der Bibel zu lesen und bat Gott um Wegeleitung: «Wenn du zeigst, wohin, gehe ich diesen Weg ohne zurückzuschauen.» Ab diesem Zeitpunkt liess er sich auf Gott ein und dieser brachte ihn langsam aber sicher zurück auf die Spur des Lebens.

Zusammen mit einem anderen Gefangenen studierte Tony in der Bibel. Schon nach ein paar Tagen hinter Gittern erkannte er es als göttlichen Gedanken, zurück auf das Bike zu gehen. Nach 23,5 Monaten – also rund zwei Jahren – wurde er aus der Haft entlassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sieben Jahre lang kein BMX mehr gelenkt. «Vier Monate später fuhr ich mein erstes Rennen. Ich wurde Dritter. Und bald darauf war ich Profi.»

Bike statt Stock oder Haar

«Moses hatte seinen Stock, Simson sein Haar und Johannes der Täufer seine Sandalen. Ich habe mein Bike. Das ist meine Berufung. Natürlich werde er das nicht bis im Alter von 70 Jahren tun können, vielleicht nicht einmal bis 40, aber im Moment ist es mein Missionsfeld.» Inzwischen ist er vor allem als christlicher Referent und als Coach unterwegs, so zum Beispiel bei den Olympischen Spielen in Rio 2016.

Mit seinem christlichen Dienst «Freewheel Project» versucht er Jugendliche zu erreichen und ihnen nahezulegen, im Leben die richtigen Entscheide zu fällen. Einer seiner Sponsoren stellt Bikes und Helme zur Verfügung, so dass er die Jugendlichen zu Wochenenden einladen kann. Tony Hoffmann sagt, Gott habe ihn durch seine Zeit im Gefängnis in seine Bestimmung geführt.

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