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Titus Schlagowsky; der Kneipenpastor

Knast, Kneipe, Kanzel – Um drei Ecken zu Gott

In der DDR wird er gemobbt. Als Berufsmann wird er betrogen. Seine Frauengeschichten verursachen viel Leid. Wegen falscher Anschuldigungen kommt er ins Gefängnis. Und da erlebt er Gottes Annahme.

In der DDR wird er gemobbt. Als Berufsmann wird er betrogen. Seine Frauengeschichten verursachen viel Leid. Wegen falscher Anschuldigungen kommt er ins Gefängnis. Und da erlebt er Gottes Annahme.

Titus Schlagowskys Lebensgeschichte ist voller Höhen und Tiefen, sein Buch extrem spannend. «Eines sage ich dir: Egal wie schwer dich dein eigenes Versagen niederdrückt, Gottes Hand kann dich überall heraus retten. Seine Vergebung gilt immer. Doch bis ich das selbst erkannt hatte, war es ein langer Weg…».

So beginnt die turbulente Lebensgeschichte von Titus Schlagowsky. Der verträumte Junge von einst hat eine Karriere hinter sich, die er niemandem wünscht. Ausser, dass er jedem versichert, dass es bei Gott kein «für mich nicht» gibt.

Idylle und Ohnmacht

1969 wird Titus Schlagowsky in der ehemaligen DDR geboren, in Crimmitschau, einem Dorf in Sachsen. Er hat zwei Geschwister, Eltern, die gut für sie sorgen. Der Junge verbringt viel Zeit auf den Feldern und Wiesen draussen in der Natur. Doch ihre Wohnung ist so feucht, dass er sich einen chronischen Husten einfängt. Als Vierjähriger muss er deshalb drei Monate lang zur Erholung an die Ostsee. Sein Vater fährt ihn, 400 km von Zuhause entfernt. Das Heimweh bringt den Kleinen fast um, doch er hat gelernt, sich durchzubeissen. Er lebt in einem kommunistischen Land. Hier muss man parieren, innerhalb und ausserhalb der Familie.

Für dich nicht

Einer seiner Grossväter ist gläubiger Christ, der andere sogar Pfarrer. Sein Vater hat zwar Maschinenbau studiert, bekommt aber keine Stelle in dieser Branche. Als Pfarrerssohn wird ihm das vorenthalten. Also arbeitet er als Tankwart. Die Mutter erzählt den Kindern von Gott, lebt den Glauben vor.

Doch die Familie passt sich nicht herrschenden Regime an. Titus darf nicht wie alle anderen zu den Jungpionieren, der kommunistischen Jugendorganisation. Das macht ihn anders, grenzt ihn aus. In der Schule wird er gemobbt und lernt bald, sich mit den Fäusten zu verteidigen. Er macht seinem Namen bald alle Ehre.

Abhauen?

Trotz vieler Einschränkungen erlebt der junge Titus auch Schönes. Er lernt Schreiner, arbeitet zusätzlich schwarz als Taxifahrer und spart so viel Geld, dass er sich einen Traum erfüllen kann. Zusammen mit seiner Freundin, einer Kollegin und seinem Chef fährt er nach Bulgarien in die Ferien. Die Tour ist mehr als abenteuerlich, und auf dem Heimweg überlegt er sich, die Gelegenheit zu nutzen und in den Westen abzuhauen. Doch sein Chef brüllt ihn an: «Verräter! Du kannst uns doch nicht allein lassen. Bleib gefälligst hier! Was soll denn aus deiner Familie werden? Und was wird aus uns?» Schlagowsky wird bewusst, dass seine Familie und die Mitfahrer dafür büssen müssten, wenn er Staatsflucht begeht. Also steigt er wieder ein und fährt stinkwütend in die DDR zurück. 

Auswandern!

Am 19. November 1989 fällt die Mauer und bald verlässt Titus seine Heimat nun doch. Ernüchtert stellt er fest, dass es in Westdeutschland sehr anders zugeht als zuhause. Nicht mal sein Dialekt wird verstanden. Doch er ist ein tüchtiger Berufsmann und findet bald Arbeit. Als seine Freundin ihn mit dem gemeinsamen Kind verlässt, stürzt er sich in die Arbeit und lenkt sich so ab. Er ist sehr geschickt, macht die Meisterprüfung. Doch sein Chef will seinem Sohn das Geschäft übergeben und entlässt den Gesellen.

Nun macht sich Titus selbständig und ist sehr erfolgreich. Er kauft eine weitere Immobilie, die neben Wohnungen ein riesiges Café beherbergt. Aber er muss aufwendig sanieren. Er übersieht gewisse Zahlungsklauseln, die ihm als «Ossi» nicht geläufig sind und er schummelt, um finanziell über die Runden zu kommen. Resultat: Sein Betrieb wird geschlossen, er hat keine Arbeit mehr, dafür Schulden. Er hat inzwischen geheiratet und zwei Kinder. Als er sich wieder aufrappelt, gerät seine Ehe in Schieflage. Schliesslich ist er alleinerziehender Vater und völlig überfordert.

Chaos pur

«Mein Leben war ein einziges Chaos. Sowohl beruflich wie privat ging alles drunter und drüber. Ich machte mir Sorgen um die Firma, deshalb vernachlässigte ich die Kinder. Und ich war nicht fit, wenn es zu Problemen in der Schreinerei kam.» Schliesslich gründet er mit einem Partner zusammen eine neue Firma. Bis eines Tages am frühen Morgen die Steuerfahnder in seinem Schlafzimmer stehen. Der ehemalige Mitinhaber des Cafés hat ihn aus Rache angezeigt. Nun wird er wegen Steuerhinterziehung angeklagt. «Zwischen 2004 und 2011 hatte ich siebzehn Mal die Steuerfahndung bei mir zu Besuch», erinnert sich Schlagowsky. «Die Aktionen, die ich erlebt habe, waren fürchterlich. So etwas wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht mehr.»

Hinter Gittern

Der Familienvater wird verhaftet und muss ins Gefängnis. Die Zustände sind sehr hart, nagen an Gesundheit und Psyche. Seine Rettung ist, dass er den Gefängnispfarrern helfen darf und sie ihn freundlich behandeln. Während der Gottesdienste kommt er etwas zur Ruhe. Doch die ganze Situation macht ihn fertig. Aus seiner Jogginghose und einem Unterhemd knüpft er einen Strick. Er hat genug. Bevor er seinen Plan umsetzt, geht er auf die Knie, um zu diesem Gott zu beten, den er aus seiner Kindheit kennt.

«Ich habe noch etwas vor mit dir»

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Buch «Der Kneipenpastor»

«Als ich mit ihm redete, brach es plötzlich aus mir heraus. Ich betete und heulte und heulte und betete.» Er spürt, dass Gott noch etwas vorhat mit ihm. Und er beschliesst, ihm zu vertrauen. «Ich habe diesen totalen Absturz gebraucht, sonst hätte ich mich nie auf ihn eingelassen.»

Er wird nicht aus der Haft entlassen, äusserlich ändert sich nichts. Doch die anderen Häftlinge spüren, dass sich in ihm etwas verändert hat. Er wird zum Mülleimer und Seelsorger für sie – ihm erzählen sie von ihrer Angst und Schuldgefühlen, er betet für sie. Oder besorgt ihnen kleine Extras wie Duschgel.

Kneipenwirt und Pastor

Heute führt Titus Schlagowsky eine Kneipe und ist Laienpastor. Er ist wieder verheiratet und hat eine Familie. Seine Kneipe wird genauso zur Kanzel wie die Kirche. Seine Gäste wissen, woran er glaubt. Und sie hören ihm zu. Auch ich legte sein Buch nicht mehr aus der Hand, als ich anfing, es zu lesen.

Zum Buch:
Der Kneipenpastor von Titus Schlagowsky und Hauke Burgarth

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