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Curtis Carroll

Curtis Carroll – Verurteilter Mörder fand Jesus und wurde Finanz-Koryphäe

Für sein erstes Verbrechen wurde Curtis Carroll beglückwünscht. «Es war das erste Mal, dass mir gesagt wurde, dass ich Potenzial habe und das Gefühl, dass jemand an mich glaubt», erinnert sich Curtis. Seine Karriere auf der schiefen Bahn begann…

Für sein erstes Verbrechen wurde Curtis Carroll beglückwünscht. «Es war das erste Mal, dass mir gesagt wurde, dass ich Potenzial habe», erinnert sich Curtis. So begann seine Karriere auf der schiefen Bahn …

«Niemand hat mir jemals gesagt, dass ich ein Anwalt, Arzt oder Ingenieur werden könnte. Ich konnte nicht lesen, schreiben oder buchstabieren. Ich war Analphabet. Also dachte ich immer, das Verbrechen wäre mein Weg.»

Curtis Carroll lebte in einem Problemviertel, in dem eine Crack-Epidemie grassierte. Seine Mutter spendete Blut, um Geld für die Ernährung ihrer Kinder zu bekommen. Sein Onkel brachte Curtis bei, Münzen aus Spielautomaten zu stehlen. Einmal entdeckte ihn ein Wachmann beim Stehlen der Münzen. Curtis rannte weg, kletterte über einen Zaun, aber das Gewicht der Münzen in seinem Rucksack liess ihn wieder auf den Boden fallen.

Tödlicher Raubüberfall

Als er aus dem Jugendgefängnis entlassen wurde, riet ihm sein Onkel, beim nächsten Mal klüger zu sein: «Du solltest nicht alle Vierteldollarmünzen nehmen.» Zehn Minuten später brachen sie gemeinsam in eine andere Spielhalle ein, weil sie Benzin kaufen mussten, um nach Hause zu kommen …

Im Alter von 17 Jahren endete ein misslungener Raubüberfall tödlich: Curtis drückte ab und ermordete dabei den 22-jährigen Gilberto Medina Gil. Curtis stellte sich der Polizei und wurde für den Mord zu einer Gefängnisstrafe verurteilt – 54 Jahre bis lebenslänglich. Weil er Analphabet war, liess er sich von seinem Zellengenossen die Sportseite vorlesen. Aber einmal schnappte er sich versehentlich den Wirtschaftsteil.

Ein Hauch von Hoffnung

Ein älterer Häftling fragte ihn beiläufig, ob er mit Aktien handele. Curtis konnte nicht lesen, geschweige denn etwas über Aktien wissen – er fragte, was das denn sei. «Da legen die Weissen ihr Geld an», antwortete der ältere Häftling. «Es war das erste Mal, dass ich einen Hauch von Hoffnung sah, eine Zukunft. Er gab mir eine kurze Beschreibung, was Aktien sind.»

Neugierig brachte sich Curtis im Alter von 20 Jahren selbst das Lesen bei. «Es war das Schwerste, was ich je in meinem Leben getan habe. Ich wusste nicht, dass ich die grössten Geschenke erhielt, von denen ich je geträumt hatte: Selbstwertgefühl, Wissen, Disziplin.»

Erste Investitionen

Als nächstes studierte er das Finanzwesen im Allgemeinen und den Aktienmarkt im Besonderen. Er durchforstete die Wirtschaftsteile der Gefängniszeitungen und holte sich Bücher aus der Gefängnisbibliothek. Seine Vorbilder wechselten von Drogenschiebern zu William Bennett und Bill Gates.

Er begann, mit Hilfe von Familienmitgliedern ausserhalb des Gefängnisses, in Pennystocks zu investieren. Dazu verwendete er Geld, das er durch den Verkauf unbenutzter Briefmarken und den Verkauf von Tabak an seine Mitgefangenen bekam. Als er kleine Renditen rausholte, wählte er grössere Werte aus.

Finanzplan für Ex-Häftlinge

Ausserhalb des Gefängnisses wuchs sein Bankkonto. «Ein typischer Inhaftierter betritt das kalifornische Gefängnissystem ohne finanzielle Bildung, verdient 30 Cent pro Stunde, über 800 Dollar im Jahr, hat keine wirklichen Ausgaben und spart kein Geld», bilanziert Curtis.

«Ohne sinnvolle Vorbereitung oder einen langfristigen Finanzplan, was macht ein entlassener Häftling? Sich einen guten Job suchen? Oder wieder zu dem kriminellen Verhalten zurückkehren, das ihn überhaupt erst ins Gefängnis gebracht hat? Ihr Steuerzahler, ihr habt die Wahl», sagt Curtis Carroll heute. Und er arbeitet am Teil der Lösung mit: Als Antwort darauf setzte sich Curtis dafür ein, dass die Gefängnisreform um finanzielle Bildung ergänzt wird. Und das Gefängnispersonal reagierte und arrangierte, dass er in der Kapelle des Gefängnisses über Finanzen unterrichten durfte.

Jesus kennengelernt

Curtis lernte im Gefängnis auch Jesus kennen. «Ich möchte Gott alle Ehre geben. Echte Freiheit ist ein mentaler Zustand, kein physischer. Ich bleibe fröhlich aufgrund der Gnade Gottes und des Geschenks, das er mir gegeben hat. Ich bleibe fokussiert, denn mit dieser Gabe, die mir gegeben wurde, gibt es eine Aufgabe, die erledigt werden muss.»

Er bleibe motiviert, «weil es meine Lebensaufgabe ist, anderen zu dienen. Es gibt kein besseres Gefühl und keine grössere Ehre, als anderen zu dienen. Alle Ehre gebührt Gott.» Im Fokus hat er den ganzen Menschen: Jesus, um die Seele zu heilen, und finanzielles Wissen, um dem Gebrochenen eine Strategie an die Hand zu geben, um praktisch erfolgreich zu sein für die Zeit, wenn er draussen ist.

Wie kann das sein?

«Wie können 50 Prozent der amerikanischen Bevölkerung finanzielle Analphabeten sein in einer Nation, die von finanziellem Wohlstand angetrieben wird?», fragt Curtis Carroll. «Mehr als 60 Prozent der amerikanischen Bevölkerung hat weniger als 1'000 Dollar an Ersparnissen. Die Zeitschrift 'Sports Illustrated' stellte fest, dass über 60 Prozent der NBA- und NFL-Spieler nach ihrer Karriere pleitegehen.»

Und weiter kranke es wegen Materiellem: «Vierzig Prozent der Eheprobleme rühren von finanziellen Problemen her. Wollen Sie mir sagen, dass die Leute ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben, sich Autos, Kleidung, Häuser und materielle Dinge gekauft haben, aber von der Hand in den Mund leben mussten? Wie um alles in der Welt sollten die Mitglieder der Gesellschaft den Eingesperrten zurück in die Gesellschaft helfen, wenn sie nicht mit ihren eigenen Sachen zurechtkommen?»

Verantwortung übernehmen

Curtis lehrt die Männer zunächst, das wenige Geld, das sie durch Jobs im Gefängnis verdienen, zu sparen. Er lehrt sie, Verantwortung zu übernehmen und sparsam zu leben. Und er bereitet sie auf das Leben draussen vor.

Zusammen mit seinem Häftlingskollegen Troy Williams gründete er die Organisation «F.E.E.L» («Financial Empowerment Emotional Literacy»).

Hier erzählt Curtis Carroll seine Geschichte (Englisch):

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